Sizilien

Wir brechen in Rocella pünktlich um 0600 auf, knapp vor Sonnenaufgang, die “rosenfingrige Eos“ ist gerade aufgestanden. Der Wind ist anfangs günstig, auch wenn aus der Ferne die Gewitter sich schon dumpf grollend ankündigen, nach Sizilien sind es gut 70 Meilen, also ein ganzer Tag auf See.

Sizilien begrüßt uns stürmisch, umarmt und schüttelt uns richtig und greift und uns dann ganz tief in die Tasche. Auf der Überfahrt kommen wir ins Gewitter, hohe Wellen und 35 Knoten Wind, stark gerefft geht es am Wind nach Liposto. Die KALI-MERA segelt trotz der unangenehmen Bedingungen wunderbar, wir sind angeleint mit Schwimmwesten im Cockpit, rund um uns blitzt und donnert es, eine Wasserhose zieht an uns vorbei, aber es ist nicht unbequem. Ursprünglich wollten wir vor Taormina ankern und von dort den Aetna besuchen, das schlechte Wetter lässt uns aber umplanen und wir reservieren telefonisch in der Marina einen Platz. Die Marina ist schön und sicher, aber ungeheuer teuer, die zwei Tage machen mehr an Hafenkosten aus als die letzten fünf Jahre Griechenland zusammen (ich habe versucht nachzuverhandeln – ich möchte den Platz ja nur für zwei Tage mieten und nicht die Marina kaufen – aber zwecklos). Am nächsten Tag besuchen wir den Aetna, wir fahren mit dem Mietwagen zur Seilbahn (in der Marina fragen wir nach dem Preis für einen Mietwagen, verlassen entrüstet das Etablissement wegen der 100% Überteuerung und mieten nach vergeblicher Suche nach einer anderen Autovermietung im Ort erst recht dort – Canossagang) und dann mit der Gondel zur Bergstation, dort werden wir mit einem Geländefahrzeug zu einem Krater geführt und dann gibt es noch einen geführten Rundgang – landschaftlich wunderschön aber ein ungeheurer Extrem-Konsum-Tourismus! Wir wollten den Berg besteigen und haben geglaubt dafür das (unverschämt teure) Ticket erworben zu haben, – völige Fehlanzeige – wir sind auf 3000 Meter Höhe neben Touristen in kurzen Hosen und Sandalen im Souvenier-Shop gestanden…. Ich war trotz der grandiosen Umgebung enttäuscht, ich habe das Gefühl hier richtig „gemolken“ zu werden, Sizilien hat mein Herz vorerst nicht gewonnen, vielleicht kommen wir außerhalb der Hauptsaison noch einmal her und versuchen´s noch einmal. Das Objektiv meiner Kamera hat bei genau 3000 Meter Höhe das zeitliche gesegnet, war wahrscheinlich nur bis 3000 zugelassen.

Von Sizilien segeln wir durch die Strasse von Messina wieder nach Kalabrien, in dem wunderschönen Ort Tropea wartet noch einmal Elios Mechaniker um den immer noch tropfenden Generator nun endgültig abzudichten. Wir bewältigen Skylla und Charybdis, der mitlaufende Strom von über fünf Knoten beschert uns eine Rauschefahrt von elf Knoten über Grund. Überall gibt es starke Wirbel und das Wasser schäumt plötzlich auf, Gischt fliegt und Wellen werfen sich gegen den Wind, es ist ein fantastisches Erlebnis. Im hübschen – hoch in die Felsen gebauten – Ort Skilla, in dem früher das homerische Ungeheuer gehaust hat, können wir nicht anlegen, der Hafen ist zu klein und völlig überlaufen. Einige Seemeilen weiter finden wir einen Fischerhafen mit bestem Schutz, dort bleiben wir eine Nacht, dann geht es weiter nach Tropea. Es ist nicht zu glauben, nach zehn Minuten Arbeit tropft Herr Generator nicht mehr, es wurde eine Dichtung vergessen. Nachdem wir eine ordentliche Marinaallergie entwickelt haben ankern wir vor der Hafeneinfahrt vor dem schönen Badestrand. Am nächsten Tag geht es weiter zu den liparischen Inseln, voller Vorfreude auf Buchten und idyllische Ankerplätze. In der ersten Nacht umrunden wir Stromboli und bewundern die Lavafontänen die hier in die Luft geschleudert werden. Dann fahren wir noch in der Nacht (rund um uns gewittert es aber wir bleiben trocken) weiter nach Vulcano und ankern noch bei Dunkelheit über steilem Felsgrund zwischen hundert anderen Schiffen – es ist unglaublich überlaufen und jeder noch so kleine Platz ist besetzt, dazwischen rasen rücksichtslos die italienischen Schnellfähren und Ausflugsschiffe und erzeugen gewaltigen Schwell, die Vorstellung von ruhigen Badebuchten mit ruhigen Nächten ist ganz plötzlich ganz weit weg. Wir sind hier mitten in einem Boots-Rummelplatz im Hochbetrieb, so als würden wir auf einer Autodrombahn beim Feuerwehrzeltfest campieren und die örtliche Jugend versucht nach belebendem Bierwetttrinken herauszufinden, wer als schnellster am engsten bei uns vorbeifahren kann. Aber die Landschaft hier ist berauschend schön, Inseln die Feuer spucken, riesige Krater, bizarre Mondlandschaften, fruchtbare grüne Berge – das entschädigt für vieles.

