{"id":3825,"date":"2026-02-16T16:25:18","date_gmt":"2026-02-16T15:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kali-mera.net\/?p=3825"},"modified":"2026-02-16T16:27:52","modified_gmt":"2026-02-16T15:27:52","slug":"ein-holpriger-start-ins-segel-jahr-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kali-mera.net\/?p=3825","title":{"rendered":"Ein holpriger Start ins Segel-Jahr 2026"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit 2019 liegt unser Boot nun schon in Mexiko. Als kurze Zwischenstation f\u00fcr Reparaturen gedacht, hat sich Mazatlan als eine Art modernes AiAia entpuppt, die Insel der Kirke, auf der Odysseus ein ganzes Jahr verbringen musste. Jedesmal, wenn wir uns zur Weiterreise entschlie\u00dfen, geschieht etwas, das unsere Abreise verhindert, und so vergeht ein Jahr ums andere. Aber diesmal, im Jahr 2026, steht unser Plan fest: Wir werden wieder zur\u00fcck in die Karibik segeln, und dann zur\u00fcck in die Heimat, nach Ithaka \ud83d\ude0a.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gute Odysseus schaffte es nach einem Jahr, aber der musste sich weder mit einer Pandemie noch mit einem regul\u00e4ren Broterwerb auseinandersetzen, und zu seinen famili\u00e4ren Verpflichtungen hatte er auch einen anderen Zugang als wir. Und au\u00dferdem war er ja ein Held, der Odysseus! Wir dagegen sind nur Tadeja und Herbert und brauchen sieben Jahre f\u00fcrs Entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles ist gut geplant, der Krantermin f\u00fcr den 7.J\u00e4nner fixiert, mit der Werft sind s\u00e4mtliche Arbeiten fest vereinbart und sogar die Panama-Kanalpassage ist schon vorbereitet. Die Fl\u00fcge sind gebucht, Hinflug nach Mexiko und R\u00fcckflug ab Panama. Das Gep\u00e4ck ist voll mit Ersatzteilen, auch der neue teure Autopilot (ein Linear Drive als redundantes System) ist gut verpackt mit dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebucht haben wir bei Iberia einen Flug bis Mazatlan mit Zwischenstops in Madrid und Mexico City. Schon im Vorfeld gibt es Flug-Probleme, zuerst wird der Weiterflug nach Mazatlan von Iberia storniert, dann gibt es einen Ersatzflug mit Aeromexico und langer Wartezeit in Mexico, wohl um die sehr sehr kurze Umsteigezeit in Madrid zu kompensieren. So kurz, dass wir zwar den Terminalwechsel zum n\u00e4chsten Flug noch schaffen, aber das Gep\u00e4ck leider nicht, allerdings erfahren wir das erst in Mexico. &nbsp;Wir sind es ja gewohnt, dass unsere Taschen immer erst zum Schluss aufs F\u00f6rderband gelegt werden, aber diesmal stoppt das zwischenzeitlich leere Band ohne dass auch nur ein einziges Gep\u00e4cksst\u00fcck von uns aufgetaucht w\u00e4re.&nbsp; Das hatte ich schon beim Wegfliegen bef\u00fcrchtet, ich ahne noch Schlimmeres, wir m\u00fcssen ja mit dem Gep\u00e4ck durch den Zoll, die Ersatzteile m\u00fcssen angemeldet werden, auch wenn wir sie (\u201eYacht in Transit\u201c) zollfrei einf\u00fchren d\u00fcrfen. Guter Rat ist nun teuer, wie sollen wir das Gep\u00e4ck, das irgendwo zwischen Madrid, Honkong, Sauerfeld und Mexico herumfliegt, beim Zoll herzeigen?&nbsp; Wir werden zum Iberia Schalter geschickt \u2013 und dort wartet schon die L\u00f6sung: &nbsp;Alles kein Problem, unsere Gep\u00e4cksst\u00fccke seien schon unterwegs nach Mazatlan, nein, kein Zoll, absolut kein Problem, wir m\u00f6gen uns keine Sorgen machen, es sei alles in bester Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Tadeja ist erleichtert, ich sp\u00fcre tief drinnen in mir dass gar nix in Ordnung ist, und, so viel sei verraten, Tadeja wird den netten Herrn, diesen D\u00e4mon der Finsternis, den Handlanger des Wahnsinns, in zwei Wochen noch einmal wiedersehen. 