{"id":2626,"date":"2019-04-02T02:29:52","date_gmt":"2019-04-02T01:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/kali-mera.net\/?p=2626"},"modified":"2019-04-02T03:51:17","modified_gmt":"2019-04-02T02:51:17","slug":"von-costa-rica-nach-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kali-mera.net\/?p=2626","title":{"rendered":"von Costa Rica nach Mexiko"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz im Norden von Costa Rica, in der gro\u00dfen Bucht Santa Elena, die sich tief ins Land hinein ausdehnt, da liegen wir vor Anker und warten. Warten, bis die Papagayos, die uns hier erwischt haben, wieder verschwinden. Die Papagayos \u2013 das ist nicht etwas das man morgens mit Joghurt zum Fr\u00fchst\u00fcck verspeist um eine Unterlage f\u00fcr den Kaffee zu erhalten, es sind auch keine tropischen Fische und auch nicht die kreischenden bunten V\u00f6gel, die in den B\u00e4umen \u00fcber uns hocken und einen mordsm\u00e4\u00dfigen L\u00e4rm machen, nein, die Papagayos sind ein Wetterph\u00e4nomen, dem die Segler der mittelamerikanischen Pazifik-K\u00fcste mit enormen Respekt begegnen. Heimt\u00fcckische Fallwinde sind es, wenn der Passat in der Westkaribik in Mittelamerika an Land trifft und nicht mehr genau wei\u00df wo er weiter hinsoll, dann sucht er sich, v\u00f6llig ver\u00e4rgert wegen dem pl\u00f6tzlichen Widerstand, seinen Weg durch die hohen Berge Costa Ricas und&nbsp; Nicaraguas. Kaum hat er dann die Schneise gefunden, durch die er sich zum Pazifik durchzw\u00e4ngen kann, l\u00e4sst er seine Wut an den paar Ungl\u00fccklichen aus, die hier unbedingt mit dem Boot herumfahren m\u00fcssen.&nbsp; Und hier in Santa Helena sitzen wir nun und warten, dass die m\u00f6rderischen B\u00f6en aufh\u00f6ren und wir wieder weiter nach Norden aufbrechen k\u00f6nnen.&nbsp; Vor einem Tag haben wir Playa del Coco noch fr\u00fchmorgens bei einem lauen L\u00fcfterl verlassen (ist doch nur alles aufgeregtes Gerede das mit den Papagayos\u2026), doch mitten im Golf hat uns der Wind dann unbarmherzig zur Rede gestellt, vor dem Cabo Santa Elena (Segelguide: \u201edo not try to pass Cabo St. Elena when Papagayos are blowing  ,\u2026\u201c) m\u00fcssen wir ein wenig Rast machen (es gibt da mit \u201eWest-Point\u201c eine kleine Stelle an der man relativ ruhig ankern kann um den Sturm auszusitzen), dann geht es um das Kap und direkt gegen den Wind unter Maschine die 12 Meilen in die Bucht, in der wir dann festsitzen. Die B\u00f6en haben bis zu 40 Knoten, Tendenz steigend, aber ohne Wellen in der malerischen Bucht vor Anker zu liegen ist gar nicht so schlimm, was man von der Umrundung des Kaps nicht behaupten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Wohlbefinden w\u00e4hrend der Fahrt hat nicht beigetragen, dass ich regelm\u00e4\u00dfig in den Motorraum turnen darf, Filter pr\u00fcfen, hin und wieder etwas Wasser ablassen (aus dem Wasserabscheider, nicht aus mir) damit ich nicht st\u00e4ndig daran denken muss, dass genau jetzt der Motor ausfallen wird, ers\u00e4uft durch Wasser im Diesel und wir dann, wenn es uns Monate sp\u00e4ter stark abgemagert an die japanische K\u00fcste treibt, ein dortiges Fabrikat neu einbauen m\u00fcssen. Wer will denn schon einen nagelneuen Yanmar. Aber alles war ok, trotz der Bockspr\u00fcnge, die unsere Kali Mera macht, bleibt der Diesel bis nach Santa Elena fast wasser-frei, nur schmutzig ist er weiterhin, eine komplette Tankreinigung ist unausweichlich. Wir planen das in der Marina Chiapas, unserem Einklarierungshafen in Mexiko, machen zu lassen. Dass Herr Amel in den Edelstahl-Tank keine Wartungsluke eingebaut hat, durch die man das Zeugs komfortabel entfernen kann, ist mir v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, erst bei sp\u00e4teren Baujahren des Schwesternschiffes \u201eSuper Maramu\u201c wurde dieser Bug behoben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir f\u00fchlen uns sehr wohl mit der Entscheidung die\nPazifik-Querung etwas aufzuschieben und vorher noch Mexiko zu besuchen,\nmanchmal \u2013 so scheint es \u2013 muss wohl das Schicksal etwas mithelfen und uns den\nrichtigen Weg weisen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach zwei Tagen gaukelt uns dann der Wetterbericht (der l\u00fcgnerische Halunke) ein Wetterfenster vor, die Papagayos sollen schw\u00e4cher werden und g\u00fcnstige Winde f\u00fcr die Reise nach Norden sollen sich einstellen, sobald uns der Wind vorbeigelassen hat will er wieder zur\u00fcckkommen. Wir z\u00f6gern nicht lange und brechen auf, und kommen damit wohl in die schwierigste Etappe unserer bisherigen Reise seit der T\u00fcrkei. Das erste St\u00fcck wird es wirklich ruhiger, aber dann, gegen Abend, dann geht es wieder richtig rund.&nbsp;&nbsp; Der Ankerplatz, den wir uns zum Abwettern ausgesucht haben, ist zu seicht, wir m\u00fcssen weiter und Kurs auf den Hafen von San Juan del Sur nehmen. Kaum haben wir die Grenze zu Nicaragua \u00fcberquert, werden wir auch schon von der K\u00fcstenwache gestoppt, sie gehen trotz schlechter Bedingungen und Dunkelheit l\u00e4ngsseits, kommen schwerbewaffnet an Board und m\u00fcssen uns unbedingt kontrollieren. Die ganze unheimliche Aktion dauert Gottseidank nicht lange, sie sind genauso froh wieder von Board zu sein wie wir, nachdem der sonst so beherrschte Skipper der KALI MERA einen Wutausbruch bekommen hat und Ihnen in aller Deutlichkeit seine Unzufriedenheit dar\u00fcber zum Ausdruck gebracht hat, dass sie sich nicht die Zeit genommen haben 15 Sekunden zu warten bis die sch\u00fctzenden Fender montiert sind. Nein, Rumms, dran an die&nbsp; Boardwand, knirschendes Material, br\u00fcllender Skipper, erschrockene Soldaten! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem Ereignis laufen wir illegal in den Hafen von San\nJuan ein, wir brauchen etwas Ruhe. Sturmb\u00f6en, stockdunkle Nacht, keine Sicht\nund ein Hafen voller unbeleuchteter Boote, Bojen und anderer Hindernisse.\nIrgendwann liegen wir dann vor Anker, die Nacht erfordert eine Ankerwache, nix\nist mit erholsam. Beim ersten Morgengrauen fl\u00fcchten wir, Anker auf und weg.\nOder doch nicht?&nbsp; Eher: Anker auf und\nfesth\u00e4ngen!&nbsp; Wir haben eine armdicke alte\nMuringleine mit einem LKW Reifen gefangen, alles h\u00e4ngt brav an unserem Anker,\nso sicher sind wir schon kann lange nicht mehr gelegen. Irgendwie kommen wir\ndann frei, nichts wie weg, weiter geht\u2019s. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wind legt st\u00e4ndig zu, unbarmherzig dr\u00fccken uns die B\u00f6en\naufs Wasser, es hat zwischenzeitlich schon durchgehend 35 Knoten Wind, die B\u00f6en\ngehen deutlich \u00fcber 40 hinauf, und sie kommen so pl\u00f6tzlich, dass wir fast nicht\ndarauf reagieren k\u00f6nnen. Unser Segel ist nicht mehr viel gr\u00f6\u00dfer als eine\nServiette und dennoch rauschen wir mit Rumpfgeschwindigkeit nach Nordwesten,\ndie Gischt rei\u00dft vom Wasser ab und die See kocht. Den ganzen Tag haben wir\nGale-Conditions, die KALI MERA benimmt sich gro\u00dfartig, aber uns merkt man die\nBelastung an. Wir entscheiden, die Nacht nicht durchzusegeln und finden\nwirklich einen Platz, an dem wir relativ gut ankern k\u00f6nnen, wir wollen uns\nerholen. Fr\u00fchmorgens geht es weiter, der Wind bleibt stark, aber je weiter wir\nin den Norden von Nicaragua kommen, desto angenehmer wird der Windwinkel und\numso ruhiger das Segeln. Drei Nachtfahrten liegen nun vor uns, an Schlaf ist\nwenig zu denken. Der Wind wechselt st\u00e4ndig Richtung und St\u00e4rke, die See ist\naufgew\u00fchlt, konfus, es gibt hohe Kreuzwellen und die KALI MERA wird zum\nCocktail-Shaker und wir werden so richtig gut durchgemischt, bis wir m\u00fcrbe sind.&nbsp; Lange Schwachwindphasen zwingen uns den Motor\nzu verwenden, und alle zwei Stunden m\u00fcssen die Filter entw\u00e4ssert werden, der\nTankinhalt wird durch die Luftspr\u00fcnge unseres Schiffes so aufgewirbelt, dass\nder ganze Bodensatz in die Filter wandert. Als es einfach nicht mehr anders\ngeht, f\u00fcllen wir (nat\u00fcrlich in der Nacht) unsere Reservekanister in den Tank\num, damit das Mischungsverh\u00e4ltnis besser wird. Die Aktion war erfolgreich, wir\nkommen mit laufendem Motor und v\u00f6llig erledigt in der Marina Chiapas in Mexiko\nan. