Kolumbien – Bogota und Ruta del Cafe

Bogota liegt auf 2640 m Seehöhe, und das merken wir auch als wir mit Rucksack und Reisetasche (hurra, Gepäck ist auch da!) etwas kurzatmig zum Taxi marschieren. Aus Mexiko sind wir „Fixpreise“ gewohnt, aber wie Kolumbien mit Touristen umgeht wissen wir noch nicht, also erkundigen wir uns vorab bei den Einheimischen was denn ein Taxi so kosten darf. Gute Idee – denn im Besitz dieser Geheiminformationen reduziert sich der Fahrpreis gleich einmal um die Hälfte. Also Achtung. Auch Geldwechseln will gelernt sein, mit jedem Meter, den wir uns vom Flughafen entfernen, steigt der Kurs, am besten wechselt allerdings wer gar nicht wechselt und die Kreditkarte benutzt, diese wird auch überall – außer bei Iberia – akzeptiert.

Bogota empfängt uns mit Nieselregen und kühler Bergluft, gut angereichert mit den Abgasen von Unmengen von Autos. Der  Verkehr ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend, die zwei-spurigen Fahrzeuge stehen im Stau, die einspurigen rasen links und rechts vorbei, es ist – vorsichtig ausgedrückt – gewöhnungsbedürftig. Wenn ich daran denke, dass sich Tadeja eine Rundreise mit dem Mietwagen in den Kopf gesetzt hat bekomme ich Bauchkrämpfe, wir sind ja außereuropäischen Verkehr gewohnt, aber Bogota spielt hier in einer anderen Liga. Um das Ganze irgendwie in den Griff zu bekommen dürfen Autos immer nur an jedem zweiten Tag fahren, abhängig von der letzten Ziffer am Nummernschild. Nur Samstag und Sonntag ist es für alle frei, am Sonntag sind – als Sonderprüfung – viele Straßen für KFZ gesperrt und nur für Fußgänger und Radfahrer freigegeben, in den restlichen kollabiert der Verkehr.

Drei Tage lang tauchen wir in die Großstadt ein, es gibt einen Hausberg mit Seilbahn und Zahnradbahn, ein hübsches koloniales Zentrum, drumherum eine moderne Großstadt, relativ wenig Touristen, viele Flüchtlinge aus Venezuela und sehr sehr viel Armut und Menschen, die auf der Straße leben und sich mit dem Verkauf von irgendwelchen Kleinigkeiten durchkämpfen. Die Stadt hat einen anderen Rhythmus als wir das aus Mexiko gewohnt sind, die meisten Lokale sperren zwischen 1800 und 1900 zu, zu dieser Zeit sperren sie in Mexiko manchmal erst auf. Es gibt deftige Suppen mit viel Fleisch, Vegetarier müssen hier leider verhungern, es wird auf Teufel komm raus gegrillt und alles was vier Beine hat muss sich beeilen damit es nicht auf einem Teller landet.

Um nicht wieder ins Jammern zu verfallen erzähle ich die Iberia-Flug-Umbuch-Geschichte, die mich einige Tage außer Gefecht setzt, jetzt nicht. Zumindest in der Erinnerung möchte ich nun die rosarote Brille aufsetzen. Großartig sind die Menschen hier, freundlich, offen, schön und liebenswürdig. Mit der angetrauten Native Speakerin an meiner Seite gehöre selbst ich angegrauter Nicht-Speaker sofort überall dazu, wunderbar.

Nach drei Tagen ist es genug Großstadt für uns, die Ruta del Cafe ruft, wir bekommen ein tadelloses Mietauto, Allrad, fast neu, und dann wird der Verkehr auf uns losgelassen. Ruhig, besonnen, völlig entspannt und mit mir selbst und mit Bogota im Reinen fahre ich los, ein Lächeln im Gesicht und ein fröhliches Liedchen auf den Lippen, mindestens 30 Meter geht das so, dann sind wir draußen aus dem Mietwagen-Gelände und aus James Cool wird Herbert der Entnervte, aus ist es mit der Gelassenheit. Vier Stunden brauchen wir für die ersten 40 Kilometer, ich bin schweißgebadet und fix und fertig. So liebenswürdig die Kolumbianer:innen sind wenn sie nicht im Auto sitzen, so schnell verwandeln sie sich in Mr. Hyde wenn sie sich ans Steuer setzen, dann herrscht erbarmungslos das Gesetz des Stärkeren. Aber je weiter weg wir von Bogota kommen, umso höher sind die Überlebenschancen und letztendlich sind wir dann 1000 km ohne den kleinsten Kratzer unterwegs.

Apropos Cafe: Guten Espresso bekommen wir nur in einem winzigen Lokal in Bogota, sonst müssen wir meistens Filterkaffee trinken. Tadeja bestellt zwar immer einen kleinen Espresso, aber ich bin  mir sicher dass sie dann den Filterkaffee in einer kleineren Tasse bekommt. Der gute Kaffee – so die gute Fee des einzigen ernstzunehmenden Kaffeehauses von Kolumbien – der wird nach Europa exportiert. Der Rest wird für die Amerikaner verwendet, weil die schmecken angeblich den Unterschied nicht – „damit berauben wir dann die Amerikanos (Originalzitat)“.

Unsere Route führt uns von Bogota nach Zipaquira, von dort weiter ins tropische Honda, dann geht es wieder hoch hinauf nach Manizales und weiter nach Salento, und schließlich über Ipaque und La Mesa wieder zurück nach Bogota. Die Landschaft ist beeindruckend schön und unglaublich abwechslungsreich, Honda liegt umgeben von tropischem Regenwald fast auf Seehöhe, dann schraubt sich die Straße wieder auf 3.700 m Seehöhe in die Anden.

In Zipaquira besuchen wir die Salzkathedrale, eines der beeindruckenden Bauwerke das wir jemals gesehen haben, tief unten im alten Salzbergwerk wurde eine gigantische Kathedrale errichtet, aus dem Salzgestein herausgegraben, wir sind früh dort und können das Wunder noch vor dem großen Besucheransturm genießen. Honda ist (im Gegensatz zur Straße dorthin) unspektakulär aber hübsch, es ist heiß und schwül, welch ein Gegensatz zum Hochland! In Manizales übernachten wir nach einer langen Autofahrt in einer kleinen Finca im Dschungel (wir danken dem Schutzheiligen der Mietwagen dass er uns einen Allrad spendiert hat), von dort fahren wir dann nach Salento um im Tal der Wachspalmen wandern zu gehen. Trotz Trockenzeit regnet es jeden Tag, es gibt tropisches April-Wetter im Gebirge und wir werden täglich „waschelnass“. Salento ist der Tourismus-Hotspot schlechthin, das Stadtzentrum ist ein einziger großer Künstlermarkt, wir vermuten, dass die Handwerksprodukte wirklich lokal aus Kolumbien kommen und nicht aus China, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Die Landschaft ist wunderschön, hohe Berge, liebliche Täler, Kaffeeplantagen, es muss ein Paradies zum reiten sein und wir sehen auch viele Pferde. Am nächsten Tag sind wir schon wieder „on the road“, es geht übers Gebirge zurück Richtung Bogota, gemeinsam mit unzähligen Schwerst-LKWs. Diese Monster-Trucks kriechen über die Anden-Pässe, keuchend und schwarzen Qualm ausatmend, bei manchen fürchten wir, dass sie jeden Moment auseinanderbrechen, andere wiederum blitzen und blinken vor lauter Chrom und poliertem Edelstahl und sind richtige „Hingucker“, auf Aerodynamik wird hier verzichtet. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25km/h zischen wir die 150 km bis zur nächsten Übernachtungs-Station in Ipaque, dort haben wir uns in einer kleinen Finca eingemietet, die Unterkunft ist nett aber ausgesprochen „basic“. Weniger nett sind die Gelsen, die uns nicht schlafen lassen bis ich sie endlich alle erlegt habe, am nächsten Tag sehe ich an den vielen roten Flecken an der Wand, dass auch andere Gäste hier schon Jagdausflüge unternommen haben. Abends finden wir ein sehr nettes Lokal an der Straße und ich komme endlich dazu die Grill-Würste zu probieren, auf die ich mich schon seit Tagen freue. Auch Tadeja, die Ex-Vegetarierin, bestellt sich ein riesiges gegrilltes Kalbs-Steak das sie natürlich nicht alleine verdrücken kann, meine Bestellung ist auch zu euphorisch und leider kann mich danach niemand zum Auto rollen. Am nächsten Tag machen wir noch eine Wanderung in die Berge, werden natürlich ordentlich nass und fahren dann weiter Richtung Bogota, wo wir nach einem weiteren Übernachtungsstopp wieder gut ankommen. Die letzten 100 km fahren wir gemeinsam mit hunderten Radfahrern, die auf der Schnellstraße in den Andenpässen einen Wochenendausflug machen. Radfahren ist ziemlich „in“ in Bogota und Umgebung, wir sind ziemlich beeindruckt wie fit die Menschen dort sind.

Zurück in Bogota leisten wir uns ein schönes Hotel im kolonialen Viertel und verbringen noch drei Tage mit Stadt-Wanderungen, vielen Museums-Besuchen und ein wenig einkaufen, und dann sitzen wir auch schon wieder im Flugzeug nach Madrid und Wien.

Kolumbien wird uns wieder sehen, das nächste Mal aber wohl an der Küste und wieder mit dem eigenen Boot, vielleicht schon Anfang des nächsten Jahres.

