Schwell in Palmeira

Palmeira, der angeblich sicherste Hafen der Kap-Verden, hat es uns richtig angetan. Auch wenn weit draußen die lange Ozean-Dünung bricht ist es im Hafen ruhig, wenn am Abend der Wind nachlässt liegt man wie in Abrahams Schoss, zumindest die ersten Tage. Doch heute Früh ist plötzlich alles anders. Der Wind kommt wie jeden Tag aus Nord-Ost, 4-5 Windstärken, aber die KALI MERA bewegt sich seltsam. Und als ich dann ins Cockpit klettere da sehe ich, dass sich alle Schiffe seltsam bewegen, – Schwell kommt von draußen herein und sucht sich seinen Weg in den Hafen. Ich schaue zur FLORIMELL, die weniger geschützt liegt als wir und sehe wie sie tanzt. Und hinter der FLORIMELL liegt die riesige Linzer Motorjacht MISS PEZI nicht mehr ordentlich am Anker, so wie am Abend zuvor, sondern hat sich selbstständig gemacht und ziemlich weit hinauf auf den Strand verholt. Die riesigen Wellen spielen mit dem großen Schiff, das gerade auf dem Weg von der Karibik zurück nach Europa war, wie mit einem Spielzeug. Die Wellen werden stärker und sowohl Harald als auch wir gehen Anker auf und legen uns weiter hinein in das Hafenbecken, in sicherer Entfernung zum Strand.

Während Tadeja und Conny an Deck in der Sonne liegen haben Harald und ich einen Versorgungsauftrag – wir fahren mit dem Sammeltaxi nach Espargos, den nächsten größeren Ort, einkaufen. Ich freue mich auf bunte Märkte und einheimische Spezialitäten, beim Gedanken an frisches Gemüse und reifes exotisches Obst läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen, doch es kommt ganz anders. Es gibt zwar einige Supermärkte, aber außer Konserven, Putzmittel und Wein/Bier gibt es so gut wie nichts. Auf der Straße werden (zu horrenden Preisen) Paprika und Paradeiser verkauft, beim Gemüsestand gibt es Erdäpfel (ebenfalls unglaublich teuer) und ein paar Hochpreis-Zucchini. Nur Bananen gibt es günstig und im Überfluss, aber der Rest muss importiert werden, selbst wenn einen die enormen Preise (5 Euro für ein Kilo Paradeiser) nicht abschrecken würden, könnte man dennoch nicht viel erstehen. Statt Gemüse kaufe ich dann halt eine SIM Karte (die schmeckt zwar nicht gut, ist dafür aber wirklich günstig) und nach einer langen Konfigurations-Prozedur haben wir nun wieder ein Handy mit Internet.

Die Kap-Verden sind ein armes Land, elektrischer Strom und Fließwasser im Haus ist ein Luxus, den hier auf Palmeira nicht so viele haben, die Insel Sal ist eine grau-braune Wüste ohne „Grün“. Trotzdem ist Sal die Touristen-Hochburg der Kap-Verden, im Süden gibt es monströse Hotelanlagen mit jeglichem Luxus für die Gäste, aber außerhalb dieser Anlagen ist es die Welt Nummer Drei.

Am Abend gibt es auf der FLORIMELL Risotto, und als Jay (der Wasser, Diesel, Benzin, Gas … Organisator) mit einem Korb voll Seespinnen klopft kaufen wir ihm drei so Ungeheuer ab. Sie werden an Ort und Stelle gekocht und am nächsten Tag zu Mittag mit Erdäpfelsalat verspeist. So eine Seespinne ist für mich ein Diät-Essen, das Fleisch befindet sich hauptsächlich in den dünnen Beinchen, und nachdem die Biester eher meine Figur haben als die vom Schwarzenegger ist das nicht sehr viel.

Im Zentrum von Palmeira, in der Nähe der Hafenpromenade (die „Promenade“ ist ein paar Meter lang und auch „Zentrum“ ist ein etwas gewagter Begriff), gibt es einige Lokale in denen man nett einen Drink nehmen kann, laute afrikanische Musik hüllt einen ein, und damit die Vielfalt nicht zu kurz kommt nehmen die Einheimischen auch noch die eigene Musik mit in die Bar und so stehen auf den einzelnen Tischen kleine Ghettoblaster die für eine multikulturelle Beschallung sorgen. Ein „italienisches Restaurant“ bietet Spezialitäten von den Kapverden an und hat Wifi für die Gäste. Jeden Tag wird der Code gewechselt und man darf nur mails herunterladen, „Internet very expensive“.