Auf der Überfahrt nach Stromboli macht die elektrische Furling seltsame Geräusche, wir montieren die manuelle Not-Reffeinrichtung und ich zerlege das Teil so gut es geht am nächsten schaukelnden Ankerplatz, wahrscheinlich ist die Schmierung nicht ausreichend, ich kann ein wenig Schmiere einbringen und es wird besser, ich hoffe sie hält bis Gibraltar durch und wir können sie dort komplett ausbauen und überprüfen. Auch die Furling wurde von Yakomos serviciert, ein (da wollen wir uns nun sicher sein) letzter Gruß aus der Türkei. Wir sind dankbar, dass wir wieder einmal die Chance haben, unser Schiff noch besser kennenzulernen 🙂

Aetna, Herbert und Krater
Aetna, Herbert und Krater
Vulcano, Ankerplatz
Vulcano, Ankerplatz
Aetna, Tadeja und Krater
Aetna, Tadeja und Krater
Aetna, Lavaweitwerfen
Aetna, Lavaweitwerfen
Tropea, Marina und Stadt
Tropea, Marina und Stadt
Stromboli
Stromboli
Scilla
Scilla
Roncella, Aufbrauch bei Sonnenaufgang
Roncella, Aufbrauch bei Sonnenaufgang
Crotone, ein alter Bekannter kommt zurück
Crotone, ein alter Bekannter kommt zurück
Aetna, auf den Touristen-Gipfel mit dem Unimog
Aetna, auf den Touristen-Gipfel mit dem Unimog

Apulien

Nach zwei Tagen in Siena Machen wir uns auf den Weg Richtung Apulien. Wir halten uns fern von jeder Autobahn und kurven auf Landstrassen bergauf und bergab durchs Gebirge. Aus den vier Stunden Fahrtzeit nach Agnone, einem Bergdorf auf ca. 1000 m Seehöhe, werden es fast acht. Wir fahren bei Maroni-Plantagen vorbei, rollen durch blühende Gegenden und schrauben uns immer höher hinauf auf die Pässe, mitten in die an den Bergen tiefhängenden Wolken. Mit der Höhe wird es kühler, von 36 Grad kommen wir auf 18 Grad auf weit über 1000 Metern. Wir fahren unseren Navi mit den OSM Karten nach, das kann immer einen Überraschungseffekt haben wenn wir wirklich die kürzeste Route geführt werden und uns wie auf einer Expedition ins Ungewisse fühlen. Auf den letzten Pässen vor Agnone wird es dunkel, im Schrittempo geht es über die „Schweizer-Käse“- Strassen mit den riesigen Schlaglöchern die heimtückisch immer nach einer Kurve oder sonstwo, wo sie schlecht sichtbar sind, lauern. Dichter Nebel hüllt uns ein und es wird kühl – am liebsten würden wir am nächsten Parkplatz kampieren. Agnone entpuppt sich dann als sehr hübscher Ort, ein italienischer Gebirgs-Tourismus-Ort, freundliche Menschen die ausschließlich italienisch sprechen, und sehr guter Rotwein. Am nächsten Tag entdecken wir in der nächsten Salameria Trüffel-Spezialitäten (in Öl, Trüffelpaste…), die wir für unsere Kombüse erstehen. Wir sind mitten in der Trüffelgegend, überall sind die kleinen Freunde, sogar auf der Lammkeule und den Spaghetti. Agnone haben wir uns spontan als Ziel auserkoren, nachdem wir Google gefragt haben, wo es denn ein Bergdorf in Mittelitalien gibt.

Die Landschaft hier ist großartig, die Bergwelt der Abruzzen wechselt sich mit fruchtbaren Tälern ab, Dörfer werden auf die Spitzen der Hügel gebaut, alles in Rot-Tönen und mit mindestens einer mächtigen Kirche mittendrin.   Am nächsten Tag geht es weiter nach Apulien, ich bin schon ganz voller Vorfreude auf die Trullis, die sonderbaren spitzen Steinhäuschen, die es rund um Alberobello gibt. Wir werden nicht enttäuscht, die Trullis schauen noch hübscher aus als wir uns das vorgestellt haben, bei manchen möchte man warten bis Bilbo Beutlin aus dem Wochenendhaus herausschaut. Wir wohnen in einem wunderschön renovierten Bauernhaus (mit kleinen Trulli Türmchen) in den Olivenhainen, ein wunderbarer Platz, wo wir leider nur eine Nacht bleiben können (bis 2016 ausgebucht, Bewertung auf Booking.com 9.9), ein Paradies. Wir verbringen den milden Abend mit Parma-Schinken, Käse und dem lokalen vollmundigen Primitivo (zumindest ich, Tadeja bleibt bei Ihrem Bianco) im Garten, eine traumhafte und friedvolle Idylle. Sogar die Gelsen sind bemüht, die Stimmung nicht zu beinträchtigen, sie beißen so dass man erst am nächsten Tag merkt, dass es juckt J Am nächsten Tag gibt es das beste Frühstück, das wir je in einer Herberge bekommen haben, einfach unbeschreiblich, alles frisch für uns zubereitet, nur Bio-Produkte, wir würden gerne noch bleiben…

Zwischenzeitlich haben wir bei Elio nachgefragt wie den der aktuelle Gesundheitsstatus unseres Generators ist, Dr. Elio hat etwas von Fieber und fehlenden Ersatzteil-Medikamenten gesprochen, wir verlängern dann den Mietwagen um zwei weitere Tage und haben keinen Stress mit der Rückkehr nach Crotone. Den nächsten Abend verbringen wir in Matera, mitten in den Sassi, ein tolles Hotel mit traumhafter Terasse über der Schlucht. Fast einen ganzen Tag erkunden wir Matera, sind dann müde und begeistert und machen uns auf den Rückweg nach Crotone. Nach über zwei Wochen unterwegs bin ich wieder ganz glücklich am Schiff, jetzt wird selbst gekocht und kein Restaurant sieht uns mehr in den nächsten Tagen, es gibt italienische Köstlichkeiten aus der eigenen Kombüse (und Primitivo, den ich in Alberobello vorsorglich auf Reserve gekauft habe).

Der Generator ist immer noch krank und wird es auch noch einige Tage bleiben, aber für Sonntag ist nun der Einbau final vereinbart worden, Elio hat uns zwar schon x-mal versprochen, dass alles in ein-zwei Tagen fertig ist und nie hat´s geklappt, er wirkt aber trotzdem jedesmal so vertrauenswürdig, dass wir es diesmal auch wieder glauben wollen. Ich nutze die Zeit und erledige einiges am Schiff was ich schon seit einiger Zeit aufgeschoben habe (Gasfach abdichten, Solarkabel neu verlegen, Backskiste reinigen) und dann machen wir einen Segelausflug in den Süden und kommen erst wieder zurück wenn Elio und der Generator …

Wir sind nun schon seit über drei Monaten unterwegs und haben es erst bis nach Italien geschafft – wo auch immer wir sind, würden wir gerne etwas bleiben, und Italien hat es uns besonders angetan. Wir müssen nun wohl oder übel unser Tempo etwas erhöhen, wenn wir im September in Gibraltar den Atlantik begrüßen wollen, ich verstehe immer besser dass man einige Jahre mehr für eine Reise reservieren sollte. Wir gleiten sehr ruhig voran, es ist nicht hektisch und auch nicht aufregend, es ist ein sanftes Weiterziehen von einem Lager zum nächsten, ein Tempo in dem die Seele mitkommt, wir genießen das sehr. Ich bin viel langsamer geworden und habe es nicht mehr so eilig, die Tage vergehen ohne dass ich das Gefühl habe, etwas zu versäumen, es ist sehr schön.