Ein holpriger Start ins Segel-Jahr 2026

Seit 2019 liegt unser Boot nun schon in Mexiko. Als kurze Zwischenstation für Reparaturen gedacht, hat sich Mazatlan als eine Art modernes AiAia entpuppt, die Insel der Kirke, auf der Odysseus ein ganzes Jahr verbringen musste. Jedesmal, wenn wir uns zur Weiterreise entschließen, geschieht etwas, das unsere Abreise verhindert, und so vergeht ein Jahr ums andere. Aber diesmal, im Jahr 2026, steht unser Plan fest: Wir werden wieder zurück in die Karibik segeln, und dann zurück in die Heimat, nach Ithaka 😊.

Der gute Odysseus schaffte es nach einem Jahr, aber der musste sich weder mit einer Pandemie noch mit einem regulären Broterwerb auseinandersetzen, und zu seinen familiären Verpflichtungen hatte er auch einen anderen Zugang als wir. Und außerdem war er ja ein Held, der Odysseus! Wir dagegen sind nur Tadeja und Herbert und brauchen sieben Jahre fürs Entkommen.

Alles ist gut geplant, der Krantermin für den 7.Jänner fixiert, mit der Werft sind sämtliche Arbeiten fest vereinbart und sogar die Panama-Kanalpassage ist schon vorbereitet. Die Flüge sind gebucht, Hinflug nach Mexiko und Rückflug ab Panama. Das Gepäck ist voll mit Ersatzteilen, auch der neue teure Autopilot (ein Linear Drive als redundantes System) ist gut verpackt mit dabei.

Gebucht haben wir bei Iberia einen Flug bis Mazatlan mit Zwischenstops in Madrid und Mexico City. Schon im Vorfeld gibt es Flug-Probleme, zuerst wird der Weiterflug nach Mazatlan von Iberia storniert, dann gibt es einen Ersatzflug mit Aeromexico und langer Wartezeit in Mexico, wohl um die sehr sehr kurze Umsteigezeit in Madrid zu kompensieren. So kurz, dass wir zwar den Terminalwechsel zum nächsten Flug noch schaffen, aber das Gepäck leider nicht, allerdings erfahren wir das erst in Mexico.  Wir sind es ja gewohnt, dass unsere Taschen immer erst zum Schluss aufs Förderband gelegt werden, aber diesmal stoppt das zwischenzeitlich leere Band ohne dass auch nur ein einziges Gepäcksstück von uns aufgetaucht wäre.  Das hatte ich schon beim Wegfliegen befürchtet, ich ahne noch Schlimmeres, wir müssen ja mit dem Gepäck durch den Zoll, die Ersatzteile müssen angemeldet werden, auch wenn wir sie („Yacht in Transit“) zollfrei einführen dürfen. Guter Rat ist nun teuer, wie sollen wir das Gepäck, das irgendwo zwischen Madrid, Honkong, Sauerfeld und Mexico herumfliegt, beim Zoll herzeigen?  Wir werden zum Iberia Schalter geschickt – und dort wartet schon die Lösung:  Alles kein Problem, unsere Gepäcksstücke seien schon unterwegs nach Mazatlan, nein, kein Zoll, absolut kein Problem, wir mögen uns keine Sorgen machen, es sei alles in bester Ordnung.

Tadeja ist erleichtert, ich spüre tief drinnen in mir dass gar nix in Ordnung ist, und, so viel sei verraten, Tadeja wird den netten Herrn, diesen Dämon der Finsternis, den Handlanger des Wahnsinns, in zwei Wochen noch einmal wiedersehen. 10 Stunden später kommen wir in Mazatlan an, allerdings machen wir auch diesen Flug ohne unsere Taschen, die sind nämlich erst am Weg von Madrid nach Mexico. Auch in Mazatlan dürfen wir sehen wie das leere Förderband sich zur Ruhe begibt, und dann können wir endlich eine Vermisstenmeldung aufgeben. Alles kein Problem, das System bei dem man sehen könnte wo die Teile sind, ist zwar im Moment nicht verfügbar, es werde uns aber sicher gleich nachgeliefert. Immerhin ist Hochsaison und da komme das schon sehr häufig vor, das beruhigt mich dann wirklich.

Und wirklich, zwei Tage später werden wirklich in der Marina drei Taschen für uns abgegeben, nur die vierte, die mit dem Autopiloten und den anderen Sachen, die wir unbedingt brauchen, die ist verschollen. Wir schreiben mails, erzeugen Tickets in den Rechercheplattformen, rufen bei den Hotlines von Iberia und Mexico City an, sind stundenlang in den Warteschleifen gefangen, bis sich eines Tages der Zoll meldet und uns informiert, dass man den Autopilot beschlagnahmt hätte. Nachdem wir diesen beim Zoll nicht hergezeigt hätten sind nun 400 Euro an Steuer fällig, zu bezahlen ausschließlich über ein mexikanisches Bankkonto.  Wir haben interessanterweise kein mexikanisches Bankkonto, aber Juan, der Marina Manager, überweist das von seinem Konto, aber wer gedacht hat dass nun die Sache erledigt sei, der hat sich gründlich getäuscht.  Immerhin bekommen wir noch die nette Info vom Zoll, dass, wenn die Tasche nicht innerhalb einiger Tage abgeholt wird, diese entsorgt werde.

Tadeja versucht nun eine ganze Woche lang zu organisieren, dass die Tasche endlich von der Fluglinie vom Zoll abgeholt und nach Mazatlan weitertransportiert wird, täglich wird ihr versichert, es würde nun erfolgen, selbstverständlich, ohne weitere Verzögerung. Die Gespräche enden üblicherweise damit, dass ein Service Mitarbeiter „einen Case anlegt“, zwischenzeitlich muss schon ein riesiger Haufen Cases dort herumliegen, weil mit denen ja nach der Anlage nichts mehr passiert.  Jedes Telefonat dauert ewig, zuerst werden jede Menge Daten abgeglichen um sicher zu stellen dass wir wir sind und dass das Gepäck wirklich verschwunden ist, und dann erfolgen Rückfragen beim Supervisor und beim Salzamt und dann wird einfach aufgelegt, oder das Gespräch bricht ab, oder ein Case wird angelegt.

Die einzige Stelle, die in Mexiko erreichbar ist und auch antwortet, ist der Zoll. Anfangs noch ein kurzer Adrenalinschub als wir informiert werden, dass zwar die geforderte Summe eingelangt sein, nun aber doch noch einmal 1.500 Dollar zu bezahlen wären, weil …  weil.. , ja, warum eigentlich? Nach ganz konkretem Nachfragen entpuppt sich das „weil“ als bedauerliches Missverständnis und wir erhalten endlich die Info „die Tasche sei nun freigegeben“. 

Die Airline, oder auch wir selbst, können nun jederzeit die Tasche holen, alles sei ok. In der kommenden Woche sorgt Tadeja nun an der Aero Mexico Hotline für eine enorme Case-Produktion, das Abholen des Gepäcks wird täglich für den nächsten Tag versprochen. Eine kurze Abwechslung gibt es bei diesem Spiel, als wir plötzlich ein mail von Aero-Mexico erhalten, dass man nun zuversichtlich sei voranzukommen, immerhin wisse man nun durch das Tracking System, dass die Tasche das letzte Mal in Mexico City am Flughafen gesehen worden sein. Ein persönlicher Besuch am Flughafen in Mazatlan führt dann anscheinend zu einem echten Durchbruch, dort nehmen sich liebenswerte Iberia Menschen des Problems an, telefonieren mit den Kollegen in Mexico, und versprechen dann, dass spätestens am nächsten Tag das Gepäck hier sei. Auch das entpuppt sich am Abend des nächsten Tages als Finte die wohl nur zu einem weiteren Case geführt hat.

Schließlich fliegt Tadeja von Mazatlan nach Mexico City um persönlich die Tasche zu holen, abgestimmt mit dem Zoll-Office. Dort angekommen wird sie beim Zoll informiert, dass die Fluglinie die Tasche holen müsste oder zumindest ein Vertreter von Iberia dabei sein muss. Es wird also von Tadeja ein Iberia Vertreter gesucht, als der nach Stunden endlich auftaucht muss Tadeja vom Zoll und Iberia leider erfahren, dass nun geschlossen sei und erst drei Tage später am Montag die Tasche ausgefolgt werden kann. Am nächsten Tag dennoch ein neuer Versuch, und – man höre und staune –das Office ist offen, die Tasche ist da und kann auch herausgegeben werden, es muss nur ein Iberia Vertreter gefunden werden….  und nun gibt es ein freundliches Wiedersehen mit dem netten Herrn, der uns das vor zwei Wochen eingebrockt hat. Grrrrrrrr.

Letztendlich kommt Tadeja dann mit der Tasche zurück nach Mazatlan, Kleinigkeiten wie zB. mein Deo-Stick, erfreuen nun wahrscheinlich einen Mitarbeiter der mexikanischen Administration, zumindest sind sie verschwunden, aber der Autopilot ist hat es geschafft.

Während Tadeja sich um Zoll und Gepäck kümmerte (das ganze ist übrigens immer noch nicht abgeschlossen, weil sowohl Iberia als auch Areomexico verweisen auf die Verantwortung des jeweils anderen für die uns zustehende Ersatzleistung) mache ich die Kali Mera fit für die Werft und die Weiterreise.  Alles scheint zu funktionieren, irgend eine Kleinigkeit ist sonst immer defekt, aber diesmal sind alle checks auf Anhieb erfolgreich.  Alle? Nein, fast alle.  Unser Volvo Dieselmotor macht nur „Klacks“ und sonst nix. Festgefressen. Um es vorwegzunehmen, – der Motor ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen und wir entscheiden uns gegen einen Reparaturversuch, der Murl ist 31 Jahre alt und es droht ihm ein Multiorganversagen.