10 Stunden sp\u00e4ter kommen wir in Mazatlan an, allerdings machen wir auch diesen Flug ohne unsere Taschen, die sind n\u00e4mlich erst am Weg von Madrid nach Mexico. Auch in Mazatlan d\u00fcrfen wir sehen wie das leere F\u00f6rderband sich zur Ruhe begibt, und dann k\u00f6nnen wir endlich eine Vermisstenmeldung aufgeben. Alles kein Problem, das System bei dem man sehen k\u00f6nnte wo die Teile sind, ist zwar im Moment nicht verf\u00fcgbar, es werde uns aber sicher gleich nachgeliefert. Immerhin ist Hochsaison und da komme das schon sehr h\u00e4ufig vor, das beruhigt mich dann wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wirklich, zwei Tage sp\u00e4ter werden wirklich in der Marina drei Taschen f\u00fcr uns abgegeben, nur die vierte, die mit dem Autopiloten und den anderen Sachen, die wir unbedingt brauchen, die ist verschollen. Wir schreiben mails, erzeugen Tickets in den Rechercheplattformen, rufen bei den Hotlines von Iberia und Mexico City an, sind stundenlang in den Warteschleifen gefangen, bis sich eines Tages der Zoll meldet und uns informiert, dass man den Autopilot beschlagnahmt h\u00e4tte. Nachdem wir diesen beim Zoll nicht hergezeigt h\u00e4tten sind nun 400 Euro an Steuer f\u00e4llig, zu bezahlen ausschlie\u00dflich \u00fcber ein mexikanisches Bankkonto. &nbsp;Wir haben interessanterweise kein mexikanisches Bankkonto, aber Juan, der Marina Manager, \u00fcberweist das von seinem Konto, aber wer gedacht hat dass nun die Sache erledigt sei, der hat sich gr\u00fcndlich get\u00e4uscht.&nbsp; Immerhin bekommen wir noch die nette Info vom Zoll, dass, wenn die Tasche nicht innerhalb einiger Tage abgeholt wird, diese entsorgt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Tadeja versucht nun eine ganze Woche lang zu organisieren, dass die Tasche endlich von der Fluglinie vom Zoll abgeholt und nach Mazatlan weitertransportiert wird, t\u00e4glich wird ihr versichert, es w\u00fcrde nun erfolgen, selbstverst\u00e4ndlich, ohne weitere Verz\u00f6gerung. Die Gespr\u00e4che enden \u00fcblicherweise damit, dass ein Service Mitarbeiter \u201eeinen Case anlegt\u201c, zwischenzeitlich muss schon ein riesiger Haufen Cases dort herumliegen, weil mit denen ja nach der Anlage nichts mehr passiert. &nbsp;Jedes Telefonat dauert ewig, zuerst werden jede Menge Daten abgeglichen um sicher zu stellen dass wir wir sind und dass das Gep\u00e4ck wirklich verschwunden ist, und dann erfolgen R\u00fcckfragen beim Supervisor und beim Salzamt und dann wird einfach aufgelegt, oder das Gespr\u00e4ch bricht ab, oder ein Case wird angelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzige Stelle, die in Mexiko erreichbar ist und auch antwortet, ist der Zoll. Anfangs noch ein kurzer Adrenalinschub als wir informiert werden, dass zwar die geforderte Summe eingelangt sein, nun aber doch noch einmal 1.500 Dollar zu bezahlen w\u00e4ren, weil &#8230;&nbsp; weil.. , ja, warum eigentlich? Nach ganz konkretem Nachfragen entpuppt sich das \u201eweil\u201c als bedauerliches Missverst\u00e4ndnis und wir erhalten endlich die Info \u201edie Tasche sei nun freigegeben\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Airline, oder auch wir selbst, k\u00f6nnen nun jederzeit die Tasche holen, alles sei ok. In der kommenden Woche sorgt Tadeja nun an der Aero Mexico Hotline f\u00fcr eine enorme Case-Produktion, das Abholen des Gep\u00e4cks wird t\u00e4glich f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag versprochen. Eine