{"id":3460,"date":"2023-05-25T20:01:00","date_gmt":"2023-05-25T19:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kali-mera.net\/?p=3460"},"modified":"2023-05-25T20:01:00","modified_gmt":"2023-05-25T19:01:00","slug":"es-laeuft-nicht-rund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kali-mera.net\/?p=3460","title":{"rendered":"Es l\u00e4uft nicht rund"},"content":{"rendered":"\n<p>Es l\u00e4uft nicht rund! \u201eEs\u201c ist unser Motor, Volvo MD22, eigentlich ein Perkins Prima M50, aber gr\u00fcn lackiert.\u00a0 Schon bei der Ankunft in der Bahia de los Muertos hat er uns im Stich gelassen &#8211; in der Nacht, als wir unter Maschine in die Bucht einlaufen und er beschlossen hat, sich ohne \u201eMotor-Aus-Kommando\u201c einfach abzuschalten. Er springt dann auch nicht wieder an, ein klarer Fall von Meuterei, das hatten wir noch nie! \u00a0Sofort lassen wir den Anker fallen, zwischen den anderen Booten, der Platz passt perfekt und wir fahren unser ruhigstes Ankerman\u00f6ver seit 15.000 Seemeilen, fast lautlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Nachtfahrten liegen hinter uns, ich habe fast nicht geschlafen und mich auf die Koje gefreut und dann das. Ein sofortiger Reparaturversuch wird gestartet, ich wei\u00df, dass ich nun sowieso nicht einschlafen kann. Es kann nur an der Treibstoffversorgung liegen, aber alles schaut ok aus. Ich tausche die Dieselfilter, entl\u00fcfte den Motor, versuche zu starten &#8211; aber im Gegensatz zu mir schl\u00e4ft der Motor tief und fest. Eventuell die Dieselpumpe? Da habe ich sogar eine in Reserve, ich baue sie ein, entl\u00fcfte und starte nochmals, aber weiterhin wird die stille \u201eBucht der Toten\u201c nicht von Motorl\u00e4rm gest\u00f6rt. Entnervt gebe ich noch einmal Vollgas, noch ein Startversuch \u2013 und er springt an. Er funktioniert! Unser Motor l\u00e4uft, er war nur m\u00fcde, jetzt ist er wach!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin sehr mit mir zufrieden, anscheinend wird noch ein echter Mechaniker aus mir, ich habe den Fehler gefunden, die Dieselpumpe getauscht, Nerven bewahrt, Gas gegeben und alles repariert. Adieu Bucht der Toten, weiter geht\u2019s zur\u00fcck ins Seglerleben!<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Wochen lang l\u00e4uft der \u201eMurl\u201c ohne irgendwelche Macken, er freut sich wohl \u00fcber die neue Dieselpumpe. Aber dann, wir wollen Anker auf gehen, der Motor springt sofort an \u2013 und geht dann wieder aus. Ich habe keine weitere Pumpe mehr  , also versuch ich es sofort mit Starten bei Vollgas \u2013 und er l\u00e4uft, als ob nichts gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Anscheinend werden sich in einer langen Beziehung nicht nur Hunde und Ihre Menschen immer \u00e4hnlicher, vielleicht ist es auch mit dem Boot so? Ich brauch Kaffee, er braucht Vollgas in der Fr\u00fch!<\/p>\n\n\n\n<p>Und weitere zwei Wochen verbringen wir, Tadeja, der Motor und ich, in gro\u00dfer Harmonie. Und wie bei jedem Segel-Urlaub kommt irgendwann der Tag, an dem die R\u00fcckreise beginnt. Motor starten, Anker auf, Segel setzen, heimw\u00e4rts geht\u2019s. Bei der Seel\u00f6wen-Kolonie machen wir einen kurzen Anker-Stop zum Schnorcheln mit den possierlichen Tieren, und zur\u00fcck an Board beginnt das alte Spiel von Neuem. &nbsp;Ich starte, der Motor schl\u00e4ft. Nicht einmal Vollgas kann ihn aufwecken, und diesmal ist es wirklich unangenehm, wir br\u00e4uchten den Motor dringend, noch ist ja ruhiges Wetter, aber