Aber jetzt haben wir Glück im Unglück – es gibt erstaunlicherweise die Möglichkeit, einen passenden Ersatzmotor (einen Beta 60) aus England zu bestellen, das ist keinesfalls selbstverständlich. Der Import von Waren nach Mexiko ist ein Abenteuer, durch die politische Situation in den USA wurde es sogar noch schwieriger. Viele Firmen weigern sich nach Mexiko zu liefern da die Versicherungen oft nicht mitspielen und in den Häfen die wertvolle Fracht schon vom Kartell kassiert wird. Wir beauftragen dennoch das Teil (mindestens drei Monate Lieferzeit) und beschließen unsere Flucht aus Mexiko mit der KALI MERA auf den November zu verschieben, unseren Urlaub abzubrechen und wieder in die Heimat zurückzufliegen.

Während Tadeja mit den Hotlines plaudert nutze ich die Zeit für diverse Arbeiten am Boot, die ich schon lange aufgeschoben habe weil ich sie nicht machen wollte. Ausbau des völlig verrosteten Rohrs in den Ankerkasten durch das die Kette läuft (Hawse Pipe) und Einbau eines schöne Alu-Rohres, Abschleifen und acht mal lackieren der Tür beim Niedergang, Umbau der Lade-Elektrik, Vorbereitung für den Einbau des neuen Autopiloten. Auch der nagelneue Kühlschrank wird eingebaut, ein wirklicher Meilenstein, seit neun Jahren haben wir unseren Original Kühl-Methusalem irgendwie am Leben erhalten, ihn zuletzt sogar durch kleine R134a Dosen wiederbelebt, nun hat er endgültig ausgedient. Unsere Falträder werden in der Fachwerkstätte serviciert und die bei Amazon bestellten neuen hocheffizienten zwei-seitigen Solarpaneele bringt uns Bootsbetreuer und Freund Maca vorbei. Die hatten wir – damit sie auch sicher schon da sind wenn wir zum Boot kommen – bereits drei Monate früher bestellt und zu Maca liefern lassen. Naja, damit sich auch diese harmonisch in die Gesamtsituation einpassen sind sie beide beschädigt. Eines ist hinter der Verpackung völlig zertrümmert, das andere funktioniert trotz verbogenem Rahmen noch und wird eingebaut. Natürlich kommt für den Transportschaden nach drei Monaten niemand mehr auf.  Auch Ruben, unseren Canvas Lieferanten, treffen wir, bei ihm haben wir im Sommer eine neue Bootsabdeckung und diverse andere Sachen bestellt und angezahlt, leider konnte er trotz vereinbartem Fixtermin Dezember 2025 nichts fertig machen, weil Sunbrella derzeit nichts nach Mexiko liefert… wie gut dass KALI MERA nun noch eine Zeit dort bleibt.  Schließlich und endlich demontiere ich dann noch den alten Volvo und auch den Fischer Panda Generator, der ja letzte Saison seinen letzten Kolbenschlag gemacht hat, damit diese beim nächsten Besuch in der Werft nur vom Kran herausgehoben werden müssen, und dann machen wir wieder alles dicht am Boot und reisen ab. Wieder einmal hat Signorina Kirke gewonnen, diesmal auf besonders heimtückische und auch teure Art.  Aber der nächste Versuch kommt bald, und dann…

Unser gebuchter Rückflug startet allerdings von Panama mit Zwischenstops in Bogota und Madrid, und das erst am ersten Mai. Wir müssen also umbuchen, damit hatten wir ja schon gerechnet und uns umbuchbare Tickets besorgt. Nach drei Wochen Pleiten und Pannen sind wir urlaubsreif und beschließen den Rückflug abzukürzen und vorher noch einen Abstecher nach Kolumbien zu machen um uns zu erholen. Über Kolumbien wird noch gesondert berichtet werden, aber so viel sei verraten: Das Umbuchen der Iberia Tickets kostet uns dort unsere restliche Nerven, mehrere Tage widmen wir eingehend diesem Thema, wir lernen zB. dass man dazu eine kolumbianische Kreditkarte benötigt, dass die Preise hochflexibel sind, die Aussagen der Support Mitarbeiter ebenso ausgesprochen situationselastisch und dass es bei Iberia eine Freibrief gibt, Nicht-Kolumbianer in Kolumbien abzuzocken…

Saison 2025 in Mexiko

Wir sind dabei unser Reisetagebuch zu aktualisieren, für die Saison 2025 ist dies aktuell nur ein kurzer Platzhalter, wir werden in Kürze von unserem Segeltörn die Gold-Küste entlang berichten, vom Bergsteigen bei Colima und der Rundreise mit dem Mietauto durch die Kaffee-Regionen bei Veracruz.  Details und Fotos folgen.

Copper Canyon

Vor ziemlich genau 12 Jahren, knapp vor Weihnachten 2012, haben wir die KALI MERA das erste Mal in Kroatien gesehen und sofort gewusst, dass das unser Boot werden wird. Gut zwei Jahre später, im März 2015, haben wir sie und uns in der Türkei auf die große Fahrt vorbereitet und begonnen unser Reisetagebuch als Blog zu schreiben, nicht um uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren, sondern um für unsere Familie und Freunde Erlebnisse und Eindrücke festzuhalten. Wir haben uns Kameras besorgt, die Freude am Fotografieren entdeckt und regelmäßig Text- und Bildberichte veröffentlicht.

Es war uns damals noch gar nicht bewusst wie wertvoll diese Erinnerungen für uns selbst noch werden würden, so vieles ist schon den stetigen Strom des Vergessens hinabgetrieben und so manches Mal haben wir selbst in unsere Aufzeichnungen hineingeschmökert und immer wieder neues „entdeckt“.  Auch unser Stil hat sich geändert, es wurden andere Fotos, andere Texte, ein anderer Humor lacht uns an und so manches Mal auch aus. Jagte anfangs noch ein „Abenteuer“ das andere, wechselten Highlights und Hoppalas in schnellem Rhythmus, so wurde unser Blog langsamer, ruhiger, routinierter, ich ertappe mich beim Schreiben von Texten, die schon längst geschrieben wurden. Die Abstände zwischen einzelnen Beiträgen wurden länger, manches wurde schon nicht mehr als „würdig aufgeschrieben zu werden“ eingestuft.  Und einige Erlebnisse haben wir mit Verspätung verfasst, schon nicht mehr unter dem Eindruck des vor kurzem Erlebten geschrieben. Aufgeschrieben haben wir für uns das, was wir nicht vergessen wollten, ohne zu große Lücken. Unsere Segelreisen sind kürzer geworden, die Landreisen länger, und neben den vielen Ausflügen vom Boot aus machten wir – zurück in Europa – viele Roadtrips mit unserem Camper, die nicht in den Blog hineingefunden haben (zu wenig Salzwasser, zu viel Reifengummi und Diesel, zu wenig „Weltumsegelung“).  Immer noch bin ich nicht sicher ob wir dies nicht doch zusammenführen sollten, unseren Erinnerungen würde es jedenfalls gut tun.

Einen „Roadtrip“ der besonderen Art aber, den werden wir nun mit einiger Verspätung nachholen, den Abschluss der Segelsaison 2024 in Mexiko, geschehen im vergangenen März. – Die Reise mit dem El Chepe zum Copper Canyon und ins nördliche Mexiko, die schönste Zugsreise die wir bisher gemacht haben, noch schöner als die abenteuerliche Fahrt mit der Murtalbahn von Murau nach Tamsweg 😊.

Nach dem „Einsommern“ der KALI MERA buchen wir den Reisebus von Mazatlan nach Los Mochis, bepackt wie ein Muli kommen wir an der Haltstelle in Mazatlan an, im Gegensatz zum Bus sind wir pünktlich.  Laut Reiseberichten sind die Überlandbusse in Mexiko bequem, also freuen wir uns auf die Fahrt. Reisberichten ist aber nicht zu trauen (Leser, aufgepasst!), auf unseren vorreservierten Sitzen wohnt schon eine Familie, nach kurzer Diskussion werden andere Sitze für uns freigeräumt, diese entpuppen sich als Folterinstrumente. Bei einem Sitz ist die Lehne nicht mehr fixierbar, wenn man mit viel Kraft den Rücken nach hinten drückt sitzt man einigermaßen bequem, sobald die Kraft ausgeht wird man unbarmherzig wie ein Klappmesser von der starken Feder (die funktioniert bestens) nach vorne gedrückt.  Die Fahrt soll sechs Stunden dauern, also vereinbaren wir einen regelmäßigen Wechsel am Fitness-Stuhl. Aus den sechs Stunden werden 10, da zwischendurch der Motor den Geist aufgibt und am Strassenrand wiederbelebt werden muss. Kurz nach Mitternacht nimmt der Fahrer eine Autobahn-Abfahrt, bleibt stehen und erklärt uns, dass wir nun am Ziel seien. Da stehen wir nun, mit schweren Reisetaschen, in der Mitte von Nirgendwo, wo das Kartell herrscht und die Polizei nicht gerne hinfährt. Es gelingt uns dann doch noch über Uber einen Transport in die Zivilisation und zum Hotel zu finden, Ende gut – alles gut.

Am nächsten Tag geht es zeitig in der Früh los, wir müssen zum Bahnhof, ein ganz besonderes Zugsabenteuer liegt vor uns: Mit dem El-Chepe zum Copper Canyon.  

