{"id":1604,"date":"2017-01-19T22:12:34","date_gmt":"2017-01-19T21:12:34","guid":{"rendered":"http:\/\/kali-mera.net\/?p=1604"},"modified":"2017-01-20T18:13:31","modified_gmt":"2017-01-20T17:13:31","slug":"regatta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kali-mera.net\/?p=1604","title":{"rendered":"Regatta"},"content":{"rendered":"<p>Beim sonnt\u00e4glich-abendlichen Grillfest in der Prince Rupert Bay plaudern wir \u00fcber den am n\u00e4chsten Tag geplanten Aufbruch nach Guadeloupe, und da f\u00e4llt pl\u00f6tzlich das Zauberwort \u201eRegatta\u201c, die WHY KNOT IV k\u00fcndigt an, dass sie mit uns (KALI MERA und ME) um die Wette segeln wollen.<\/p>\n<p>Jetzt ist es ja so, dass viele Fahrtensegler gar keine Regattaambitionen haben, es geht uns um materialschonendes, sicheres und wohl auch bequemes Segeln, nicht um eine Jagd nach Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit auf einer Fahrtenjacht ist so ein ganz spezielles Thema. Hochinteressant ist es, dass fast jeder Fahrtensegler, wenn er ganz alleine auf hoher See unterwegs ist, absolute Traumrekorde aufstellt. Es d\u00fcrfte ein Naturgesetz sein, dass die nat\u00fcrliche Obergrenze der Geschwindigkeit einer Yacht, &#8211; die sogenannte Rumpfgeschwindigkeit -, regelm\u00e4\u00dfig deutlich \u00fcberschritten wird wenn das Schiff sich nicht beobachtet f\u00fchlt. Statt der \u00fcblichen 6-8 Knoten zischt man dann pl\u00f6tzlich mit \u00fcber 10 Knoten durch das Wasser, gem\u00fctliche Fahrtenkatamarane beschleunigen dann sogar in Gleitfahrt auf angstmachende 20 Knoten (Flugzeuge w\u00fcrden hier schon mehrfache Schallgeschwindigkeit erreichen), aber kaum segelt man in Sichtweite von Bekannten so wird die Geschwindigkeit aus R\u00fccksicht gedrosselt. R\u00fccksicht &#8211;\u00a0 auf das Schiff damit es nicht \u00fcberbelastet wird, auf die anderen Segler, um Ihnen nicht die Vorfahrt zu nehmen, oder auch auf die Fische, damit man diese nicht versehentlich \u00fcberf\u00e4hrt. Man f\u00e4hrt sozusagen immer nur in den ersten drei G\u00e4ngen damit alles \u00fcberschaubar bliebt, oder mit \u201enur angelehntem Gasfu\u00df\u201c im \u201eOverdrive\u201c, um ruhig und schonend dahinzugleiten.<\/p>\n<p>Auf die \u201ein Sichtweite\u201c erreichbare Geschwindigkeit angesprochen wird in der Regel klargemacht, dass es ums sicher Ankommen geht, ums Genie\u00dfen, und auch darum, endlich die ersehnte und notwendige Langsamkeit ins Leben einsickern zu lassen. \u00a0Hatten zwei Yachten f\u00fcr eine \u00dcberfahrt zwischen zwei Inseln eine \u00e4hnliche Zeit gebraucht, dann war es im Gespr\u00e4ch danach oft eine zwar schnelle Fahrt, aber halt nat\u00fcrlich nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schnell, weil man hat ja stark gerefft, Komfort und Sicherheit stand n\u00e4mlich im Vordergrund, Ankommen ist wichtig und nicht wer schneller segelt.<\/p>\n<p>Interessanterweise kommt diese Ruhe, Gelassenheit und umsichtige Art erst im Hafen oder am Ankerplatz so richtig ans Licht.