Die Menschen sind sehr freundlich, mir haben es besonders die Dinghi-Wächter angetan, Burschen im Alter von acht-zehn Jahren die als Kleinstunternehmer beim An- und Ablegen der Beiboote helfen. Einer hat sich selbst zum Hafenkapitän für die Dinghis ernannt und zischt mit den Leinen hin und her, ich schau mit viel Freude über so viel jugendliches Unternehmertun zu und unterstütze gerne mit einigen Escudos. Welch ein Unterschied zum Wohlstand in Österreich, der hat auch seine Schattenseiten!

Nach einer Woche hier auf Sal wird es nun Zeit zum Weiterreisen, es geht weiter nach Westen, Inselhüpfen bis Mindelo, dort wollen wir uns vor der Atlantik-Querung verproviantieren und dann auch von dort losfahren.

Palmeira, Hauptstrasse

Palmeira, Hauptstrasse

Palmeira, Tourist wartet auf den Bus

Palmeira, Tourist wartet auf den Bus

Espargos, Bananenverkauf

Espargos, Bananenverkauf

Palmeira, Florimell im Schwell

Palmeira, Florimell im Schwell

Palmeira, Miss Pezi im Schwell

Palmeira, Miss Pezi im Schwell

Palmeira, Schiff in den Wellen

Palmeira, Schiff in den Wellen

Palmeira, Miss Pezi am Strand

Palmeira, Miss Pezi am Strand

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6 Responses to Schwell in Palmeira

  1. Daniel Frey sagt:

    Liebe Tadeja, lieber Herbert

    Herzliche Gratulation zu Eurer Leistung! Wünsche Euch frohe Festtage und ein gutes neues Jahr! Weiterhin viel Spass bei Eurem Abenteuer, viel Glück und günstige Winde im 2016. Beste Grüsse – Daniel

    • herbert sagt:

      Lieber daniel, auch dir erholsame feiertage und einen guten rutsch. Es geht uns bestens und wir sind auch mit der KALI MERA sehr zufrieden, auch der HEUREKA würde ao eine reise guttun… Lg tadeja und herbert

  2. Irena sagt:

    Draga Tadeja! Lieber Herbert!
    Weihnachten in der Ferne…. irgendwo am Meer oder doch noch im sicheren Hafen?
    Egal, wo ihr die letzten Tage dieses Jahres verbringen werdet- zunächst ein gutes und besinnliches, etwas anderes Weihnachtsfest, voll Liebe und Glück!
    Für eure große Reise und das Jahr 2016 wünschen wir vor allem einen gezähmten Neptun, einen möglichst friedlichen Atlantik und vom Mond erhellte Nächte, damit die Dunkelheit nicht gar so bedrohlich sein möge! Julia und Alfonz werden euch sicher geleiten! Unsere guten Wünsche und Gedanken auch!
    Lep BOZIC in srecno zdravo 2016! Irena in Herman in vsi Suastarjevi, Krista in mama

    • herbert sagt:

      Liebe Irene und die ganze Familie in dob. Euch auch frohe festtage und ein glückliches neues Jahr. Wir ankern noch vor tarafal, hier haben wir auch Weihnachten (einmal ganz anders) gefeiert. Danke für die schönen wünsche und dass ihr uns in Gedanken begleitet. Es ist immer schön von der heimat zu hören. Alles liebe tadeja und herbert

  3. Paul Perc sagt:

    Hallo Herbert u. Tadeja!

    Wünschen Euch schöne Weihnachtsfeiertage
    und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Viel Glück und alles Gute auf eurer Weiterreise (Atlantiküberquerung).
    Wir lesen ständig eure Reiseberichte, sind sehr super und aufschlussreich,
    weiter so, toll.

    Paul und Erni

    • herbert sagt:

      Liebe erni und lieber paul, auch euch frohe festtage und einen guten rutsch. Wir freuen uns auf ein wiedersehen im nächsten jahr. dass ihr bei uns immer wieder vorbeischaut das freut uns auch. Lg tadeja und herbert

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