Die eingleisige Strecke führt von Los Mochis an der Pazifik-Küste hinauf auf 2.450 m Seehöhe zur Barranca del Cobre, einem System von Canyons das nicht nur viermal so groß ist wie der Grand Canyon ist, die gewaltigen Einschnitte in den Fels sind auch noch tiefer als beim kleinen Bruder in den USA.  An der Eisenbahn wurde 100 Jahre gebaut, begonnen wurde 1861, Ziel war es für Texas und New Mexico einen Zugang zum Pazifik zu schaffen, der Naturhafen von Topolobampo bei Los Mochis war dafür ideal, die technischen Herausforderungen für die Eisenbahn gewaltig, der mächtige Gebirgszug der Sierra Madre Occidental musste überquert werden.

Der Touristen-Zug mit Speisewagen, First Class Salonwagen, Bar und offenem Panoramawagon fährt zweimal die Woche die Strecke bis Creel, weiter nach Chihuahua ist dann nur noch der „normale“ Güter und Personenzug unterwegs. Es gibt auf der Strecke mehrere Stopps an denen man Zwischenstation machen und dann nach mindestens zwei Übernachtungen mit dem nächsten Zug weiterfahren kann. Wir machen in Barrancas del Cobre / Divisadero und dann in Creel Halt, um uns einen kleinen Teil der fantastischen Landschaft zu erwandern.

Schon die Zugfahrt selbst ist ein ist ein Erlebnis das ich schwer in Worte fassen kann. Wir starten in den Tropen, dann wechseln sich die Palmen mit Kakteen ab, es wird karg und trocken, es geht durch eine Steppenlandschaft und dann beginnen sich die Geleise unermüdlich nach oben zu schrauben. Unzählige Tunnels und noch viel mehr teils spektakuläre Brücken (es sind 37 Tunnel und 86 Brücken, aber unzählig klingt besser) machen die Fahrt durch eine faszinierende Landschaft noch aufregender und abwechslungsreicher. Je höher wir kommen umso kühler wird die Luft, wir verbringen fast die gesamte Fahrt im offenen Panoramawagen ganz am Ende des Zugs. Anfangs ist der Wagen noch „verglast“, aber sobald wir die Zivilisation verlassen werden die Scheiben versenkt und wir sind „im Freien“ (der Kellner klärt uns auf: der Wagen wird erst dann geöffnet, wenn wir so weit von Los Mochis weg sind, dass keine Kinder, die gerne Steine in den Zug werfen, an der Strecke sind).

Die Kulisse um uns wird immer spektakulärer, immer höher hinauf ins Gebirge kommen wir, rund um uns ist die wilde unberührte Natur der Sierra Tahumara, anfangs versuchen wir noch alles zu Fotografieren und zu Filmen, und irgendwann stehen wir nur noch am Fenster, der Wind bläst uns ins Gesicht und dass sich nun schon zum fünften mal die gleichen „Rock-Klassiker“ aus den Boxen mit dem Zugslärm mischen stört uns nicht im Geringsten, die Landschaft um uns nimmt stundenlang all unsere Aufmerksamkeit gefangen.

Fast sieben Stunden dauert die erste Etappe, dann sind wir in Barranca del Cobre (der Kupfer Schlucht, die nicht wegen dem Kupfer, das dort auch vorkommt so heißt, sondern wegen der wunderbaren roten Farbe, in die die Sonne die Felswände taucht), dort wo die sieben gewaltigen Canyons sich treffen. Jetzt wird es mit dem Beschreiben schon immer schwieriger, weil ich die Superlative schon für die Zugfahrt verbraucht und keine mehr frei habe, genau jetzt wo ich sie brauchen würde. Zwei Tage verbringen wir in Divisadero, wir wandern mit und ohne Guide durch die Berge, zischen auf kilometerlangen Ziplines mit bis zu 100kmH über Canyons, sind gute Touristen und kaufen Original Tarahumara Schmuck und füttern den offenen Kamin in unserer Unterkunft in der Nacht mit riesigen Holz-Prügeln um nicht zu erfrieren. Es ist das Gebiet der Rarámuri (oder Tarahumara), der Bergläufer. Seit Generationen sind die Menschen hier berühmt für Ihre Fähigkeit stundenlang in hohem Tempo barfuß oder mit einfachen Sandalen durch die Berge zu laufen. Strassen gibt es hier so gut wie keine, aber die braucht ein Rarámuri nicht. Was es hier aber gibt das ist das Kartell, in den Bergen sind auch die Felder der Drogenvereine, mit denen man sich in Mexiko nicht unbedingt anlegen sollte.

Zwei Tage später kommt der El Chepe wieder vorbei, spuckt eine gute Ladung Touristen aus und verschluckt uns im Austausch, weiter geht’s nach Creel.  In Divisadero war Einsamkeit angesagt,  die Unterkünfte sind in den Bergen, weil weg von jeglichem Trubel, Creel ist da schon aus anderem Holz geschnitzt. Ein riesiger mexikanischer Abenteuer Spielplatz erwartet uns dort, Touren, Quads, alle Arten von Outdoor Aktivitäten, eine Bierbrauerei, unzählige Kleidergeschäfte die alle die gleichen traditionellen Kleidungsstücke verkaufen. Auch wir decken uns mit wärmeren Sachen ein, eine dicke Strickhaube rettet mich vor dem Erfrieren, in der Nacht wird es eisig kalt und in der Früh liegt Schnee.

Wir wollen keine „guided Tour“ machen sondern stellen uns selbst eine Wanderung zusammen und  entkommen dem ganzen Trubel „per pedes“. Es ist kalt und der eisige Wind weht uns den Wüstensand ins Gesicht, aber tapfer wandern wir in das Tal der „Frösche“ und der „Mönche“.  Es sind surreal anmutende riesige Felsformationen in denen wir stundenlang herumklettern, wie Ameisen im Steingarten eines größenwahnsinnigen Künstlers. Ich habe mich bei der Planung etwas vertan und war etwas zu optimistisch was unsere Reichweite betrifft, jedenfalls laufen wir Kilometer um Kilometer immer tiefer in „die Wildnis“ hinein, niemand sonst ist so verrückt diese Tour zu Fuß zu machen, hin und wieder braust ein riesiger Geländewagen vorbei und zieht eine mächtige Staubfahne hinter sich her, der Sand knirscht zwischen den Zähnen und die Blasen wachsen an den Füßen.   Wir sind auf der Suche nach den „Mönchen“, große Monolithen sollen es laut unserer Recherche sein, und hin und wieder sehen wir auch wirklich solche Felsnadeln aus der Ferne. Irgendwann wird es uns zu bunt und wir beschließen, dass die Figuren in der Ferne wohl die Mönche gewesen sein werden, nicht schlecht aber auch nichts wofür wir uns die Schinderei antun hätten müssen. Ein kleines Stück wollen wir noch gehen und dann wieder umdrehen, damit wir noch vor Einbruch der Dunkelheit zurückkommen.  Und dann – es ändert sich die Landschaft, ein neues Tal tut sich auf, und unsere Augen werden groß und der Mund bleibt offen (nur kurz, wegen dem Sand der sofort hineinfliegt): Diesmal hat der Reiseführer gelogen, die Wirklichkeit toppt alle Bilder die wir davon gesehen haben. In welcher Stimmung war die Baumeisterin vor 30 Millionen Jahren nur, als sie das alles geschaffen hat?  „Mönche“ werden die riesigen Steinsäulen genannt, aber der andere Name „Valle de los penes erectos“ („Tal der erigierten Penisse“) passt wohl deutlich besser.  

Wir können uns schwer von diesem magischen Ort trennen, aber es wird spät und der Heimweg ist lang. Wir versuchen noch eine Touristen-Gruppe zu finden um mit denen mitzufahren, aber wir sind schon alleine. Nur beim kleinen Kiosk am Eingang ist noch jemand, und der nette junge Mann ist bereit uns mit seinem Pickup nach Creel zurückzubringen. Wie üblich entwickelt sich sofort eine angeregte Unterhaltung mit Tadeja, ich höre zu, und statt uns einfach nach Creel zurückzuführen gibt es noch eine private Sight-Seeing-Tour damit wir auch auf keinen Fall eine Sehenswürdigkeit von Creel verpassen. Über Stock und Stein klettert der der Pickup, durch den Wald, über einen Berg, zu einem See, zu den Schamanen in ihren Höhlen, und als wir wieder in der Pension sind ist es schon stockdunkel, wir sind hungrig wie zwei Bären und hundemüde. Der Hunger gewinnt, die Erschöpfung zieht den Kürzeren, eine zähe Suche nach einem geeigneten Lokal (zu ungemütlich, zu kalt, geschlossen, falsche Speisekarte, mies bewertet, zu gut bewertet, schlechte Aura…) endet dann doch noch erfolgreich in einer Mischung aus Cowboy-Saloon und Almhütte in der Bier gebraut wird und eine lokale Spezialität serviert wird (wir bekommen eine kleine dünne und teure Pizza serviert die aber ganz anders heißt). Tadeja trinkt ganz alleine fast ein ganzes Glas Bier!

Am nächsten Tag legt der Schneefall zu und unser Bus nach Chihuahua ist so pünktlich wie die deutsche Bahn, die Straßen sind gesperrt und es heißt warten, warten, warten. Mit viel Verspätung geht es dann aber doch noch weiter nach Chihuahua und wir können die Wollmützen wieder verpacken und auf T-Shirts umsteigen.

Chihuahua gefällt uns, eine Stadt die wir entspannt zu Fuß erkunden können, nicht allzu groß und mit viel Geschichte, die man in den Museen teilweise hautnah erleben kann. Ein besonderes Ausstellungsstück ist dabei das Auto von Pancho Villa, in dem der große Revolutionär von Kugeln durchsiebt wurde. In der ganzen Stadt weht noch ein Hauch der „großen mexikanischen Revolution“, uns gefällt es hier für zwei Tage, und dann sitzen wir schon im Flugzeug nach Mexiko City.

