{"id":1806,"date":"2017-03-20T13:32:58","date_gmt":"2017-03-20T12:32:58","guid":{"rendered":"http:\/\/kali-mera.net\/?p=1806"},"modified":"2017-03-20T13:32:58","modified_gmt":"2017-03-20T12:32:58","slug":"mona-passage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kali-mera.net\/?p=1806","title":{"rendered":"Mona Passage"},"content":{"rendered":"<p>Wir genie\u00dfen noch die au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6nen Ankerpl\u00e4tze an der S\u00fcdk\u00fcste Puerto Ricos, zauberhafte ruhige Winkel hinter riesigen Riffen, zwischen den Mangroven in seichtem t\u00fcrkisblauen Wasser. Eine n\u00e4chtliche Expedition f\u00fchrt uns mit dem Dinghi bei schwarzer Dunkelheit in die Bahia Fosforescente. Myriaden an leuchtenden Einzellern wohnen dort und schalten ihre kleinen Positionslichter ein, als wir durch die engen Mangrovenarme paddeln. Tadeja wagt sich ins Wasser und schwimmt, von einer leuchtenden Aura umgeben, durch die magische Nacht.\u00a0 Hier w\u00fcrden wir gerne noch einige Zeit bleiben, Puerto Rico hat uns in seinen Bann gezogen, aber wir bekommen G\u00e4ste in der Dominikanischen Republik und m\u00fcssen weiter.<\/p>\n<p>Zwischen den beiden gro\u00dfen Inseln Puerto Rico und Hispaniola (Dom Rep und Haiti) liegt eine 80 Seemeilen breite Meerenge, die Mona Passage. In der Mitte befindet sich die Insel Mona, ein schachtelf\u00f6rmiges flaches Eiland, auch Galapagos der Karibik genannt. Und rundherum pflegt hier das Wetter und das Meer verr\u00fcckt zu spielen, starke Str\u00f6mungen aus allen Richtungen, schwere B\u00f6en und hoher Seegang. Der Passat sucht sich hier seinen Weg zwischen den beiden Landmassen, der Seegang kommt von Norden und S\u00fcden in die Passage, und die hohen Berge Puerto Ricos sorgen f\u00fcr die zus\u00e4tzliche W\u00fcrze durch die Fallwinde.\u00a0 Wir drehen und wenden den Wetterbericht, aber es gibt anscheinend keinen Tag, der f\u00fcr uns wirklich gut passt, der sowieso schon kr\u00e4ftige Passat wird noch einmal kurz zulegen und dann soll es pl\u00f6tzlich f\u00fcr einige Tage schwachwindig werden. Die ersten Meilen wird der Wind durch die Abdeckung Puerto Ricos sowieso nicht \u00fcber 12 Knoten gehen, f\u00fcr uns zu wenig wenn er achterlich kommt, daf\u00fcr aber weiter drau\u00dfen in der Nacht und am n\u00e4chsten Tag kr\u00e4ftig zulegen. Wir entscheiden uns also noch am sp\u00e4ten Abend abzulegen, um 2200 gehen wir Anker auf und motoren in die schwarze Nacht. Der Wind weht nach Plan, aber dem Seegang ist das v\u00f6llig egal, kaum sind wir aus der Abdeckung der Bucht, bauen sich Wellenberge auf, aus allen Richtungen st\u00fcrzen sie auf uns ein und spielen mit der kleinen KALI MERA Fu\u00dfball.\u00a0 Wellenmannschaft S\u00fcd versucht sie m\u00f6glichst weit in den Norden hinaufzutreiben, Wellenmannschaft Nord gibt ihr &#8211; wo sie sie nur erwischen kann &#8211; einen Tritt nach S\u00fcden und zu allem \u00dcberfluss kommen dann auch noch Mitspieler von Osten aufs Spielfeld, um ihr ein Bein zu stellen, wenn sie einmal wieder in Fahrt kommt. Wir werden durchgesch\u00fcttelt, Tadeja zieht in die Lotsenkoje im Salon und ich polstere mir den Cockpit-Boden aus und verklemme mich dort.\u00a0 Im Schiff ist alles bestens gesichert, dennoch kracht und scheppert es in den Schapps und dummerweise auch im K\u00fchlschrank, dieser kocht sich sogar selbstst\u00e4ndig Eintopf aus seinen Innereien. Beim Aufputzen der Sauerei mitten in der Hochschaubahn ist dann mein seeganggewohnter Magen beleidigt. Als nach Mitternacht der Wind auf 25 Knoten zunimmt, wird zwar der Seegang noch ungem\u00fctlicher, aber die KALI MERA stabilisiert sich ohne Motor mit der gro\u00dfen Genua. Bei hohen Wellen und achterlichem Wind brauchen wir einfach ausreichend Vortrieb, damit das Segel nicht einklappt und sich mit einem lauten Schnalzen wieder entfaltet, wenn uns eine Welle stark seitlich ablenkt. Um dieses Schlagen zu vermeiden (da zieht es mich n\u00e4mlich jedesmal so richtig zusammen, als ob ich selbst eine Ohrfeige bekommen h\u00e4tte) kreuzen wir dann meistens auf raumen Kurs vor dem Wind, das ist zwar etwas weiter, schont aber das Schiff und uns.<\/p>\n<p>Diese Nacht bekommen wir so gut wie keinen Schlaf, manchmal d\u00f6sen wir in der Pause zwischen zwei Waschprogrammen kurz ein, aber sp\u00e4testens beim Schleudergang sind wir wieder voll da. Am n\u00e4chsten Tag rauscht die Angel aus, ein riesiger Mahi Mahi ist am Haken  , ein wundersch\u00f6ner leuchtend goldschimmernder Fisch, gut 20 Minuten k\u00e4mpfe ich um ihn ans Schiff zu bringen, als er dann endlich nur noch einige Meter entfernt ist macht er noch einen gro\u00dfen Sprung, rei\u00dft den Haken aus und ist wieder in Freiheit (und in meinem Kopf klappt sich das Kochbuch wieder zu, aber am Tag darauf h\u00fcpft und ein sch\u00f6ner Thun ins Boot und alles ist wieder ok).\u00a0 Als wir uns dann gegen Mittag der S\u00fcd-Ost-Spitze der DR n\u00e4hern wird der Wellengang homogener, die Kreuzwelle ist vorbei und es ist noch ein sehr entspannter Segelnachmittag, nach dem Kap bei der Insel Saona kommen wir sogar ins ruhige Wasser und sausen auf halbem Wind mit \u00fcber neun Knoten dahin. Die KALI MERA scheint sich \u00fcber diesen Abschlussgalopp richtig zu freuen und gibt noch einmal richtig Gas, das \u00c4chzen, Krachen, St\u00f6hnen und Schlagen ist verschwunden, ruhig zischen wir mit guter Kr\u00e4ngung durchs Wasser und lassen einen langen, in der Abendsonne glitzernden, Gischtstreifen hinter uns, ein Hochgenuss. Dann f\u00e4llt der Anker vor der Palmenk\u00fcste Saonas in der Dominikanischen Republik und wir holen den vers\u00e4umten Schlaf nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 525px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1806-1\" width=\"525\" height=\"295\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Insel-Saona-Flachwasser.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Insel-Saona-Flachwasser.mp4\">https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Insel-Saona-Flachwasser.mp4<\/a><\/video><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir genie\u00dfen noch die au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6nen Ankerpl\u00e4tze an der S\u00fcdk\u00fcste Puerto Ricos, zauberhafte ruhige Winkel hinter riesigen Riffen, zwischen den Mangroven in seichtem t\u00fcrkisblauen Wasser. 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