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier werden wir nun ein paar Tage bleiben, die Marina ist\nangenehm, ruhig, \u00fcberaus freundliche und hilfsbereite Menschen. Das\nEinklarieren nimmt einen ganzen Tag in Anspruch, kaum sind wir am Steg kommt\nschon das Milit\u00e4r mit Drogensp\u00fcrhund an Board, der Marina-Manager Rolf f\u00e4hrt\nuns mit seinem Pickup zu ca. 100 verschiedenen Beh\u00f6rden, dann geht es noch mit\ndem Taxifahrer Louis an die Grenze zu Guatemala, nur dort bekommen wir n\u00e4mlich\ndie \u201eErlaubnis f\u00fcr einen tempor\u00e4ren Fahrzeug-Import\u201c (die KALI MERA), und\nschlie\u00dflich und endlich sind wir offiziell eingereist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tags darauf wird dann schon der Tank gereinigt, wir pumpen\n120 Liter tr\u00fcb-braunen Diesel heraus, dann sauge ich mit der Vakuumpumpe, die\nich zum \u00d6lwechsel verwende, noch fast zwei Liter \u201eKaffee\u201c aus dem Tank, alle\nFilter werden gereinigt und getauscht und wir sollten nun den \u201eMurl\u201c wieder\nverwendet k\u00f6nnen. Einen ganzen Tag dauert die Aktion, am Abend falle ich\ntodm\u00fcde in die Koje. Tadeja putzt das Boot, wir k\u00f6nnten Werbung f\u00fcr die Salinen\nAustria machen, \u00fcberall gibt es dicke Salzschichten. Aber wir haben ja nun\neinen S\u00fc\u00dfwasser-Anschluss und einen Schlauch, welch Luxus. Sogar Landstrom\nhaben wir hier, wir haben das Boot extra verlegt um einen der wenigen Pl\u00e4tze zu\nbekommen, an dem es 230 Volt Anschl\u00fcsse gibt, hier ist alles f\u00fcr die\namerikanischen 115 Volt ausgelegt. Es passt zwar keiner unserer Stecker,\nAdapter gibt es in Mexiko keine, aber ich bekommen die Sondererlaubnis die\nStroms\u00e4ule einfach aufzuschrauben und mir den Strom direkt dort abzuzapfen, wo\nich das f\u00fcr richtig halte. Es funktioniert, ein paar Kabel hier, ein paar\nKlemmen dort und die Marina Chiapas hat nun \u2013 zumindest tempor\u00e4r \u2013 einen\nLiegeplatz mit europ\u00e4ischem Stromanschluss\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Tage brauchen wir hier noch um alles f\u00fcr die Weiterreise zu organisieren, einen Liegeplatz f\u00fcr die Hurrican-Saison zu organisieren, und dann wollen wir auf dem Landweg von hier aus Guatemala besichtigen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">,mDie Fahrt hierher, &#8211; so anstrengend sie auch war-, hatte aber auch wundersch\u00f6ne Momente: Sonnenunterg\u00e4nge, bei denen man vor Sch\u00f6nheit schwerm\u00fctig werden k\u00f6nnte, Sonnenaufg\u00e4nge, bei denen das Herz vor Freude h\u00fcpft, wir segeln wenige Meter an zwei riesigen Buckelwalen vorbei, Delphine begleiten uns beinahe die ganze Strecke, Tag und Nacht spielen Sie mit dem Schiff, machen Luftspr\u00fcnge und haben anscheinend ihre Freude mit uns. Wir sehen sie auch auf der Jagd, Thunfische springen hoch aus dem Wasser und Delphine hinterher, gro\u00dfartige Anblicke. Gro\u00dfe Schildkr\u00f6ten paddeln an uns vorbei, Rochen machen ihre Saltos und einmal macht eine Fledermaus Rast in unserem Cockpit, sie h\u00e4ngt sich direkt neben uns unter die Bimini, putzt sich gr\u00fcndlich und flattert dann nach einiger Zeit wieder davon. T\u00f6lpel machen auf dem Bugkorb Pause und spielen \u201eReise nach Rom\u201c, und Fregattv\u00f6gel streiten sich darum, wer auf der Spitze vom Besan-Mast sitzen darf . Hier in der Marina gibt es auch noch andere gefl\u00fcgelte Viecher, n\u00e4mlich echte Culicidae, aber auf die k\u00f6nnten wir ruhig verzichten ? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz im Norden von Costa Rica, in der gro\u00dfen Bucht Santa Elena, die sich tief ins Land hinein ausdehnt, da liegen wir vor Anker und warten. Warten, bis die Papagayos, die uns hier erwischt haben, wieder verschwinden. 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