Tobago Karneval

Wir haben unseren Aufenthalt auf Tobago etwas verlängert um noch den weltberühmten Karneval zu sehen. Schon seit Tagen ist das Großereignis das zentrale Thema: Die jungen Damen machen sich schön, neue Zöpfe werden geflochten (wir glauben es kaum – die wunderschönen dicken bunten Zöpfe der beeindruckenden Haarpracht bestehen hauptsächlich aus „Kunsthaaren“), die große Party vor und nach dem Umzug lässt die Augen bereits voller Vorfreude glänzen. Montags um vier Uhr morgens soll es schon losgehen, wir schaffen es zwar erst um sieben, aber dennoch sind wir mitten im Spektakel drinnen. Schon im Vorfeld hat man uns informiert dass hier „alles erlaubt sei“, man könne tun was man wolle und niemand würde es jemals erfahren, und wir verstehen bald warum: Spätestens zu Mittag, wenn die erste Party vorbei ist, sind die meisten Teilnehmer schon im Delirium und niemand kann sich auch nur im Ansatz daran erinnern kann, was vorgefallen ist – eine sehr einfache und wirkungsvolle Diskretion. Auf mit starken Generatoren bestückten Lastwägen sind ganze Lautsprecher-Wände aufgebaut, so wie für ein mittleres Rolling-Stones-Konzert, jedes einzelne dieser teuflischen Gefährte sorgt für zwei-stellige Hörgeräte Umsatzzuwächse von Trinidad bis Grenada, eine unglaubliche Beschallung mit Karibik-Rhythmen, die wummernden Bässe blasen uns beinahe die Flip-Flops von den Füssen. Die Trucks fahren langsam die Hauptstraße auf- und ab, und davor, dahinter, darüber und hoffentlich nicht darunter bewegt sich das stampfende und tanzende Rudel der Partytiger, jeder ausgestattet mit einer Flasche Rum, begeisterte Akteure in ausgelassenen afrikanischen Kopulationstänzen, ein orgiastisches Spektakel. Nach einigen Stunden Regenerationsphase, die den Helden des Rums und deren Trommelfellen gegönnt wird, geht es dann am Abend mit dem Umzug weiter.

In beeindruckenden farbenfrohen Kostümen machen die einzelnen Gruppen ihre Vorführungen, schöne Menschen in fantastischer Bekleidung, exotische dunkle Damen mit einem Hüftschwung und Po-Packen mit so einem Eigenleben, dass es mir ganz anders wird, muskulöse Männer tanzen in bunten Gewändern und phantasievoller Verkleidung zu den stampfenden Rhythmen, wir sind mitten in einer exotischen fremden Welt und bleiben bis die Parade vorbei ist und alle wieder in die ausgelassene Straßenparty eintauchen.

Während in Roxborough noch bis in die Früh in voller Intensität weitergefeiert wird fahren wir müde aber völlig nüchtern mit unserem Mietauto zurück nach Charlotteville, weichen auf den engen Bergstrassen mit Linksverkehr erfolgreich den lokalen Größen des Motorsports aus, aus den Autos dröhnt die Musik und manche Fahrer haben noch die Rumflasche in der Hand….

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Responses to Tobago Karneval

  1. Harald Lederer sagt:

    Hi ihr beide. Ich dachte, ihr seid auf einem seriösen Segeltörn. Dabei klingt das eher nach Seitenblicke-Event. Klingt phantastisch, auch wenn Herbert nüchtern bleiben muss. Bei uns ist es auch sehr aufregend. Wir haben grad einen Tarock-Abend mit Margarita und Helmut hinter uns. Es gab Rum aus Jamaika und Helmut hat gezahlt. Ihr seht, auch sehr lustig… Liebe Grüße, Charissa und Harald

    • herbert sagt:

      Lieber harald, ich hoffe Du hast den helmut nicht völlig ausgenommen, er darf die Freude nicht verlieren weil wenn wir in der hurrican-saison zurückkommen da will ich mit ihm spielen…

  2. Traude sagt:

    Hallo ihr Beiden,
    ich habe nach langer Zeit wieder einmal in euer KALI MERA-Tagebuch geschaut und konnte vor Spannung gar nicht mehr aufhören zu lesen. Wir haben ja von der Überfahrt einige mails bekommen und waren dankbar und beruhigt von euch zu hören, aber dieser Bericht ist sensationell! Ich habe mich ganz in deine Schilderung, Tadeja, fallen lassen und tatsächlich auch beim Lesen diese Stimme der Stille gehört. Wahrscheinlich nicht so wie du, nur diese Ruhe und Weite hat sich in mir ausgebreitet, dass ich doch tatsächlich aufs Packen vergessen habe; wir fahren nämlich am Sonntag auf 2 Wochen nach Damüls/Vorarlberg und das bringt mich wieder total in die Gegenwart.
    Wir würden uns sehr freuen euch in der „Karibik-Pause“ zu sehen; vielleicht wieder in Ungarn?!
    Ich umarme euch ganz herzlich, Traude
    Von Otto auch alles Liebe!

    • herbert sagt:

      … also ihr fährt in den schnee, was für ein grässlicher gedanke (nein, es ist sicher super schön im tief verschneiten ländle, aber wartet erst bis ihr die fotos hier von den tobago cayes seht), pass auf den otto auf dass er nix anstellt und wir freuen uns auf ein wiedersehen im mai/juni. alles liebe, tadeja und herbert

  3. Brigitte Mörwald sagt:

    Also morgen spielen wir einmal mit Charissa und Harald ……Heinz ist sehr optimistisch, dass er nicht zahlt…..ich lasse die Dinge auf mich zukommen……
    Sollen wir Karten für Grenada einpacken oder gibt es Besseres zu tun??…..wir haben wirklich heute gebucht, ich hab`s noch nicht wirklich realisiert…..
    Die Bilder sind unglaublich……schön
    Alles Liebe Brigitte

    • herbert sagt:

      huhu, die tarockkarten unbedingt mitnehmen (uno karten sind an board…), und bitte trainiert ordentlich mit charissa und harald, und passt auf dass der harald nicht schwindelt…

Kommentar verfassen