Apulien
Apulien
aufbauendes Kirchenportal in Matera
aufbauendes Kirchenportal in Matera
Crotone, Festung und Herbert
Crotone, Festung und Herbert
erste Zeichen von Entspannung erkennbar
erste Zeichen von Entspannung erkennbar
Matera, Balkonblick, Nacht
Matera, Balkonblick, Nacht
Matera, Balkonblick, Tag
Matera, Balkonblick, Tag
seltene Aufnahme eines Trulls auf seinem Haus
seltene Aufnahme eines Trulls auf seinem Haus
Tartuffo Ort
Tartuffo Ort
Trulli Juhuu
Trulli Juhuu
Trulliland
Trulliland
Trullis machen fröhlich, tanzende Elfe
Trullis machen fröhlich, tanzende Elfe

Toskana

Wir lassen die KALI MERA für zwei Wochen in Crotone und organisieren uns für diese Zeit einen Mietwagen. Im Internet finde ich ein Schnäppchen und buche gleich, leider wähle ich als Anmietestation den Flughafen und nicht das Stadtbüro (200 m vom Hafen). Das Stornieren geht online super problemlos, allerdings kann ich dann nicht wieder neu buchen weil ich ja schon eine Buchung habe. Der Kundendienst hat vor 10 Minuten geschlossen und ich verwünsche den Programmierer des Reservierungssystems. Am nächsten Tag sind alle Autos teurer, aber ich kann wenigstens wieder neu reservieren, allerdings nur noch vom Flughafen aus. Mit der Reservierungsbestätigung von Europcar am Handy fahren wir im Taxi vollbepackt zum Flughafen, wir haben auch den „alten“ Elektroherd und das Backrohr mit, der Taxifahrer kann gar nicht glauben dass man mit so einem Gepäck zum Flughafen fährt. Erst als er die Geschichte mit dem Mietwagen und der Anmietstation Airport hört führt er uns hin. Im Taxi sehe ich dann, dass die Reservierung von Europcar storniert wurde, wir fahren dennoch hin weil ich dort einen Wirbel schlagen will und auf das Auto bestehen möchte. Hilft mir aber gar nichts, weil am Flughafen wird mir klar warum das Auto storniert wurde, der Mitarbeiter von Europcar ist einfach nach Hause gegangen und hat seine Box geschlossen. Aber eine Avis-Dame ist in der Nachbarbox und vermietet uns ein hübsches Auto, Automatik und Hybrid.

Wir machen eine große Italienrundfahrt, die bis nach Tamsweg und Dravograd reicht (also schon ganz Nord-Nord-Italien) und besuchen dann die Toskana. In Verona, Florenz und Siena verbringen wir fast eine Woche, Verona ist eine Schönheit, Florenz einfach großartig und Siena fantastisch. Die Füße tun uns weh von dem vielen Herum-Spazieren, Tadeja muss daher in jedes Schuhgeschäft schauen, wir klettern auf alle hohen Türme, staunen in den Kirchen, lustwandeln in den Palazzos und besuchen ein Museum nach dem anderen. Es sind Orte großer Schönheit, an denen wir hier sein dürfen, ein Fest für alle Sinne – natürlich auch den Geschmacks-Sinn, denn Essen kann man ganz hervorragend hier in Italien. Neben den Kunstschätzen gibt es auch ausreichend viele Touristen zu betrachten, ganze Regimenter von fernöstlichen Reisegruppen – lauter Fotografie-Samurais, bewaffnet mit der neuesten Technik und zusätzlich einem Selfie-Stick – besetzen die strategisch wichtigen Plätze. Tausende Menschen von denen jeder einzelne ununterbrochen fotografiert. Trotz der vielen Leute ist es jedoch nicht überlaufen, die Plätze sind so großzügig ausgelegt dass es kein „Gedränge“ gibt.

Zwischenzeitlich sollte in Crotone eigentlich uns Generator repariert werden, zumindest wurde er ausgebaut, aber leider ist Elio zwischenzeitlich untergetaucht und ist nicht mehr erreichbar. Wir sind schon gespannt wie das mit dem Generator weitergehen wird wenn wir in einigen Tagen wieder in Crotone sind und unsere Reise über das Meer fortsetzen wollen. So ein langer Landausflug hat seinen besonderen Reiz und wir sehen und erleben viel, aber wir freuen uns auch schon wieder auf unser schaukelndes Zuhause.

 

Verona, Strassenbild
Verona, Strassenbild
Verona, knapp vorm berüchtigten Balkon
Verona, knapp vorm berüchtigten Balkon
Verona, Dom
Verona, Dom
Verona, Blick vom Kaffeehaus
Verona, Blick vom Kaffeehaus
Siena, Torre
Siena, Torre
Siena, Rathausplatz
Siena, Rathausplatz

 

Siena, Brunnen
Siena, Brunnen
Siena, Blick vom Hotel
Siena, Blick vom Hotel
Siena, Farben
Siena, Farben
Siena, Dom
Siena, Dom
Siena, Altstadt
Siena, Altstadt
Florenz
Florenz
Florenz, Vergänglichkeit
Florenz, Vergänglichkeit
Florenz, Venus und Co
Florenz, Venus und Co
Florenz, Torre
Florenz, Torre
Florenz, Selbstporträt
Florenz, Selbstporträt
Florenz, Palazzo Reggio
Florenz, Palazzo Reggio
Florenz, Palazzo Pitti
Florenz, Palazzo Pitti
Florenz, Kaffeehaus
Florenz, Kaffeehaus
Florenz, il grande fotografo
Florenz, il grande fotografo
FLorenz, Dom
FLorenz, Dom
Florenz, Abendessen
Florenz, Abendessen