kurze Abwechslung gibt es bei diesem Spiel, als wir pl\u00f6tzlich ein mail von Aero-Mexico erhalten, dass man nun zuversichtlich sei voranzukommen, immerhin wisse man nun durch das Tracking System, dass die Tasche das letzte Mal in Mexico City am Flughafen gesehen worden sein. Ein pers\u00f6nlicher Besuch am Flughafen in Mazatlan f\u00fchrt dann anscheinend zu einem echten Durchbruch, dort nehmen sich liebenswerte Iberia Menschen des Problems an, telefonieren mit den Kollegen in Mexico, und versprechen dann, dass sp\u00e4testens am n\u00e4chsten Tag das Gep\u00e4ck hier sei. Auch das entpuppt sich am Abend des n\u00e4chsten Tages als Finte die wohl nur zu einem weiteren Case gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich fliegt Tadeja von Mazatlan nach Mexico City um pers\u00f6nlich die Tasche zu holen, abgestimmt mit dem Zoll-Office. Dort angekommen wird sie beim Zoll informiert, dass die Fluglinie die Tasche holen m\u00fcsste oder zumindest ein Vertreter von Iberia dabei sein muss. Es wird also von Tadeja ein Iberia Vertreter gesucht, als der nach Stunden endlich auftaucht muss Tadeja vom Zoll und Iberia leider erfahren, dass nun geschlossen sei und erst drei Tage sp\u00e4ter am Montag die Tasche ausgefolgt werden kann. Am n\u00e4chsten Tag dennoch ein neuer Versuch, und \u2013 man h\u00f6re und staune \u2013das Office ist offen, die Tasche ist da und kann auch herausgegeben werden, es muss nur ein Iberia Vertreter gefunden werden\u2026. &nbsp;und nun gibt es ein freundliches Wiedersehen mit dem netten Herrn, der uns das vor zwei Wochen eingebrockt hat. Grrrrrrrr.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich kommt Tadeja dann mit der Tasche zur\u00fcck nach Mazatlan, Kleinigkeiten wie zB. mein Deo-Stick, erfreuen nun wahrscheinlich einen Mitarbeiter der mexikanischen Administration, zumindest sind sie verschwunden, aber der Autopilot ist hat es geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Tadeja sich um Zoll und Gep\u00e4ck k\u00fcmmerte (das ganze ist \u00fcbrigens immer noch nicht abgeschlossen, weil sowohl Iberia als auch Areomexico verweisen auf die Verantwortung des jeweils anderen f\u00fcr die uns zustehende Ersatzleistung) mache ich die Kali Mera fit f\u00fcr die Werft und die Weiterreise.&nbsp; Alles scheint zu funktionieren, irgend eine Kleinigkeit ist sonst immer defekt, aber diesmal sind alle checks auf Anhieb erfolgreich.&nbsp; Alle? Nein, fast alle. &nbsp;Unser Volvo Dieselmotor macht nur \u201eKlacks\u201c und sonst nix. Festgefressen. Um es vorwegzunehmen, &#8211; der Motor ist in die ewigen Jagdgr\u00fcnde eingegangen und wir entscheiden uns gegen einen Reparaturversuch, der Murl ist 31 Jahre alt und es droht ihm ein Multiorganversagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber jetzt haben wir Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck \u2013 es gibt erstaunlicherweise die M\u00f6glichkeit, einen passenden Ersatzmotor (einen Beta 60) aus England zu bestellen, das ist keinesfalls selbstverst\u00e4ndlich. Der Import von Waren nach Mexiko ist ein Abenteuer, durch die politische Situation in den USA wurde es sogar noch schwieriger. Viele Firmen weigern sich nach Mexiko zu liefern da die Versicherungen oft nicht mitspielen und in den H\u00e4fen die wertvolle Fracht schon vom Kartell kassiert wird. Wir beauftragen dennoch das Teil (mindestens drei Monate Lieferzeit) und beschlie\u00dfen unsere Flucht aus Mexiko mit der KALI MERA auf den November zu verschieben, unseren Urlaub abzubrechen und wieder in die Heimat