Den Tag in Mexiko City nutzen wir um wieder einmal das Nationalmuseum zu besuchen, für mich das schönste Museum der Welt (zumindest das schönste das ich kenne), und dann geht es wieder zurück nach Wien, in den Frühling 😊.

Wir drehen Runden

„Ältere Störche kommen schneller ans Ziel – Erfahrung bringt Weisheit“ – war vor einigen Tagen in der Zeitung zu lesen. Das dürfte wohl zum Teil auch für uns menschliche Zugvögel gelten, diesmal war die Reise ins Winterquartier nach Mexiko besonders schnell und unproblematisch, am 28.12.23 war unser Abflug aus Wien und am 2.1.24 war die KALI MERA schon auf Hoher See unterwegs nach Süden. Von Weisheit sind wir zwar weit entfernt, aber mit Boot – Auswintern und startklar machen haben wir schon reichlich Erfahrung. Alle Systeme laufen, unser Sorgenkind vom letzten Jahr – der Volvo – springt sofort an und läuft ohne Probleme. Wie immer haben wir die Reisetaschen voller Ersatzteile. Sofort montiert werden der neue Abgaskrümmer und der Auspuff-Schlauch für den Volvo, der Rest wird Stück für Stück im Laufe der kommenden Wochen in Angriff genommen.

Unsere diesjährige Fahrt führt uns nicht zu neuen Ufern, wir drehen wieder einmal eine Runde. Das sechste Jahr sind wir nun in Mexiko, und ebenso viele Runden haben wir hier hinter uns. Vor vielen Jahren, fast schon einer Ewigkeit, sind wir in Kroatien im Kreis gesegelt, mit dem Charter-Boot, für ein bis zwei Wochen. Dann drehten wir Runden in Griechenland, mit unserer MINERVA, jetzt größer und länger geworden, und dennoch immer noch Runden. Und der Wunsch – endlich nicht mehr im Kreis zu fahren, sondern immer weiter – weiter nach Westen – ist übermächtig geworden. Und hier im Pazifik, nach Mittelmeer, Atlantik und Panama-Kanal, beschleicht uns leise und langsam das Gefühl, dass wir wieder in einer Runde gelandet sind, einer sehr großen halt. Wir werden die Runden nicht los. Von den ganz kleinen, wenn wir uns täglich mehrfach um den Anker drehen, und den großen, wenn wir von Mazatlan aus in den Süden oder in den Westen fahren und am Ende wieder in unserem Yacht Club, unserem Ausgangspunkt landen. Bis zu den sehr großen, wenn wir mit der ganzen Erdkugel immer wieder um die Sonne rasen, und auch die Sonne selbst – mit ihren ganzen rotierenden Anhängseln – dreht ihre eigenen Runden… . Und auch wenn wir glauben, dass unsere Reise vom plötzlichen Auftauchen auf der Welt bis zum wieder daraus Verschwinden eine rein lineare Angelegenheit sei, wer weiß welche Runde wir da in Wirklichkeit drehen. Runden sind eigentlich gar nicht so schlecht.

Diesmal führt uns die Route nach Süden, die Pazifik-Küste entlang, wir segeln ohne Zeitdruck, bleiben dort wo es uns gefällt und ziehen mit dem Wind weiter. Jeden Tag begegnen wir Buckelwalen, vielfach Muttertieren mit ihren Kälbern, und hin und wieder hören wir sie singen, vor allem in der Nacht, wenn uns die zarten Töne der sanften Riesen in den Schlaf begleiten.

Auf Isla Isabella, dem Vogelparadies, bleiben wir einige Tage und wandern durch das unbewohnte Naturschutzgebiet. Hier brüten unzählige Fregattvögel und Tölpel ohne Scheu vor den Menschen, so muss es im Garten Eden gewesen sein, bevor Eva unbedingt in den Apfel beißen musste.

Nächster Halt: “Banderas Bay -La Cruz”. Dort treffen wir unsere Freunde von der ALACRAN, die uns mit den Neuigkeiten in der La-Cruz-Gastronomie vertraut machen, immerhin sind wir schon zwei Jahre nicht mehr hier gewesen.  Dann ist Segelpause für eine Woche angesagt, bis der neue Gefrierschrank, den wir kurzerhand bei Amazon bestellt haben, zur Marina geliefert wird. Der alte hat – kaum dass wir ihn mit den am wunderbaren Fischmarkt von La Cruz erworbenen Köstlichkeiten (Tuna-Filets, Mahi Mahi und blaue Shrimps) gefüllt haben, den Geist aufgegeben. Unsere Beute kommt – bereits eingefroren – in den Kühlraum des Fischgeschäfts zurück bis wir den neuen Freezer an Board haben.

Die Wartezeit nutzen wir für einen Abstecher mit dem Mietwagen nach Guadalajara und Tequila im Hochland von Mexiko. Die Hauptstadt Jaliscos hat uns beim letzten Besuch schon begeistert, und auch diesmal sind wir von der zweitgrößten Stadt Mexikos äußerst angetan. Guadalajara mit seinen schönen Plätzen, den beeindruckenden Gebäuden aus der Kolonialzeit und den farbenfrohen Märkten ist wunderbar lebendig und entspannt zugleich. Wir logieren in der Nähe der Kathedrale in einem frisch renovierten Kloster, einer ruhigen Oase mitten im Zentrum. In Tequila besuchen wir zwei Destillerien, die größte und modernst ausgestattete Tequila Fabrik Mexikos – Sauza, und Cascahuin, einen der ältesten Traditionsbetriebe. Bei beiden Anlagen erhalten wir eine private Führung mit anschließender Tequila-Verkostung – und bei beiden „Hofläden“ decken wir uns mit dem Agaven-Drink ein, als wollten wir einen Spirituosen-Laden eröffnen. Tequila wird uns in den nächsten Jahren auf der KALI MERA nicht ausgehen… .

Zurück in La Cruz wird der neue Gefrierschrank eingebaut und unsere Fisch-Spezialitäten übersiedeln zurück auf die KALI MERA. Wir hingegen segeln weiter nach Süden, in mehreren Tagesetappen in die wohl schönste Bucht der mexikanischen Pazifik-Küste, Tenacatita.  Vor Anker liegend ist hier ausreichend Zeit für einige Reparaturen und technische Verbesserungen am Boot. Der Dieselgenerator läuft seit zwei Jahren nicht mehr sauber, bei hoher Last qualmt er dunkel, er stottert und der Luftfilter verölt. Das Serviceteam des Herstellers Fischer-Panda vermutet einen Schaden am Zylinderkopf, ich denke eher, dass es mit der Abluft zusammenhängt. Einen Tag lang hocke ich in der Backskiste und kämpfe mit den festgerosteten und vernudelten Schrauben vom Abgaskrümmer (da hat anscheinend vor mir schon einer herumgepfuscht). Als ich den Übeltäter dann endlich in den Händen halte (den Krümmer, nicht den Pfuscher), ist alles klar, der Auspuff ist mit Ablagerungen zugewachsen, eine Art schwere Bronchitis also.  Nachdem ich das Zeug mit dem Schraubenzieher „herausstemme“ und den Kanal wieder öffne, läuft der Generator wieder „wie ein Glöckerl“.

Hier in der Tenecatita bekommen wir Besuch, unser Sohn Timi verbringt zwei Wochen am Boot und wir freuen uns, ihn hier verwöhnen zu können. Gemeinsam segeln wir nach Barra, machen einen Ausflug zum secret beach, einer wildromantischen Bucht, in der tosende Wellen gegen den steilen Sandstrand donnern. Alle wollen Schwimmen, einer (Überraschung: Herbert!) muss probieren ob es gefährlich ist, dann wagen sich alle hinein. Der Ankerplatz vor Las Hadas in Manzanillo wird heuer unser südlichster Punkt – denn wir müssen zum “Carnaval”, den großen Umzug sehen – und von dort aus geht es für Timi leider auch schon wieder zurück nach Hause.

Wir sind wieder “allein daheim” und verholen uns zurück in die Tenecatita, um dort noch ganze drei Wochen Meer, golden glitzernden Sand, Marktbesuche im gegenüberliegenden La Manzanilla zu genießen und vom privaten “Mirador“ (spanisch für Aussichtspunkt) balzende Kormorane und riesige Vogelschwärme bei der Jagd zu beobachten. In den Morgenstunden ist auf der KALI MERA „Bürozeit“ und wir arbeiten – Starlink-sei-Dank – mit ausgezeichnetem Internet, der Rest des Tages ist Freizeit. Abends treffen wir uns mit anderen Seglern, manchmal gibt es ein Lagerfeuer mit Wein, Tanz und Gesang am Strand, hin und wieder grillen wir frischgefangenen Fisch. Es ist paradiesisch schön hier, ein kilometer-langer naturbelassener Sandstrand, türkises Meer, eine kleine Palapa im Palmenhain und ein völlig geschützter ruhiger Ankerplatz.

Zwischenzeitlich ist es März geworden, die Segelsaison hier an der „Goldküste“ geht langsam zu Ende

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, aufkommender Südschwell lässt immer öfter hohe Wellen an den Strand rollen, und für uns bedeutet dies das Signal, wieder die Rückreise nach Norden in Angriff zu nehmen, zwar wehmütig, aber auch schon wieder voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit Familie und Freunden daheim in Österreich. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen wir Anker auf….

Und er dreht sich doch!