 

Crotone

Im ersten Morgengrauen, noch einiges vor Sonnenaufgang, lichten wir den Anker und motoren in die noch angenehm kühle Nacht. Bald verschwindet Lefkas im Kielwasser und wir verabschieden uns von Griechenland in dem wir insgesamt nun viele schöne Monate am Schiff verbracht haben. Wir kommen gut voran und müssen bis in die Nacht motoren, der Wind ist schwach aber durch eine alte Nord-Dünung und leichte Wind-Wellen von Osten ist es unruhig. Die Nachtwache wird geteilt, Tadeja übernimmt die Zeit bis 0200, ich übernehme dann von 0200 – 0600. Es ist kühl in der Nacht und viel Großschifffahrt auf die es aufzupassen gilt, mehrfach wechseln wir sicherheitshalber den Kurs. In der Nacht setze ich dann die Segel und am Morgen fangen wir den zweiten großen Thunfisch (5-10 kg), leider bringe ich auch diesen nicht ins Schiff. Eine halbe Stunde kämpfen wir, dann kann ich ihn einholen, aber ohne Gaff und Kescher bringe ich ihn nicht ins Schiff. Der Haken bricht und der Fisch wieder frei. Insgesamt haben wir nun fünf Thunfisch-Bisse nicht in ein Abendessen verwandeln können, es ist zum Jammern! Sobald wir in Italien sind kaufen wir sofort einen riesigen Kescher, das Angler-Fieber hat mich gepackt.

Wir legen in Crotone im Jachtclub an, neben die zwei französischen Amels die schon dort liegen, ein Familien-Treff sozusagen. Unsere Santorin hat Baunummer 120, Nummer 115 liegt neben uns. Die Atmosphäre hier ist wunderbar, eine fröhliche Gelassenheit, für uns viel angenehmer als „die Hektik“ in der Türkei und das „ist mir egal“ in Griechenland. Auf der Suche nach einem Restaurant fragen wir einen älteren Italiener, der schickt uns Richtung Burg. Halb verhungert und völlig erschöpft finden wir endlich die Burg, dort zwar kein Restaurant aber dafür unseren älteren Italiener, diesmal mit seiner Frau im Auto, die uns schon gesucht haben. Sie hat ihn geschimpft weil er uns nicht sofort besser geholfen hat und dann werden wir in den Hafen zu einer Pizzeria geführt. Nach der Pizza werden wir noch in den Eissalon eingeladen und dann zurück zum Schiff chauffiert – das ist Gastfreundschaft! Die Leute hier sind äußerst freundlich, Touristen von außerhalb Italiens Mangelware.

Es ist sehr heiß, wir packen also das mobile Klimagerät aus, das wir von Christian noch zur KALI-MERA dazubekommen haben, nie hätte ich gedacht dass wir es einmal verwenden. Wunderbar! Im Salon wird es angenehm kühl während draußen die Gluthitze unerträglich wird. Plötzlich ist mir völlig klar, warum es sowas wie Siesta gibt, erst am Abend erwacht man wieder aus der Ohnmacht.

Der Platz hier gefällt uns immer besser, wieder einmal bestätigt es sich, dass man einige Tage bleiben muss um die schönen Seiten – die es überall gibt – wahrnehmen zu können. Wir werden wohl die KALI-MERA für zwei Wochen hier und unseren Generator reparieren lassen und die Zeit nutzen, mit dem Mietwagen Italien zu besichtigen.

 

thunfisch, zwischenzeitlich wieder in freiheit
thunfisch, zwischenzeitlich wieder in freiheit
der alte mann und das meer
der alte mann und das mittelmeer
crotone strand
crotone strand
bug und fotograf
bug und fotograf

Nidri

Von Fiskardo aus segelten wir nach Nidri. Die Insel Lefkas ist uns sehr vertraut und wir kennen nicht nur die guten Lokale sondern auch die Mechaniker. Zuerst einmal benötigen wir jemanden der Aluminium schweißen kann. Der Engländer Phil hat sich auf Edelstahl spezialisiert – auch Ersatzteile aus Edelstahl müssen wir uns fertigen lassen – aber die verbogene Alu-Badeleiter kann er nicht reparieren, die schweißt gut und günstig Fontas in Lefkada. Im Autoverleih in Nidri gibt die Avis Frau uns einen alten Suzuki Allrad ohne Dach als wir erklären, wir bräuchten ein Auto zum Transport einer zwei Meter langen Badeleiter. Mit dem Suzuki-Jeep geht es dann nach den ganzen Erledigungen quer durch und rund um die Insel. Wir haben eine winzige Strassenkarte von Lefkas, die wir vor einigen Jahren ohne Lesebrille vielleicht noch entziffern hätten können, jetzt aber gehört Phantasie, Vertrauen und Abenteuerlust dazu dieser Karte zu folgen. Ist die seltsame „bläuliche“ Strasse wirklich die „landschaftlich besonders schöne Strecke“ oder doch ein Wanderweg? Jedenfalls fahren wir in vielen Serpentinen auf den Achttausender, weichen hunderten Schlaglöchern aus in denen man den Suzuki auch verstecken hätte können und sind am Ende quer über den höchsten Berg gefahren. Leider müssen wir dann plötzlich umdrehen, mir kommt es seltsam vor dass die Tankanzeige plötzlich nicht mehr dreiviertel voll anzeigt sondern vollvoll – leider völlig leer, Ende der Reserve, die Tankanzeige geht von rechts nach links und nicht wie bei meinem Auto von links nach rechts. Wir lassen uns also den Berg wieder hinunterrollen bis zur ersten Tankstelle, dann starten wir wieder durch. Wir versuchen einen anderen Weg, ebenfalls durchs Gebirge, wieder sind wir froh das Alllrad-Fahrzeug zu haben und wir schaffen es kreuz-und-quer auf die andere Seite. An der Strasse kaufen wir einen Krasi (griechischer Hauswein), kosten ihn kurz und erstehen dann eineinhalb Liter reinste Medizin. Dann wird in der Lefkadischen Traumbucht Porto Katsiki gebadet, trotz 4.987 anderer Touristen ist es wunderschön. Dann fahren wir, die untergehende Sonne neben uns, nach Lefkada und zurück nach Nidri, eine vollständige Inselumrundung. Jetzt haben wir so viele Jahre hier in der Gegend verbracht und erst jetzt haben wir uns diese wunderschöne Insel einmal komplett angesehen – Lefkas ist traumhaft. Vielleicht kommen wir hier einmal her zum Urlaub machen 
In Nidri fahren wir mit den Rädern zum Wasserfall und baden ganz alleine in dem kristallklaren und frischen Süßwasser. Grandios! Wir haben auch ein Lokal hier entdeckt, das gute und günstige griechische Küche serviert, direkt am Meer und ohne den großen Touristenrummel und das Standard-Massen-Essen, ein richtiger Geheimtip (Restaurant Ionion).
Es gibt in Nidri auch erstklassige Schiffsausrüster, wir haben alles Nötige besorgt und auch die Angelausrüstung wieder auf Vordermann gebracht. Wir haben auf der Fahrt von der Peloponnes nach Zakynthos drei große Fische verloren weil die alten Haken am Köder gebrochen sind, das soll uns nicht noch einmal passieren. Morgen Früh wollen wir zeitig aufstehen und die zwei-tägige Überfahrt nach Italien starten, wir planen am Donnerstag Abend die erste italienische Trattoria zu besichtigen…