bei der Abend-Brise wird der Ankerplatz unhaltbar werden, wir liegen dann auf Legerwall. &nbsp;Wir m\u00fcssen also hier weg, gehen unter Segel Anker-Auf und kreuzen uns bei zwei Knoten Wind von den Riffen frei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann beratschlagen wir wohin es nun weiter gehen soll, wir checken den Wetterbericht und entscheiden dann nach La Paz zu segeln, auch wenn die Bedingungen dazu alles andere als g\u00fcnstig sind. Aber in La Paz gibt es Rob, einen Mechaniker mit gutem Ruf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wetterbericht stimmt, zuerst haben wir f\u00fcr einige Stunden 2-5 Knoten achterlichen Wind, aber mit dem riesigen Parasailor rauschen wir mit beeindruckenden 1-3 Knoten Fahrt La Paz entgegen. Dann h\u00f6rt der Wind v\u00f6llig auf und wir treiben mit beinahe der gleichen Geschwindigkeit wieder dorthin von wo wir hergekommen sind, bis der \u201erichtige Wind\u201c losgeht, halt von der falschen Richtung. Mit Einsetzen der Dunkelheit kommt eine steife Brise auf und wir kreuzen bei viel Wind die ganze Nacht Richtung La Paz, laufen teilweise mit Rumpfgeschwindigkeit, wieder einmal gibt es keinen Schlaf. Bei Sonnenaufgang kommen wir an, den ausgebaggerten Kanal zur Stadt k\u00f6nnen wir ohne Motor nicht benutzen, also ankern wir weit drau\u00dfen, bei den Superyachten, ein einsames kleines Segelboot zwischen den schwimmenden Villen der Milliard\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kontaktieren Rob, Rob hat aber aktuell keine Zeit. Und dann machen wir das, wof\u00fcr ich mir seitdem schon 17-mal versucht habe, in den Hintern zu bei\u00dfen.&nbsp; Wir kontaktieren einen anderen Mechaniker und dieser hat sofort Zeit f\u00fcr uns (alleine das h\u00e4tte uns schon stutzig machen sollen). Ich hole den Meisterschrauber und seinen Adlatus mit dem Dingi von der Luxus-Marina ab, kaum ist er am Boot verschwindet er im Motorraum und beginnt mit der Analyse. Diese besteht haupts\u00e4chlich darin, dass er alles aufschraubt was er in die Finger kriegt, der Diesel spritzt gleich so aus allen Leitungen, zwischendurch bekomme ich immer wieder Kommandos, den Motor zu starten. L\u00e4nger starten, noch l\u00e4nger draufbleiben! Alles in mir str\u00e4ubt sich, am liebsten w\u00fcrde ich ihn zur\u00fcckbeamen zur Marina, aber er ist immerhin Mechaniker, und ich kann nur Dieselpumpen tauschen. Bis es pl\u00f6tzlich eine kleine Explosion gibt und der Motorraum voller Rauch ist, und dann geht gar nichts mehr. Er hat es doch tats\u00e4chlich geschafft, den Motor trotz abgesperrten Seeventil mit Salzwasser zu fluten und einen Wasserschlag zu verursachen! Meine \u201eDiesel-Motoren-Ratgeber-B\u00fccher\u201c an Board sind alle der gleichen Meinung, dass das so ziemlich das Schlimmste ist, was man einem Motor antun kann. &nbsp;Meine Verzweiflung w\u00e4chst, quasi im Gleichschritt mit den spanischen Fl\u00fcchen aus dem Motorraum, die immer h\u00e4ufiger und wohl auch deftiger werden. Jede Schraube scheint nun ihren eigenen stillen Widerstand zu leisten. Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt, er baut die Injektoren aus, entfernt das Wasser aus dem Motor &#8211; immerhin spritzt sie ihm dabei zweimal ordentlich ins Gesicht, die grauslige Br\u00fche! Sein Sklave muss diese kosten und sagt dann fast genie\u00dferhaft \u201eSalzwasser\u201c (h\u00e4tte er noch \u201eJahrgang 2023\u201c dazu gesagt dann h\u00e4tte ich ihn wahrscheinlich mitsamt seinem Chef \u00fcber Board geworfen). Dann wird alles husch-pfusch zusammengebaut (nicht einmal alle Beilagscheiben waren mehr auffindbar in dem Durcheinander, das sie verursacht haben), und schlie\u00dflich und endlich wird meine anf\u00e4ngliche Vermutung best\u00e4tigt: Die Einspritzpumpe arbeitet nicht richtig. Das h\u00e4tten wir auch ohne das restliche desastr\u00f6se Werk feststellen k\u00f6nnen! Ich bin nur noch froh die beiden m\u00f6glichst schnell vom Boot weg zu haben, zahle sogar ohne Murren, Hauptsache ich sehe sie nie wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischenzeitlich hat sich Rob gemeldet, dem ich die Trag\u00f6die per WhatsApp geschildert habe. Er wird sich das ansehen. Als erste Hilfe Ma\u00dfnahme gibt er uns einen Reinigungs-Spray, den wir in die Zylinder spritzen sollen, um Korrosion und weitere Sch\u00e4den nach M\u00f6glichkeit zu vermeiden. Heute war Rob dann bei uns am Boot, hat mit wenigen Tests festgestellt, dass die Einspritzpumpe nicht richtig arbeitet, hat diese mit den Injektoren ausgebaut und alles zum Reparieren\/Servicieren zum Spezialisten gebracht. Ohne Feuerwerk und Wet-Diesel-T-Shirt-Party, ganz unspektakul\u00e4r. Was sonst noch alles kaputt gemacht wurde, wissen wir noch nicht. Rob ist nett und kompetent, er findet eine Balance zwischen Realit\u00e4t und Hoffnung und sagt, dass der Motor eventuell wieder wird, wir werden sehen. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck.&nbsp; Wie lange es dauert, wissen wir nicht, aber unseren R\u00fcckflug nach \u00d6sterreich haben wir schon verschoben, da brauchen wir wenigstens auch nicht nerv\u00f6s werden, wenn wir lesen, dass derzeit wegen dem Ausbruch des Popocatepetls in Mexiko-City der Flughafen gesperrt ist\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>PS: Tadeja hat bei diesem Blogbeitrag gnadenlose Qualit\u00e4tssicherung gemacht, im ersten Feedback sind die Worte \u201est\u00fcmperhaft\u201c und \u201eKleinkindergeschreibsel\u201c vorgekommen. Die Frustrationsschwelle scheint ein klein wenig gesunken zu sein. Der Beitrag wird daher ohne weitere Kontrolle ver\u00f6ffentlicht\ud83d\ude0a.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Volvo-kaputt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Volvo-kaputt-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3462\" srcset=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Volvo-kaputt-576x1024.jpg 576w, https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Volvo-kaputt-169x300.jpg 169w, https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Volvo-kaputt.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es l\u00e4uft nicht rund! \u201eEs\u201c ist unser Motor, Volvo MD22, eigentlich ein Perkins Prima M50, aber gr\u00fcn lackiert.\u00a0 Schon bei der Ankunft in der Bahia de los Muertos hat er uns im Stich gelassen &#8211; in der Nacht, als wir unter Maschine in die Bucht einlaufen und er beschlossen hat, sich ohne \u201eMotor-Aus-Kommando\u201c einfach abzuschalten. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/kali-mera.net\/?p=3460\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEs l\u00e4uft nicht rund\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p5B0Dx-TO","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3460"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3463,"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3460\/revisions\/3463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kali-mera.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}