Wie eine Nähmaschine schnurrt er, unser Volvo. Zugegeben, wie eine alte, ziemlich laute Nähmaschine

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, aber er schnurrt. So ein angenehmes Rattern, wohliges Brummen, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass mich der Motorenlärm früher jemals gestört hätte. Und er läuft besser als je zuvor, Rob und Mario haben ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Natürlich ist das Ganze nicht ganz glatt gegangen. Zuerst sind wir eine Woche am unruhigen Ankerplatz und warten auf einen Platz in der Marina. Um Zeit zu sparen wurde die Pumpe noch am Ankerplatz von Rob ausgebaut, damit Mario sie unter seine Fittiche nehmen kann.  Mario betreibt in La Paz eine Spezialwerkstätte für Einspritzpumpen, er zerlegt das Teil und stellt fest, dass er sie nicht reparieren kann, Teile sind innen gebrochen (wohl aufgrund einer alten nicht professionellen Reparatur), wir brauchen eine neue. So eine Einspritzpumpe ist so ziemlich das Teuerste was man beim Motor tauschen kann, unerschwinglich als Neuteil, wenn man überhaupt noch eine bekommt (unser Volvo ist immerhin 28 Jahre alt). Aber Rob und seine Frau Kim finden eine beim „graveyard of engines“ (beim Alt-Teile-Tandler am Boots-Schrottplatz). Mario prüft und stellt fest, dass das Modell nicht passt, zu jung! Kim und Rob suchen weiter und finden eine Pumpe, die zu Modell und Baujahr passt. Mario zerlegt wieder und macht aus zweien eine. Zusätzlich serviciert er die Einspritzdüsen, das war sowieso schon längst überfällig. Dabei gehen die Tage dahin, unsere Nervosität steigt, wir müssen zurück nach Wien, und außerdem wissen wir noch gar nicht, ob der Motor nach dem Einbau der reparierten Pumpe überhaupt funktioniert, oder ob uns der Lord Voldemort der Mechaniker letzte Woche den Rest zerstört hat. Jeden Tag behandle ich auf Anweisung von Rob die Zylinder und Kolben mit Spezial-Spray, damit nur nichts zu rosten beginnt. Die milchige Brühe, die einmal Motoröl war, habe ich sofort gewechselt, und die Ventile und Federn zum Rostschutz mit Robs Wundermittel eingesprüht.  

Als ein Platz in der Marina Palmira frei wird segeln wir bis vor die Einfahrt, dann schleppt uns Rob zu unserem Liegeplatz. Fünf Tage reservieren wir in der Marina, dann müssen wir fertig sein, sonst schaffen wir die Rückreise nach Mazatlan und den Flug nach Wien nicht mehr. Und wir haben Glück im Unglück, am letzten Tag baut Rob alles zusammen. Der Motor springt sofort an und läuft besser als zuvor.  Herr Volvo bekommt von mir noch zwei weitere Ölwechsel verabreicht, dann wird er als geheilt entlassen.

Kim und Rob von Crossmarine waren ein Geschenk des Himmels, nicht nur dass sie das Problem mit großem Engagement und höchster Professionalität behoben haben, auch menschlich haben uns die beiden tief beeindruckt. Letztendlich hätte es wohl auf der ganzen mexikanischen Pazifik-Küste in dieser Situation keinen besseren Platz für uns gegeben als La Paz. Glück gehabt, Ende gut, alles gut 😊

Es läuft nicht rund

Es läuft nicht rund! „Es“ ist unser Motor, Volvo MD22, eigentlich ein Perkins Prima M50, aber grün lackiert.  Schon bei der Ankunft in der Bahia de los Muertos hat er uns im Stich gelassen – in der Nacht, als wir unter Maschine in die Bucht einlaufen und er beschlossen hat, sich ohne „Motor-Aus-Kommando“ einfach abzuschalten. Er springt dann auch nicht wieder an, ein klarer Fall von Meuterei, das hatten wir noch nie!  Sofort lassen wir den Anker fallen, zwischen den anderen Booten, der Platz passt perfekt und wir fahren unser ruhigstes Ankermanöver seit 15.000 Seemeilen, fast lautlos.

Zwei Nachtfahrten liegen hinter uns, ich habe fast nicht geschlafen und mich auf die Koje gefreut und dann das. Ein sofortiger Reparaturversuch wird gestartet, ich weiß, dass ich nun sowieso nicht einschlafen kann. Es kann nur an der Treibstoffversorgung liegen, aber alles schaut ok aus. Ich tausche die Dieselfilter, entlüfte den Motor, versuche zu starten – aber im Gegensatz zu mir schläft der Motor tief und fest. Eventuell die Dieselpumpe? Da habe ich sogar eine in Reserve, ich baue sie ein, entlüfte und starte nochmals, aber weiterhin wird die stille „Bucht der Toten“ nicht von Motorlärm gestört. Entnervt gebe ich noch einmal Vollgas, noch ein Startversuch – und er springt an. Er funktioniert! Unser Motor läuft, er war nur müde, jetzt ist er wach!

Ich bin sehr mit mir zufrieden, anscheinend wird noch ein echter Mechaniker aus mir, ich habe den Fehler gefunden, die Dieselpumpe getauscht, Nerven bewahrt, Gas gegeben und alles repariert. Adieu Bucht der Toten, weiter geht’s zurück ins Seglerleben!

Zwei Wochen lang läuft der „Murl“ ohne irgendwelche Macken, er freut sich wohl über die neue Dieselpumpe. Aber dann, wir wollen Anker auf gehen, der Motor springt sofort an – und geht dann wieder aus. Ich habe keine weitere Pumpe mehr , also versuch ich es sofort mit Starten bei Vollgas – und er läuft, als ob nichts gewesen wäre.

Anscheinend werden sich in einer langen Beziehung nicht nur Hunde und Ihre Menschen immer ähnlicher, vielleicht ist es auch mit dem Boot so? Ich brauch Kaffee, er braucht Vollgas in der Früh!

Und weitere zwei Wochen verbringen wir, Tadeja, der Motor und ich, in großer Harmonie. Und wie bei jedem Segel-Urlaub kommt irgendwann der Tag, an dem die Rückreise beginnt. Motor starten, Anker auf, Segel setzen, heimwärts geht’s. Bei der Seelöwen-Kolonie machen wir einen kurzen Anker-Stop zum Schnorcheln mit den possierlichen Tieren, und zurück an Board beginnt das alte Spiel von Neuem.  Ich starte, der Motor schläft. Nicht einmal Vollgas kann ihn aufwecken, und diesmal ist es wirklich unangenehm, wir bräuchten den Motor dringend, noch ist ja ruhiges Wetter, aber bei der Abend-Brise wird der Ankerplatz unhaltbar werden, wir liegen dann auf Legerwall.  Wir müssen also hier weg, gehen unter Segel Anker-Auf und kreuzen uns bei zwei Knoten Wind von den Riffen frei. 

Dann beratschlagen wir wohin es nun weiter gehen soll, wir checken den Wetterbericht und entscheiden dann nach La Paz zu segeln, auch wenn die Bedingungen dazu alles andere als günstig sind. Aber in La Paz gibt es Rob, einen Mechaniker mit gutem Ruf.

Der Wetterbericht stimmt, zuerst haben wir für einige Stunden 2-5 Knoten achterlichen Wind, aber mit dem riesigen Parasailor rauschen wir mit beeindruckenden 1-3 Knoten Fahrt La Paz entgegen. Dann hört der Wind völlig auf und wir treiben mit beinahe der gleichen Geschwindigkeit wieder dorthin von wo wir hergekommen sind, bis der „richtige Wind“ losgeht, halt von der falschen Richtung. Mit Einsetzen der Dunkelheit kommt eine steife Brise auf und wir kreuzen bei viel Wind die ganze Nacht Richtung La Paz, laufen teilweise mit Rumpfgeschwindigkeit, wieder einmal gibt es keinen Schlaf. Bei Sonnenaufgang kommen wir an, den ausgebaggerten Kanal zur Stadt können wir ohne Motor nicht benutzen, also ankern wir weit draußen, bei den Superyachten, ein einsames kleines Segelboot zwischen den schwimmenden Villen der Milliardäre.

Wir kontaktieren Rob, Rob hat aber aktuell keine Zeit. Und dann machen wir das, wofür ich mir seitdem schon 17-mal versucht habe, in den Hintern zu beißen.  Wir kontaktieren einen anderen Mechaniker und dieser hat sofort Zeit für uns (alleine das hätte uns schon stutzig machen sollen). Ich hole den Meisterschrauber und seinen Adlatus mit dem Dingi von der Luxus-Marina ab, kaum ist er am Boot verschwindet er im Motorraum und beginnt mit der Analyse. Diese besteht hauptsächlich darin, dass er alles aufschraubt was er in die Finger kriegt, der Diesel spritzt gleich so aus allen Leitungen, zwischendurch bekomme ich immer wieder Kommandos, den Motor zu starten. Länger starten, noch länger draufbleiben! Alles in mir sträubt sich, am liebsten würde ich ihn zurückbeamen zur Marina, aber er ist immerhin Mechaniker, und ich kann nur Dieselpumpen tauschen. Bis es plötzlich eine kleine Explosion gibt und der Motorraum voller Rauch ist, und dann geht gar nichts mehr. Er hat es doch tatsächlich geschafft, den Motor trotz abgesperrten Seeventil mit Salzwasser zu fluten und einen Wasserschlag zu verursachen! Meine „Diesel-Motoren-Ratgeber-Bücher“ an Board sind alle der gleichen Meinung, dass das so ziemlich das Schlimmste ist, was man einem Motor antun kann.  Meine Verzweiflung wächst, quasi im Gleichschritt mit den spanischen Flüchen aus dem Motorraum, die immer häufiger und wohl auch deftiger werden. Jede Schraube scheint nun ihren eigenen stillen Widerstand zu leisten. Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt, er baut die Injektoren aus, entfernt das Wasser aus dem Motor – immerhin spritzt sie ihm dabei zweimal ordentlich ins Gesicht, die grauslige Brühe! Sein Sklave muss diese kosten und sagt dann fast genießerhaft „Salzwasser“ (hätte er noch „Jahrgang 2023“ dazu gesagt dann hätte ich ihn wahrscheinlich mitsamt seinem Chef über Board geworfen). Dann wird alles husch-pfusch zusammengebaut (nicht einmal alle Beilagscheiben waren mehr auffindbar in dem Durcheinander, das sie verursacht haben), und schließlich und endlich wird meine anfängliche Vermutung bestätigt: Die Einspritzpumpe arbeitet nicht richtig. Das hätten wir auch ohne das restliche desaströse Werk feststellen können! Ich bin nur noch froh die beiden möglichst schnell vom Boot weg zu haben, zahle sogar ohne Murren, Hauptsache ich sehe sie nie wieder.