Hellas Adio, Italia wir kommen

Ionion
Ionion
Lefkas -Sonnenuntergang
Lefkas -Sonnenuntergang
Porto Katsiki
Porto Katsiki
Badeleitertransport
Badeleitertransport
Wasserfall in Nidri
Wasserfall in Nidri
Waschtag
Waschtag

Peloponnes, Zakynthos, Ithaka und Kefalonia

Inzwischen haben wir ‚in großen Schritten‘ die Peloponnes ganz umrundet und sind in den uns vertrauten Ionischen Inseln angelangt. Die erste Anlaufstelle nach der Umrundung des dritten Fingers ist die Bucht Ormos Levki auf der vorgelagerten Insel Elaphonisos. Während unser Schiff lautlos dahinsegelt, überraschen wir eine riesige Meeresschildkröte, die erschrocken ihren Kopf hoch aus dem Wasser hebt und dann untertaucht. Toll, so ein Tier in seinem natürlichen Umfeld beobachten zu können! Dafür sind kaum Delphine zu sehen, was mich bedrückt – sie werden in den überfischten Meeren einfach immer weniger. Nur einmal noch haben sie einen kurzen ‚Erkundungsschwimm‘ um unser Boot gemacht und sind dann auf ihrem Weg weitergezogen.

Nach unserem neuen asiatischen Morgenritual, das mir meinen ersten Yogaschüler beschert hat (nämlich meinen Kapitän persönlich), einem üppigen Frühstücksjoghurt mit herrlichen griechischen Pfirsichen, Honig und Nüssen machen wir uns auf den Weg zum mittleren Finger, der Mani. Auch die ist uns von unseren früheren Campingreisen in „guter“ Erinnerung geblieben – durch die Geschichte über die verfeindeten Familien in ihren eigenwillig gebauten ‚Wohntürmen‘, die von den Familienfehden der wilden, wehrhaften und untereinander zerstrittenen Maniaten zeugen. Auch von Porto Kayio, unserem neuen Ankerplatz aus, sind solche Geschlechtertürme und eine noch bewohnte und gepflegte Abtei zu sehen, die mit der untergehenden Sonne in Dunkelheit versiegt – die Mönche gehen mit der Sonne zu Bett. Als ‚Drüberstreuer‘ eine herrliche Vollmondnacht. Der Mond wirft silbriges Licht über das spiegelglatte Meer, der nächtliche Blick von der am äußersten und höchsten Felsen erbauten Kirche des Ag. Nikolaos war atemberaubend – eingetaucht in die Stille der Nachtgeräusche.

Wir wundern uns, dass uns unterwegs kaum Boote begegnen, über lange Strecken hinweg sind wir das einzige Schiff. Koroni ist unsere nächste Station. Von weitem schon werden die mächtigen Wehrmauern der im türkischen und venezianischen Stil erbauten Burg sichtbar. Gemeinsam mit Methoni, einer weiteren Burganlage auf dem ersten Finger, werden sie die Augen des Peloponnes, früher die Augen des venezianischen Reichs genannt. Ein treffender Vergleich. Beide Anlagen sind beeindruckend und weit ins Meer hinaus befestigt und dadurch gute Beobachtungsstellen. In Koroni wird noch einmal ein Fußmarsch unternommen, um bei einer Tankstelle Benzin für unser Dinghi zu besorgen. Von Touristen ist sowohl in Koroni als auch Methoni nicht viel zu sehen.

Das ändert sich schlagartig, als wir nach einem langen Schlag nach Norden die südlichste ionische Insel erreichen – Zakynthos. Die weitläufige Schildkrötenbucht wird unsere Auserwählte, die wir uns mit mehreren anderen Yachten teilen. Das ganze Gebiet steht unter Naturschutz, da die Schildkröten in den Sommermonaten hier ihre Eier ablegen, sie im warmen Sand vergraben und dann ihre Kinder ihrem Schicksal überlassen. Die kleinen frisch geschlüpften Schildkröten, mit noch weichem Panzer, müssen dann so schnell wie möglich zum Wasser krabbeln und das Weite im offenen Meer suchen.

Aus diesem Grund darf nur in einem kleinen Bereich im westlichen Teil der Bucht geankert werden. Die Landschaft ist umwerfend, das Wasser glasklar und schillert in allen Blau- und Türkis-Schattierungen. Gleich bei der Einfahrt werden wir von einer Robbe begrüßt. Schildkröten sehen wir bis auf eine flüchtige Sichtung keine. Das wundert uns nicht mehr, als wir beim Landgang mehrere Reihen von Mietbooten entdecken, mit denen man auf Schildkrötensuche gehen kann.