\u00a0 Unterwegs war das noch ganz anders \u2013 sobald ein anderes Segelschiff mit \u00e4hnlichem Kurs in Reichweite kommt, da zwingen alte Verhaltensmuster, die wohl noch aus einer Zeit stammen, als Freibeuter und Handelsschiffe eine ganz besondere Liebe f\u00fcreinander auf den Weltmeeren ausleben konnten, den Skipper in einen Wettkampfmodus. Ein Segler mit demselben Kurs ist entweder eine Beute oder ein J\u00e4ger \u2013 sieht man eine Chance schneller zu sein, dann wird er blitzschnell in die Kategorie \u201eBeute\u201c eingereiht, erscheint der andere als ein wenig schneller (aber keinesfalls aussichtslos \u00fcberlegen) dann ist er der J\u00e4ger und wir sind die Gejagten. Kann man erkennen, dass es chancenlos ist weil man mit einem alten VW-Bus auf der Autobahn dahinzuckelt und ein Porsche im R\u00fcckspiegel auftaucht, dann wird der Porsche sofort disqualifiziert weil man nur gegen andere \u201eBullis\u201c antritt und der Blutdruck geht wieder auf Normal.<\/p>\n<p>Hat die Jagd erst begonnen dann wird pl\u00f6tzlich am Rigg herumgezogen, Holepunkte werden verstellt (auf der ganzen Atlantik-Querung hat man das Zeug nicht anr\u00fchren m\u00fcssen aber jetzt geht es um jeden Zentimeter), das lang verschollene Buch \u201eRegatta auf Fahrtenyachten\u201c ist pl\u00f6tzlich wieder da, hier wird dichter geholt, dort ein wenig gefiert, bei wenig Wind vielleicht (aus Sicherheitsgr\u00fcnden) die Maschine angeworfen (aber nur dann wenn der Auspuff auf der Seite ist, die vom anderen Schiff nicht gesehen werden kann). Auch wenn man mit besorgtem Blick auf Wind, See und Mast \u00fcblicherweise vorsichtig und fr\u00fchzeitig Segelfl\u00e4che verringert so wird es nun klar, dass man bei den l\u00e4ppischen 20 Knoten Wind noch ganz und gar nicht reffen braucht, das Schiff freut sich, wenn es etwas mehr Segel tragen darf, das Rigg muss das schon aushalten, h\u00e4tte sonst kein Rigg werden sollen. Die ganze Hektik hat ganz pl\u00f6tzlich ihr Ende, wenn man vom J\u00e4ger in Luv \u00fcberholt wird &#8211; wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt dann die Erkenntnis, dass es nun Zeit ist, Segel wegzunehmen, weil der Wind gerade zugenommen hat. Etwas unverantwortlich ist es eigentlich wie viel Segelfl\u00e4che auf dem Schiff gesetzt wurde, das da v\u00f6llig \u00fcberpowert vorbeigezogen ist, ist wohl ein Charterschiff (!!!), eh klar, denen ist das Material ja egal. Und dass so ein gro\u00dfes Schiff ja von der Bauform (nat\u00fcrlich, L\u00e4nge l\u00e4uft!) her viel schneller segelt wei\u00df jeder, interessant ist nur, warum die doch so lange gebraucht haben uns Cruisern nachzufahren, die h\u00e4tten ja l\u00e4ngst vorbeizischen m\u00fcssen. Au\u00dferdem wird in der Skipper-Todo-Liste gedanklich notiert dass das Unterwasserschiff gr\u00fcndlich inspiziert werden muss, es d\u00fcrfte doch Bewuchs drauf sein, h\u00e4tte man es eilig w\u00fcrde das sicher einen halben Knoten bringen, aber Gott Sei Dank sind wir ja Fahrtensegler und wollen es sicher und komfortabel haben.<\/p>\n<p>Konnten wir unsere Pole-Position verteidigen, oder den armen Tropf vor uns \u00fcberholen, dann sind wir stolz auf unser Schiff und unsere Leistung. War es sogar eine gr\u00f6\u00dfere Yacht als unser Renner dann f\u00fchlen wir tiefe Zufriedenheit, konnten wir eine kleine Yacht abh\u00e4ngen dann kommt uns in den Sinn, dass diese doch von der Bauform her viel wendiger sein m\u00fcsste als wir, schon bei Salamis hatten die gro\u00dfen Schiffe der Perser gegen die kleinen wendigen griechischen Gef\u00e4hrte keine Chance, &#8211; aber nicht so mit uns. Und wie wir vorbeigezischt sind, m\u00fchelos und schnell, K\u00f6nnen und Erfahrung macht sich halt bezahlt.