Zwischenzeitlich hat sich Rob gemeldet, dem ich die Tragödie per WhatsApp geschildert habe. Er wird sich das ansehen. Als erste Hilfe Maßnahme gibt er uns einen Reinigungs-Spray, den wir in die Zylinder spritzen sollen, um Korrosion und weitere Schäden nach Möglichkeit zu vermeiden. Heute war Rob dann bei uns am Boot, hat mit wenigen Tests festgestellt, dass die Einspritzpumpe nicht richtig arbeitet, hat diese mit den Injektoren ausgebaut und alles zum Reparieren/Servicieren zum Spezialisten gebracht. Ohne Feuerwerk und Wet-Diesel-T-Shirt-Party, ganz unspektakulär. Was sonst noch alles kaputt gemacht wurde, wissen wir noch nicht. Rob ist nett und kompetent, er findet eine Balance zwischen Realität und Hoffnung und sagt, dass der Motor eventuell wieder wird, wir werden sehen. Stück für Stück.  Wie lange es dauert, wissen wir nicht, aber unseren Rückflug nach Österreich haben wir schon verschoben, da brauchen wir wenigstens auch nicht nervös werden, wenn wir lesen, dass derzeit wegen dem Ausbruch des Popocatepetls in Mexiko-City der Flughafen gesperrt ist…

PS: Tadeja hat bei diesem Blogbeitrag gnadenlose Qualitätssicherung gemacht, im ersten Feedback sind die Worte „stümperhaft“ und „Kleinkindergeschreibsel“ vorgekommen. Die Frustrationsschwelle scheint ein klein wenig gesunken zu sein. Der Beitrag wird daher ohne weitere Kontrolle veröffentlicht😊.

Voladores und Pajaritos

Nach eineinhalb Jahren wieder am Boot! Das sonst so vertraute Zuhause fühlt sich fast ein wenig ungewohnt an. So, als wäre man schon lange nicht mehr Schi gefahren und man sich nicht ganz sicher ist, ob man es noch kann – Griffe, Knöpfe und die Dinge in den Staukästchen, nach denen man davor schon ganz selbstverständlich gegriffen hatte, mit denen muss man sich erst wieder vertraut machen. Ach ja, so geht das, und genau, so fühlt es sich an. Es war eine lange Pause, – nicht ganz freiwillig.

Eigentlich wollten wir diesmal den Bug nach Süden gegen Panama richten, haben aber nun spontan noch einmal unsere Pläne umgeworfen und beschlossen ein weiteres Mal zur Baja California in die Sea of Cortez zu segeln.

Mittags brechen wir auf und werden nach zwei Nächten in den Morgenstunden die Bahia de los Muertos erreicht haben, vor uns die unvergleichliche Kulisse der dunklen Felsen der Sierra de los Gigantes über weißem Strand und türkisgrünem Meer.

Sie empfängt uns freundlich, die See, sanft kräuselt sie ihre dunkler werdende metallen schimmernde Oberfläche. Trotzdem schmeckt das Essen in den ersten zwei Tagen während der Überfahrt nicht so richtig, die Segelbeine müssen uns erst wieder wachsen.

Ich versenke den Blick in den Weiten des Horizonts, lasse die See in meine Seele, verschmelze mit ihr. Sie fließt durch mich hindurch, beruhigt meine Gedanken und meine Gefühle, hilft mir loszulassen, mich dem Wind und dem Wetter, dem Wechsel der Gezeiten anzuvertrauen. Der Mensch – ein kleiner Punkt im unendlich scheinenden Universum, und jeder Punkt ein ganzer Kosmos. Wie dankbar bin ich, ihn erleben zu dürfen!

Der Mensch ist zwar schon ins All vorgedrungen

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, aber die Tiefen des Meeres sind ihm nach wie vor ein Geheimnis geblieben. Uns zeigt das Meer seine Bewohner diesmal nur zögerlich, da und dort spritzt es auf, wenn ein Rochen eine Pirouette schlägt, ein Fregattvogel im rasenden Sturzflug in die Fluten schneidet, oder wir sehen einen Vogel der auf einem Schildkrötenrücken zu balancieren versucht. Die meisten Buckelwale sind bereits zurück in den Norden gezogen, wo sie die heißen Monate im kühlen Alaska verbringen werden, und Delfine lassen sich vorerst auch nicht blicken.

Langsam schieben sich Bilder von unserer letzten Landreise vor 1,5 Jahren in mein Gedächtnis. Bevor wir 2021 kurz vor Weihnachten heimgeflogen sind, haben wir ein paar Ziele, diesmal im Norden von MXC gewählt, um wieder ein Stück dieses großartigen Landes kennenzulernen.

Unsere erste Station führte uns nach Teotihuacan, einer prähistorischen Pyramidenstadt. Jede dieser Pyramidenstätten besteht zwar aus ähnlichen Elementen, doch überrascht jede durch ihre ganz besondere Bauweise. Wir schlendern vorbei an der imposanten zweitgrößten Pyramide des nordamerikanischen Kontinents, der Sonnenpyramide, die sogar die drittgrößte der Welt sein soll, über die angeschlossene Plattform, die möglicherweise als Zeremonienplatz gedient hatte. Über die Stufenmauer nach unten gelangen wir auf die gut 10 Meter breite Straße der Toten, die direkt zur ein paar Jahrhunderte später errichteten Mondpyramide hinführt. Gesäumt wird sie nicht nur von mehreren stufenartig angeordneten Gebäuden, sondern auch von einer langen Reihe von Ständen, an denen rege Händler ihre Souvenirs feilbieten und unter der Hand sogar „echte antike Fundstücke“, die sie auf den angrenzenden Feldern selbst ausgegraben haben, aus ihren geheimen Taschen hervorkramen. Herberts ungläubige Blicke konnten mich aus ihren Fängen befreien!

Gerne wären wir mit einem der Heißluftballons über die Stätte geflogen und hätten von oben auf sie herabgesehen, doch dafür waren wir zu spät dran, und einen weiteren Tag wollten wir nicht bleiben – so blieb uns nur die Sehnsucht und der Blick von unten auf die bunten schwebenden Ballons mit dem eigentümlichen Gefühl, in ein Märchenbuch hineingefallen zu sein. Wir werden wiederkommen!

Weiter ging es Richtung Osten, Richtung Karibik. Das Städtchen Ciudad de Cuetzalan mit seinen verwinkelten Sträßchen, die sich auf dem Weg zu unserem malerischen Hotel auf und ab und links und rechts winden, empfing uns mit einem warmen karibischen Regenguss! Immerhin konnten wir zum Einchecken direkt vor dem Hotel stehen bleiben, das wir dabei den Verkehr völlig blockierten störte anscheinend niemanden. Das ist eben Mexico! Unser Auto wurde dann ein paar hundert Meter weiter irgendwo sicher untergestellt.

Ohne es geplant oder gewusst zu haben, sind wir wie verabredet an einem besonderen Ort zu einem besonderen Zeitpunkt gelandet. Hier wird alljährlich in den Oktobertagen eine unglaubliche Attraktion, die auf alte Zeremonien und Mythen zurückgeht, aufgeführt. Es wird nichts groß angekündigt und man zahlt kein Eintrittsgeld – man weiß es einfach und versammelt sich – und wir mitten drin!

Am Platz vor der Kirche, der einseitig von an ein Amphitheater erinnernden Treppen gesäumt ist, auf denen Einheimische ihre Waren anbieten, Kräuter, Vanille, Stoffe, tropisches Obst und Gemüse, Holzgegenstände – ragt ein mit dem Kirchturm konkurrierender Baumstamm in die Höhe, einem Maibaum vergleichbar. Langsam und ohne jegliche Hektik versammeln sich fünf Darsteller in einer Ecke des Platzes und beginnen sich, als hätten sie sich zu einem Abendkränzchen eingefunden, gemächlich umzuziehen. Sie kleiden sich in traditionelle bunte Gewänder – einer von ihnen wird ein Adler mit riesigen Schwingen sein. Tanzend, begleitet von der Flöten- und Trommelmusik des Caporals, der die Sonne symbolisiert, bewegen sie sich auf den Stamm zu und klettern dann einer nach dem anderen völlig ungesichert nach oben, wo eine kleine Plattform, gesäumt von einem quadratischen Gerüst, gerade Platz genug zum Stehen für nur einen Menschen bietet. Die anderen platzieren sich um das Gerüst, die Beine gegen den Mast gestemmt. Dort ganz oben vollführt der Adler unter höchster Konzentration einen Tanz – ungesichert auf 31m Höhe – grüßt in alle vier Himmelsrichtungen, beugt sich mit ausladenden Schwingen weit nach hinten, während sich die Voladores, die fliegenden Repräsentanten der vier Winde, ihre Knöchel mit Seilen umwickeln, die dazu bereits feinsäuberlich um den Stamm gewunden vorbereitet gewesen waren. Jetzt bringen sich alle in Position und lassen sich auf ein Zeichen hinten über in die Seile fallen. In exakt 13 Umdrehungen „fliegen“ sie langsam zur Erde, wie ein lebendes Karussell. Damit vollziehen sie nach dem indigenen Kalender der Xiuhmolpilli genau ein Zeitalter. Denn werden die 13 Umdrehungen mit den 4 Voladores multipliziert, ergibt sich die Zahl von 52 Jahren, die ein solches Zeitalter umfasst. Diesen immer noch lebendigen Mythos zur Entstehung der Welt konnten wir hier miterleben!