Eine weitere Attraktion ist eine kleine Insel mitten in der Bucht, die rundherum ausgehöhlt ist und an einem Ende mit dem schönsten ‚tropischen‘ Sandstrand aufwartet. Auch hier sind die Schildkrötengelege mit kleinen Holzgestellen und Absperrungen geschützt. Am nächsten Vormittag erkunden wir die mit dem Dinghi befahrbaren Höhlen – faszinierende Kreationen der Natur! Nach der Rundfahrt lassen wir uns in den warmen weichen Sandstrand sinken und uns mitten unter der ‚Menschen-Pinguinkolonie‘ die Sonne auf den Bauch scheinen. Wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben um danach in Kioni auf Ithaka wieder Freunde zu treffen.

Wir sind ganz schön erstaunt, als dort auf unserem einstmals etwas abseits gelegenen Ankerplatz mit Landleine ganze Flottillen die felsige Umrahmung des kleinen Ortes unter den drei alten Mühlen bevölkern. Wir finden trotzdem einen beeindruckend schönen Platz direkt unter den Mühlen. Wir suchen Swein, den Herbert, noch bevor die Reise richtig begonnen hatte, in Kusadasi kennengelernt hat, der jetzt mit seiner Frau Kristin, seinem Bruder und dessen Frau auch hier Urlaub macht. Wir verbringen einen netten gemeinsamen Abend bei Wein und zartestem Lamm aus dem Ofen. Und noch einen weiteren in Fiskardo auf Kefalonia, wo sich noch Sweins Tochter Katharina dazugesellt. Sogar das enge Fiskardo – der ganze Ort mit seinen bunten und alten Häusern steht unter Denkmalschutz – bietet einer unvorstellbaren Menge an Schiffen Platz. Und dennoch verlieren sich die Menschen in den schmalen Gassen und es stellt sich auch hier nicht das Gefühl von einer touristenüberfüllten Hochsaison ein – was uns ja nicht wirklich etwas ausmacht.

Abendstimmung Mani
Abendstimmung Mani
Abtei auf Mani
Abtei auf Mani
Ankerplatz auf Mani in der Nacht
Ankerplatz auf Mani in der Nacht
Mani im Mondlicht
Mani im Mondlicht
Kap Tainaro
Kap Tainaro
Koroni-City
Koroni-City
Methoni-Sundowner
Methoni-Sundowner
Raumschiff Entenprise
Raumschiff Entenprise
neuer Ballooner in Action
neuer Ballooner in Action
Zakynthos - Schildkröten und Pinguinstrand
Zakynthos – Schildkröten und Pinguinstrand
Zakynthos - noch eine Höhle
Zakynthos – noch eine Höhle
Zakynthos - Kioskboot
Zakynthos – Kioskboot
Zakynthos - Höhle
Zakynthos – Höhle
Zakynthos - Erkundungsfahrt
Zakynthos – Erkundungsfahrt
Fiskardo-Abendtrunk
Fiskardo-Abendtrunk
griechisches Gulasch :-)
Fiskardo – Stifadogedenken

Monemvasia

Am Sonntag Abend laufen wir in Monemvasia ein und ankern vor der Marina. Das Wetter ist unbeständig, Gewitterwolken hängen über den Bergen. Wir waren hier das letzte Mal vor einen Vierteljahrhundert, mit Kindern und Campingbus, aber dennoch ist die bezaubernde alte Stadt, die sich an den gewaltigen Felsblock im Meer schmiegt, für uns neu. Steile verwinkelte Gassen, ein Blütenmeer, alte Häuser stilvoll renoviert und zu Hotels umgebaut, geschmackvolle Cafes und Restaurants, alles ganz klein und hübsch, sogar die Souvenierläden passen sich in das Stadtbild ein uns stören nicht. Mit viel Aufwand wurde die mittelalterliche Stadt wieder zum Leben erweckt, aber es fehlen die Menschen, die in einem normalen Sommer um diese Zeit die Stadt bevölkern. Es gibt fast keine Touristen, die „Griechenland-Krise“ hat hier deutlich spürbare Auswirkungen. Wir versuchen am Sonntag und am Montag bei einem der Bankomaten Geld abzuheben, angeblich soll dies für Ausländer problemlos möglich sein (unser Kellner: no problem, everything is here, money, diesel, everything), aber weder für Griechen noch für uns spucken die Maschinen etwas aus. Wir wollen tanken um uns für die Reise um die Peloponnes herum zu rüsten, aber die mobilen Boots-Tankstellen (kleine Diesel-Laster) haben keinen Treibstoff mehr. Eventuell morgen? No, no Diesel – wir wissen nicht ob es wirklich keinen mehr gibt oder ob sie uns nichts verkaufen wollen. An der Auto-Tankstelle ist am Sonntag der letzte Liter Super verkauft worden, niemand weiß wann neuer kommt. Diesel gibt es noch, also wird mit dem Reservekanister und dem Dinghi getankt, 105 Liter, damit haben wir 350 Liter im Tank und sind wieder unabhängig. Im Internet lesen wir, dass es in den größeren Städten Hamsterkäufe gibt, manche Supermärkte sind angeblich leer, davon ist hier nichts zu spüren.

Es ist schon ein sonderbares Gefühl, wir sind in einer Welt aufgewachsen in der es immer alles gegeben hat. Kein Diesel? Keine Benzin? Geschlossene Banken und kein Zugriff auf Bargeld, kein Zugriff aufs Konto? Undenkbar! Und plötzlich – ganz schnell – ist das hier Realität geworden. Es ist ein großer Unterschied wenn man sich das nur vorstellt („gibt es halt ein paar Tage kein Benzin oder kein Bargeld“) oder wenn man plötzlich direkt damit konfrontiert wird – es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn man sieht, wie schnell die Normalität vorbei sein kann. Mit dem Tankstellen-Besitzer und seiner betagten Mutter plaudere ich und frage, ob er am Sonntag für oder gegen den Euro stimmen wird. „Yes! We will say Yes!“ ruft energisch die Mutter, „we want the Euro and we want Europe!“. Die alte energische Dame wird richtig aggressiv als sie vom “Verbrecher” und “Lügner” Tsipras spricht, das sei eine Katastrophe was hier mit dem Land passiere, es werde alles kaputt gemacht, und Touristen kämen auch keine mehr. Gestern Abend hat uns noch eine Bankomatbekanntschaft erklärt, dass es ohne den Euro viel besser werden wird. Bei den Menschen hier merkt man die Unsicherheit, niemand weiß wie es weitergeht.