<\/p>\n<p>Ganz anders ist die Situation nat\u00fcrlich wenn es eine Regatta gibt, ein ganz offizielles Wettfahren. Hier sind die Verh\u00e4ltnisse pl\u00f6tzlich klar, jeder kann offen zugeben, dass er gerne schnell w\u00e4re, danach dazu stehen, dass es einfach nicht schneller gegangen ist und dass man sich redlich bem\u00fcht hat. Die Geschwindigkeiten werden pl\u00f6tzlich ehrlich, die Windmesser zeigen pl\u00f6tzlich fast gleich an (ein anderes Mysterium \u2013 das hier nicht ersch\u00f6pfend behandelt werden kann &#8211; ist es, dass zwei Yachten, die die gleiche Strecke zum selben Zeitpunkt gesegelt sind, oft v\u00f6llig unterschiedliche Windst\u00e4rken hatten. Konnte eine Yacht mit 18-20 Knoten Wind und 2 Meter Welle die Strecke bew\u00e4ltigen musste die andere mit 30 -35 Knoten Wind und 3-4 Meter Welle k\u00e4mpfen. Bei solchen Wetterverh\u00e4ltnissen zeigt sich n\u00e4mlich das K\u00f6nnen des Kapit\u00e4ns besonders, weil er trotz der erschwerten Bedingungen die Strecke beinahe in der gleichen Zeit schaffen konnte).\u00a0 Segeln wird pl\u00f6tzlich zum freudig sportlichen Ereignis, jeder gibt das was er kann und seinem Schiff zutraut.<\/p>\n<p>Bei unserer kurzen Regatta ohne exakte Zeitmessung von Dominica nach Guadeloupe hatten wir folgendes Ergebnis: Start war f\u00fcr ungef\u00e4hr 09:30 vereinbart, WHY KNOT IV ist schon um 09:15 losgezischt, ME war p\u00fcnktlich auf der Startlinie und die KALI MERA ist um 09:45 Anker auf gegangen, weil eine Viertelstunde Versp\u00e4tung bei der KALI MERA Crew systemimmanent ist. ME hat als erste eine Boje bei \u201eThe Saintes\u201c ergattert und haushoch gewonnen, danach kam WHY KNOT IV und zum Schluss die KALI MERA, insgesamt wohl \u00e4hnlich schnell als die Nummer zwei.\u00a0 Wind zwischen 20 und 25 Knoten aus NE, in B\u00f6en etwas \u00fcber 30, Welle zwei bis dreieinhalb Meter, unsere Geschwindigkeit konstant zwischen sieben und acht Knoten, Spitzen bis neun Knoten, ein spritzig-schnelles, sch\u00f6nes und anstrengendes Segeln.<\/p>\n<p>Hochsee-Regatta-Segeln mit Freunden macht Freude!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 525px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1604-1\" width=\"525\" height=\"295\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/regatta-kurz.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/regatta-kurz.mp4\">https:\/\/kali-mera.net\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/regatta-kurz.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim sonnt\u00e4glich-abendlichen Grillfest in der Prince Rupert Bay plaudern wir \u00fcber den am n\u00e4chsten Tag geplanten Aufbruch nach Guadeloupe, und da f\u00e4llt pl\u00f6tzlich das Zauberwort \u201eRegatta\u201c, die WHY KNOT IV k\u00fcndigt an, dass sie mit uns (KALI MERA und ME) um die Wette segeln wollen. 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