Und schon kehrten wir der feuchten Wärme, deren kurzes Einatmen all die Erinnerungen an unsere Zeit in der Karibik wach werden ließ, wieder den Rücken und gaben unserem GPS die Koordinaten für Cantona ein. Schon im 2 Jahrhundert ante domini errichtet gehört sie mit ihrer Fläche von fünfzehn Quadratkilometern zu einer der größten mesoamerikanischen archäologischen Stätten – erst wenige Prozent der gesamten Anlage wurde bisher ausgegraben. Während wir durch die Ruinen wandelten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus – mühelos ließ sich das einstige Leben und Treiben in unserer Vorstellung rekonstruieren, die Straßen waren noch gut erhalten, hier war einst ein großes Handelszentrum, und Cantonas wichtigste Ware der Obsidian. Wir passierten unzählige Ballspielplätze, von denen es anderswo nur ein oder zwei davon gab, hier jedoch insgesamt 24! Da mussten die Wohnräume der niederen Kasten sein, und dort die besseren Viertel der Reichen, und hierher, zu den für Götter errichteten Tempeln hatten nur noch die Priester und Hohepriester an besonderen Festtagen Zutritt. Und jetzt standen wir an eben diesen Plätzen – nachdem wir gefühlt hunderte Treppen-Stufen erklommen hatten – und überblickten von den Plateaus der Pyramiden aus das beeindruckende Gelände. So unauffällig wie möglich ließen wir unsere Drohne steigen um zu Fotografieren und zu Filmen, aber es dauerte nicht lange, und ein aufgeregter Wächter keuchte die Treppen hoch und wies uns finsteren Blickes auf das „Drohnenverbot“ hin. Wir gaben uns ahnungslos und ein paar entschuldigende und freundliche Worte bewegten ihn schon bald dazu, uns mehr über die alte Stadt zu erzählen. Immer wieder erleben wir, wie die Kenntnis der Sprache ansonsten verschlossene Türen zu öffnen vermag.

Fast übersahen wir die Zeit, wir wollten noch vor Einbruch der Dunkelheit in Puebla sein – man ist in Mexico nach Sonnenuntergang nicht mehr so sicher auf offener Landstraße, unbeleuchtete Fahrzeuge, Tiere und große Schlaglöcher machen das nächtliche Autofahren zum Abenteuer.

Einmal noch durch Puebla schlendern, das uns nach mehreren Besuchen schon gar nicht mehr fremd ist, die kolonialen Bauten auf uns wirken lassen, gut essen, dem Popokatepetl einen Gruß zuwerfen…

Da, plötzlich sehe ich einen Blas, die Fontäne aus Wasser und Luft holt mich aus dem Schwelgen in den Erinnerungen wieder zurück in die Gegenwart. Ist es nicht schon zu spät für die Wale?  Aber da war ein Buckel! Wir fahren näher ran, da zeigt sich der kleine Dicke und schwingt sich mit lautem Prusten unter unser Boot und auf der anderen Seite wieder heraus – und weg ist er!

An diesem Tag winken uns noch eine Robbe, eine Schildkröte, ein paar springende Rochen und viele Wasservögel zu. Pajaritos („Vögelchen“, wie die fliegenden Fische hier liebevoll genannt werden) flattern über die Wasseroberfläche. Der Anker fällt und wir sind angekommen! Dieser Meinung schien auch unser Motor zu sein – aber das ist eine andere Geschichte!

( Beitrag von Tadeja, Fotos folgen 🙂 )

Segelsaison 2022 – Marina, Marina, Marina

Seit über einem Jahr ist der KALI MERA Blog verwaist. Ist unsere einst so lebendige Homepage in Pension gegangen? Schwimmt die KALI MERA noch? Sind wir Landratten geworden? Nein – Ja – ein wenig.

Das Jahr 2022 war kein Segel-High-Light für uns. Ende 2021 haben wir unser Boot nach einer wunderschönen Reise durch die Sea of Cortez wieder wohlbehalten in „unsere“ Marina in Mazatlan zurückgebracht, alles eingemottet und „Hurrikan-sicher“ verstaut.  Dann hängten wir noch einige Tage Landreise an, mit dem Mietwagen ging es durch Gegend zwischen Mexiko City und Vera Cruz an der Karibik-Küste, wir haben alte Steine bewundert, Heuschrecken gegessen, Kaffee gekauft und dann noch kurz „unser“ Puebla besucht. Danach zurück nach Wien, zur Familie, zur Arbeit, zum bürgerlichen Leben. Corona-bedingt haben wir beide in Wien wieder Anker geworfen, Projekte begonnen, die Praxis wieder aufgesperrt, Geld verdient, sind wieder „normal“ geworden.

Der Höhepunkt des Jahres 2022 war die Geburt unseres Enkels Maxi im Juni, ansonsten ist die Zeit bis zum November langsam und zäh dahingeflossen, schwierige Arbeit im Büro, Corona ständig um uns, bedrückende Stimmung durch den Krieg fast vor unserer Haustüre, die unbeschwerte Freiheit am Boot war schnell ganz weit weg.

Anfang November war unsere Rückkehr nach Mexiko eingetaktet um wieder für längere Zeit zum Aussteiger zu werden. Anfangs lief noch alles wunderbar nach Plan, kein Zollbeamter hat diesmal versucht unser Gepäck zu untersuchen, wir haben wohl mit unseren riesigen Packtaschen wie echte Touristen ausgesehen.  Immerhin haben wir neben dem üblichen technischen Krims-Krams, den ganzen Ersatzteilen, Schoten und Fallen, Schäkeln und Schrauben, Ladegeräten und Solarreglern … diesmal auch noch ein Groß- und Besan-Segel mit eingepackt, maßgeschneidert in der Türkei, wir waren also beladen wie eine Karawane mit 20 Kamelen.

Die KALI MERA durften wir genau so vorfinden wie wir sie verlassen haben, alles hat auf Anhieb funktioniert, technisch alles perfekt, nach 10 Monaten ist der Motor sofort angesprungen, nur der Generator, der seit längerer Zeit immer extra gebeten werden musste, war beleidigt.  Aber als ich dann die defekte Dieselpumpe entdeckt und getauscht habe, hat er seine schlechte Stimmung aufgegeben und war wieder mit Freude bei der Arbeit, in bester Laune, so wie in alten Zeiten.

Auf Empfehlung von Segelfreunden hatten wir bei Carl Wu in China drei 200AH Lithium Batterien bestellt, die Lieferung hat perfekt funktioniert, den Einbau, der  einen größeren Umbau der Elektroanlage erforderte, hatten wir noch vor uns.  Aber zuerst war „Werftaufenthalt“ angesagt, nach vier Jahren im Wasser war es Zeit das Antifouling neu zu machen und die Servicearbeiten für C-Drive und Bugstrahlruder durchzuführen.  Kaum war die KALI MERA an Land aufgebockt, kommt eine Nachricht von unserer Familie zu Hause, die es notwendig macht mit dem nächsten Flug nach Wien zurückzufliegen.  Damit wir die KALI MERA in der Werft stehen lassen dürfen müssen wir Arbeiten beauftragen, also leisten wir uns die schon seit langem überlegte Änderung der Wasserlinie (die Gute hängt mit „dem Hintern“ etwas zu tief im Wasser und ich muss dort immer Algen putzen) und wir lassen den ganzen Rumpf neu lackieren.

Wieder daheim wird uns schnell klar, dass wir unsere Segelpläne für 2023 ändern müssen. Ich (Herbert) fliege zwar noch einmal für eine Woche zum Boot, um die KALI MERA von der Werft wieder zur Marina zurück zu verlegen, installiere noch die Lithium Batterien, und mach dann wieder alles dicht und zurück geht’s nach Hause, rechtzeitig für Weihnachten.

Unser Törn im Jahr 2022 war insgesamt damit die beachtliche Strecke von ungefähr einer ganzen Seemeile , von Marina zur Werft und wieder zurück. Das dürfte wohl die teuerste Meile sein, die wir bisher gesegelt sind. Und bei einer Jahresstrecke von einer Meile müssen wir ziemlich alt werden, um noch in die Südsee zu kommen.

Und genau diese Südsee, die wir eigentlich als nächstes ansteuern wollten, die wird nun auch noch etwas länger auf uns warten müssen.  So wie es aktuell aussieht wird die KALI MERA mit uns im Mai schon wieder Richtung Panama unterwegs sein, ein kleiner Abstecher ins Mittelmeer wird notwendig bevor wir wieder Kurs Südpazifik anlegen.