Am Nachmittag brechen wir auf, wir passieren Kap Maleas, das gefürchtete griechische Kap der Stürme, unter Motor bei Schwachwind und ankern dann in einer ruhigen Bucht über türkisem Sand. Das Wetter ist immer noch ungriechisch, immer wieder wolkig/gewittrig und noch kühle Abende. In den nächsten Tagen wird es in der Ägäis starken Meltemi geben, aber das betrifft uns nicht mehr, das Ionische Meer liegt nun vor uns.

 

Monemvasia - Transport von Baumaterial
Monemvasia – Transport von Baumaterial
Monemvasia - Tourist
Monemvasia – Tourist
Monemvasia - Gebäude
Monemvasia – Gebäude
Monemvasia - Dächer
Monemvasia – Dächer
Monemvasia - Blüten
Monemvasia – Blüten
Monemvasia - Blüten
Monemvasia – Bar
Monemvasia - Blüten
Monemvasia – Seeblick

 

Spetses

Der neue Gasherd wurde pünktlich geliefert und von Tadeja und mir ganz professionell eingebaut, zwei Gasflaschen haben wir erworben und sicherheitshalber haben wir auch noch den Gasschlauch ersetzt. Auch wenn wir zwischenzeitlich eine ganze Menge an Erfahrung beim Reparieren haben dauert alles immer etwas länger als geplant, ein Tag ist schnell vorbei. Aber mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden, die KALI-MERA ist noch schöner geworden und wir genießen die Strom-Freiheit, Kochen ohne Lärm! Nun wird die Kombüse in ein Vielstern-Restaurant verwandelt und gegessen wird an Board, es gibt auch keine schöneren und romantischeren Plätze fürs Abendessen zu zweit als das Cockpit unter dem Sternenhimmel. Wir müssen damit wohl auch unser Hilfsprogramm für die griechischen Tavernen unterbrechen und hoffen, dass dies keine negativen Auswirkungen auf die aktuellen Verhandlungen in Brüssel hat.

Zwischendurch wird auch fest gebadet und gelesen, das Haus bei unserem Privatstrand ist nur am Wochenende bewohnt und in der restlichen Zeit betreuen wir den Strand unentgeltlich. Am Weg vom Strand zum Schiff fahren wir mit dem Dinghi an einer riesigen Mönchsrobbe vorbei, die sich im Wasser sonnt.

Am Freitag brechen wir dann endlich auf, es waren sehr schöne Tage in Poros, wir konnten alles erledigen, wir sind wieder reisefertig. Hierher kommen wir sicher wieder, sicher einer der hübschesten Flecken (wie oft haben wir uns das schon gedacht) im Mittelmeer!

Samstags gehts über Hydra nach Spetses, es wird gut gesegelt und dann am Schluss gegen den Nordwest unter Motor vorwärts gekämpft, rund um uns herum blitzt und donnert es. Es ist beim Segeln ähnlich wie beim Radfahren, der Wind kommt meistens von vorne. Wir liegen einsam und gut in einer hübschen Bucht, morgen geht es weiter entlang der Pelopones nach Süden. Sogar Internet haben wir hier, dank der neuen WLAN Antenne (frei von irgendwelchen EU Leistungsbeschränkungen) klinken wir uns auch über große Distanzen irgendwo ein. Die Passwörter sind auch irgendwie alle sehr ähnlich…

Lesen am Strand
Lesen am Strand
Kaffee vom neuen Herd
Kaffee vom neuen Herd
von Hydra nach Spetses
von Hydra nach Spetses

zurück in Poros

Ausgestattet mit reichlich Bargeld – am Montag soll es vertrauenswürdigen Quellen zufolge (Täglich Alles, Krone, Ubahn Express…) ja zum Bank-Run kommen – reisen wir wieder ins Land von Aphrodite und Dionysos. Das Flugzeug ist bis auf den letzten Platz voll, die Urlaubszeit hat begonnen. Mit dem Bus geht es weiter nach Piräus, dort warten wir auf den Flying Dolphin der uns nach Poros bringen soll. Wir haben in weiser Voraussicht schon vor drei Wochen Tickets gekauft weil man uns erklärt hat, der Dolphin sei immer ausgebucht. Im Dolphin drinnen gibt es dann einige ratlose Gesichter, die Platztickets wurden anscheinend von unterschiedlichen Agenturen doppelt ausgestellt, die Plätze sind besetzt. Nachdem der Dolphin aber schließlich nur halbvoll wird gibt es kein Problem, wir stellen uns aber die Diskussionen vor wenn in einen ausgebuchten Dolphin nochmals 100 Leute einsteigen und darauf bestehen ihre Plätze zu bekommen J

Unser Schiff ist noch hier, unversehrt, und wir laden unser Gepäck aus, Tadeja hat ja begonnen an Board eine Bibliothek internationalen Ranges aufzubauen und ich hatte die ehrenvolle Aufgabe den Inhalt für die Abteilungen Psychotherapie, Psychologie, Yoga, Meditation und Lebenskunde zu transportieren, wie zwei Packesel sind wir hier angekommen. Danach zischen wir mit dem Dinghi zu Vlachos um eine (erfolgreiche) Qualitätsprüfung der gegrillten mit Käse gefüllten Pepperoni, Melanzani in Tomatensauce und der gegrillten Lamm-Kotletts vorzunehmen.