zur\u00fcckzufliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Tadeja mit den Hotlines plaudert nutze ich die Zeit f\u00fcr diverse Arbeiten am Boot, die ich schon lange aufgeschoben habe weil ich sie nicht machen wollte. Ausbau des v\u00f6llig verrosteten Rohrs in den Ankerkasten durch das die Kette l\u00e4uft (Hawse Pipe) und Einbau eines sch\u00f6ne Alu-Rohres, Abschleifen und acht mal lackieren der T\u00fcr beim Niedergang, Umbau der Lade-Elektrik, Vorbereitung f\u00fcr den Einbau des neuen Autopiloten. Auch der nagelneue K\u00fchlschrank wird eingebaut, ein wirklicher Meilenstein, seit neun Jahren haben wir unseren Original K\u00fchl-Methusalem irgendwie am Leben erhalten, ihn zuletzt sogar durch kleine R134a Dosen wiederbelebt, nun hat er endg\u00fcltig ausgedient. Unsere Faltr\u00e4der werden in der Fachwerkst\u00e4tte serviciert und die bei Amazon bestellten neuen hocheffizienten zwei-seitigen Solarpaneele bringt uns Bootsbetreuer und Freund Maca vorbei. Die hatten wir \u2013 damit sie auch sicher schon da sind wenn wir zum Boot kommen \u2013 bereits drei Monate fr\u00fcher bestellt und zu Maca liefern lassen. Naja, damit sich auch diese harmonisch in die Gesamtsituation einpassen sind sie beide besch\u00e4digt. Eines ist hinter der Verpackung v\u00f6llig zertr\u00fcmmert, das andere funktioniert trotz verbogenem Rahmen noch und wird eingebaut. Nat\u00fcrlich kommt f\u00fcr den Transportschaden nach drei Monaten niemand mehr auf. &nbsp;Auch Ruben, unseren Canvas Lieferanten, treffen wir, bei ihm haben wir im Sommer eine neue Bootsabdeckung und diverse andere Sachen bestellt und angezahlt, leider konnte er trotz vereinbartem Fixtermin Dezember 2025 nichts fertig machen, weil Sunbrella derzeit nichts nach Mexiko liefert\u2026 wie gut dass KALI MERA nun noch eine Zeit dort bleibt.&nbsp; Schlie\u00dflich und endlich demontiere ich dann noch den alten Volvo und auch den Fischer Panda Generator, der ja letzte Saison seinen letzten Kolbenschlag gemacht hat, damit diese beim n\u00e4chsten Besuch in der Werft nur vom Kran herausgehoben werden m\u00fcssen, und dann machen wir wieder alles dicht am Boot und reisen ab. Wieder einmal hat Signorina Kirke gewonnen, diesmal auf besonders heimt\u00fcckische und auch teure Art.&nbsp; Aber der n\u00e4chste Versuch kommt bald, und dann\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Unser gebuchter R\u00fcckflug startet allerdings von Panama mit Zwischenstops in Bogota und Madrid, und das erst am ersten Mai. Wir m\u00fcssen also umbuchen, damit hatten wir ja schon gerechnet und uns umbuchbare Tickets besorgt. Nach drei Wochen Pleiten und Pannen sind wir urlaubsreif und beschlie\u00dfen den R\u00fcckflug abzuk\u00fcrzen und vorher noch einen Abstecher nach Kolumbien zu machen um uns zu erholen. \u00dcber Kolumbien wird noch gesondert berichtet werden, aber so viel sei verraten: Das Umbuchen der Iberia Tickets kostet uns dort unsere restliche Nerven, mehrere Tage widmen wir eingehend diesem Thema, wir lernen zB. dass man dazu eine kolumbianische Kreditkarte ben\u00f6tigt, dass die Preise hochflexibel sind, die Aussagen der Support Mitarbeiter ebenso ausgesprochen situationselastisch und dass es bei Iberia eine Freibrief gibt, Nicht-Kolumbianer in Kolumbien abzuzocken\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2019 liegt unser Boot nun schon in Mexiko. Als kurze Zwischenstation f\u00fcr Reparaturen gedacht, hat sich Mazatlan als eine Art modernes AiAia entpuppt, die Insel der Kirke, auf der Odysseus ein ganzes Jahr verbringen musste. 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