Am Montag Früh wird endlich mit dem in stundenlanger Internet-Recherche erworbenen Wissen das Rigg korrekt eingerichtet und gespannt, ich bin hochzufrieden und nun haben wir – so glaube ich vorerst zumindest – die letzten Wehwehchen der Türkei bereinigt. Das ganze Glauben hilft uns aber nichts, denn als Tadeja den Generator starten will, um uns das mittägliche Traumfrühstück zuzubereiten, da kommt nicht das übliche Generatorbrummen sondern nur ein kurzes Ächzen und Stöhnen, zuerst vom Generator und dann von mir. Nach einem halben Tag Fehlersuche kommt am Abend dann ein Profi an Board der zuerst zwei Stunden alle meine Versuche wiederholt und dann das wahre Problem feststellt: der Generator startet nicht. Er findet aber auch die Ursache: Wassereintritt in den Motor, eventuell durch den in der Türkei fachmännisch nachgebauten Abgas-Wasser-Mischer (das Originalteil wurde in der Türkei wegen Korrosion ausgebaut, statt dem Original-Ersatzteil wurde eine Spezialanfertigung gemacht weil viel besser designed und billiger). Der Fischer-Panda Generator – ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst mit entsprechendem Preis – ist also nach 300 Motorstunden über den Jordan, Reparatur würde hier acht Wochen benötigen, es ist wohl der Kubota Dieselmotor zu tauschen. Ohne Generator funktioniert leider unser Elektroherd nicht. Jetzt sitzen wir also mit defektem Generator und hungrig an Board. Hungrig allerdings nur kurz, weil Vlachos uns auch um 2200 noch bewirtet, gegrillte Fischchen und die üblichen Gemüsefantasien. Wir tüfteln hin und her wie wir das nun lösen können und entscheiden uns Dienstag morgen die KALI-MERA wieder auf Gasbetrieb rückzubauen, so wie sie ursprünglich einmal ausgerüstet war. Ein Eno Gasherd wird bei Spiros bestellt und auf Grund von Voraus-Barzahlung wird die Lieferung bereits für Mittwoch versprochen (es wird in Hellas grundsätzlich nur mehr gegen Vorauszahlung geliefert). Den Generator werden wir irgendwann später reparieren lassen, wenn dies wirtschaftlich vertretbar ist, vielleicht in Italien oder Spanien, mit dem Gasherd sind wir wieder Strom-unabhängig bzw. reichen uns die Solarzellen für den täglichen Verbrauch.

Nach all der Aufregung gönnen wir uns ein Bad und fahren mit dem Dinghi in eine der tollen kleinen Badebuchten auf Poros. Im glasklaren und inzwischen wunderbar warmen

Wasser ist das Schwimmen ein Traum, wir sind ganz alleine, nur in der Nachbarbucht sehen wir die Hotelgäste dicht an dicht gedrängt unter Sonnenschirmen. Uns spenden Tamarisken Schatten und wir erholen uns. Am Abend steuert Tadeja das Dinghi in Rauschefahrt wieder zurück zur KALI-MERA, wir machen uns schön und gehen zur Feier des Tages ins Karavolos, was „die Schnecke“ bedeutet. Jedwede Kritik, die ich in den letzten Jahren am Essen in Griechenland geäußert habe, nehme ich hiermit zurück und entschuldige mich in aller Form („liebe griechische Künstler der Küche, bei Euch speist man vorzüglich!“). Gratinierter Käse mit Paradeisern, Fava (Bohnen Püree mit Zwiebel und Olivenöl), Kleftiko (Lammkeule gebraten), ein stimmungsvoller und auch kulinarisch wunderbarer Abend.

unser Privatstrand
unser Privatstrand
Badebucht bei Poros
Badebucht bei Poros

Ohid

Wir haben den Wetterbericht im Internet studiert, einige Regentropfen in den nächsten Tagen für Poros entdeckt, Flüge untersucht und dann kurzentschlossen für zwei Wochen eine Reise nach Österreich-Ungarn gebucht. Die KALI MERA wollten wir an eine Boje legen, leider war es dort viel zu flach („no problem, very deep“), also haben wir sie vor Poros in der Bucht ordentlich verankert und sie dann sich selbst überlassen (vorgestern habe ich endlich aufgehört alle 15 Minuten das aktuelle Wetter in Poros zu checken). Vorher wurde noch der Regler bei der Lichtmaschine getauscht (pünktlich, gut und günstiger als vereinbart) und die neuen Schoten angeschlagen.

Von Wien aus ging es dann weiter nach Ungarn, wir sind wieder zu dritt, die Momo ist bei uns und unser Flo, der das Haus in Vösendorf annektiert hat, ist wieder ohne Hund und Auto. Momo freut sich dass wir wieder da sind, und sie hat nun beschlossen, mir nicht mehr von der Seite zu weichen und mich ständig zu bewachen.

Unser Plan war, einen richtigen Reiturlaub mit unseren Pferden hier zu verbringen, leider ist mein Kiralyfi krank und muss geschont werden (er hat eventuell etwas giftiges gefressen und ist dazu auch noch schwer übergewichtig, aus Kummer über meine Abwesenheit hat dürfte er ununterbrochen gefuttert haben), also kommt der Bingo (mein „erstes“ Pferd) wieder zum Einsatz, ich rede mir einfach ein dass er sich darüber freut.

Der Kontrast zu Griechenland ist enorm, es ist hier alles in saftiges Grün getaucht, die Natur scheint gar nicht zu wissen wohin mit dem Überfluss, alles blüht und die Früchte hängen an den Bäumen, es ist traumhaft aber das Meer fehlt (trotz der rasanten Klimaerwärmung wird es noch einige Zeit dauern bis der Balaton das Mittelmeer erreicht, wir haben aber nun mit viel Weitblick Ginkgo Bäume gesetzt, die werden ja über 1000 Jahre alt und geben sicher einen super Schatten am Strand). Leider weiß die Natur anscheinend wohl auch nicht wohin mit den Moskitos und sie hat sie alle bei uns im Garten angesiedelt, sie freuen sich sehr über uns (angeblich sind sie sogar zeitgleich mit uns eingetroffen).

Es sind hier sehr heiße Tage, das Thermometer soll am Wochenende auf 37 Grad steigen, deutlich mehr als in Hellas, aber die Nächte sind noch kühl und die frischen Morgenstunden bieten einen fantastischen Naturgenuss zu Pferd (und die milden Abendstunden einen ebensolchen Biergenuss im Gastgarten, hier können wir zwar unser „rettet die griechischen Tavernen Hilfsprogramm“ nicht weiterführen aber auch die ungarische Wirtschaft ist ja nicht absolut auf der Höhe, es macht also Sinn unserer Initiative einen internationalen Touch zu geben).

Die nächsten Tage sind nun für Familienbesuche, Reiten und Faulenzen vorgesehen, wir machen Urlaub…

 

Herbert und der rekonvaleszente Kiralyfi
Herbert und der rekonvaleszente Kiralyfi
Kirschenzeit in Ohid
Kirschenzeit in Ohid
Momo in ihrem Garten
Momo in ihrem Garten
Tadeja und Kyara im Zalatal
Tadeja und Kyara im Zalatal