Sizilien

Wir brechen in Rocella pünktlich um 0600 auf, knapp vor Sonnenaufgang, die “rosenfingrige Eos“ ist gerade aufgestanden. Der Wind ist anfangs günstig, auch wenn aus der Ferne die Gewitter sich schon dumpf grollend ankündigen, nach Sizilien sind es gut 70 Meilen, also ein ganzer Tag auf See.

Sizilien begrüßt uns stürmisch, umarmt und schüttelt uns richtig und greift und uns dann ganz tief in die Tasche. Auf der Überfahrt kommen wir ins Gewitter, hohe Wellen und 35 Knoten Wind, stark gerefft geht es am Wind nach Liposto. Die KALI-MERA segelt trotz der unangenehmen Bedingungen wunderbar, wir sind angeleint mit Schwimmwesten im Cockpit, rund um uns blitzt und donnert es, eine Wasserhose zieht an uns vorbei, aber es ist nicht unbequem. Ursprünglich wollten wir vor Taormina ankern und von dort den Aetna besuchen, das schlechte Wetter lässt uns aber umplanen und wir reservieren telefonisch in der Marina einen Platz. Die Marina ist schön und sicher, aber ungeheuer teuer, die zwei Tage machen mehr an Hafenkosten aus als die letzten fünf Jahre Griechenland zusammen (ich habe versucht nachzuverhandeln – ich möchte den Platz ja nur für zwei Tage mieten und nicht die Marina kaufen – aber zwecklos). Am nächsten Tag besuchen wir den Aetna, wir fahren mit dem Mietwagen zur Seilbahn (in der Marina fragen wir nach dem Preis für einen Mietwagen, verlassen entrüstet das Etablissement wegen der 100% Überteuerung und mieten nach vergeblicher Suche nach einer anderen Autovermietung im Ort erst recht dort – Canossagang) und dann mit der Gondel zur Bergstation, dort werden wir mit einem Geländefahrzeug zu einem Krater geführt und dann gibt es noch einen geführten Rundgang – landschaftlich wunderschön aber ein ungeheurer Extrem-Konsum-Tourismus! Wir wollten den Berg besteigen und haben geglaubt dafür das (unverschämt teure) Ticket erworben zu haben, – völige Fehlanzeige – wir sind auf 3000 Meter Höhe neben Touristen in kurzen Hosen und Sandalen im Souvenier-Shop gestanden…. Ich war trotz der grandiosen Umgebung enttäuscht, ich habe das Gefühl hier richtig „gemolken“ zu werden, Sizilien hat mein Herz vorerst nicht gewonnen, vielleicht kommen wir außerhalb der Hauptsaison noch einmal her und versuchen´s noch einmal. Das Objektiv meiner Kamera hat bei genau 3000 Meter Höhe das zeitliche gesegnet, war wahrscheinlich nur bis 3000 zugelassen.

Von Sizilien segeln wir durch die Strasse von Messina wieder nach Kalabrien, in dem wunderschönen Ort Tropea wartet noch einmal Elios Mechaniker um den immer noch tropfenden Generator nun endgültig abzudichten. Wir bewältigen Skylla und Charybdis, der mitlaufende Strom von über fünf Knoten beschert uns eine Rauschefahrt von elf Knoten über Grund. Überall gibt es starke Wirbel und das Wasser schäumt plötzlich auf, Gischt fliegt und Wellen werfen sich gegen den Wind, es ist ein fantastisches Erlebnis. Im hübschen – hoch in die Felsen gebauten – Ort Skilla, in dem früher das homerische Ungeheuer gehaust hat, können wir nicht anlegen, der Hafen ist zu klein und völlig überlaufen. Einige Seemeilen weiter finden wir einen Fischerhafen mit bestem Schutz, dort bleiben wir eine Nacht, dann geht es weiter nach Tropea. Es ist nicht zu glauben, nach zehn Minuten Arbeit tropft Herr Generator nicht mehr, es wurde eine Dichtung vergessen. Nachdem wir eine ordentliche Marinaallergie entwickelt haben ankern wir vor der Hafeneinfahrt vor dem schönen Badestrand. Am nächsten Tag geht es weiter zu den liparischen Inseln, voller Vorfreude auf Buchten und idyllische Ankerplätze. In der ersten Nacht umrunden wir Stromboli und bewundern die Lavafontänen die hier in die Luft geschleudert werden. Dann fahren wir noch in der Nacht (rund um uns gewittert es aber wir bleiben trocken) weiter nach Vulcano und ankern noch bei Dunkelheit über steilem Felsgrund zwischen hundert anderen Schiffen – es ist unglaublich überlaufen und jeder noch so kleine Platz ist besetzt, dazwischen rasen rücksichtslos die italienischen Schnellfähren und Ausflugsschiffe und erzeugen gewaltigen Schwell, die Vorstellung von ruhigen Badebuchten mit ruhigen Nächten ist ganz plötzlich ganz weit weg. Wir sind hier mitten in einem Boots-Rummelplatz im Hochbetrieb, so als würden wir auf einer Autodrombahn beim Feuerwehrzeltfest campieren und die örtliche Jugend versucht nach belebendem Bierwetttrinken herauszufinden, wer als schnellster am engsten bei uns vorbeifahren kann. Aber die Landschaft hier ist berauschend schön, Inseln die Feuer spucken, riesige Krater, bizarre Mondlandschaften, fruchtbare grüne Berge – das entschädigt für vieles.

Auf der Überfahrt nach Stromboli macht die elektrische Furling seltsame Geräusche, wir montieren die manuelle Not-Reffeinrichtung und ich zerlege das Teil so gut es geht am nächsten schaukelnden Ankerplatz, wahrscheinlich ist die Schmierung nicht ausreichend, ich kann ein wenig Schmiere einbringen und es wird besser, ich hoffe sie hält bis Gibraltar durch und wir können sie dort komplett ausbauen und überprüfen. Auch die Furling wurde von Yakomos serviciert, ein (da wollen wir uns nun sicher sein) letzter Gruß aus der Türkei. Wir sind dankbar, dass wir wieder einmal die Chance haben, unser Schiff noch besser kennenzulernen 🙂

Aetna, Herbert und Krater

Aetna, Herbert und Krater

Vulcano, Ankerplatz

Vulcano, Ankerplatz

Aetna, Tadeja und Krater

Aetna, Tadeja und Krater

Aetna, Lavaweitwerfen

Aetna, Lavaweitwerfen

Tropea, Marina und Stadt

Tropea, Marina und Stadt

Stromboli

Stromboli

Scilla

Scilla

Roncella, Aufbrauch bei Sonnenaufgang

Roncella, Aufbrauch bei Sonnenaufgang

Crotone, ein alter Bekannter kommt zurück

Crotone, ein alter Bekannter kommt zurück

Aetna, auf den Touristen-Gipfel mit dem Unimog

Aetna, auf den Touristen-Gipfel mit dem Unimog

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2 Responses to Sizilien

  1. Stefan Mayer sagt:

    Hallo Herbert,
    Richard hat mir gerade den Link zu Eurer Weltreise-Doku gezeigt. Super spannend und die Verwirklichung eines echten Kindheitstraums!

    Wir waren vor Kurzem in Kroatien auf Urlaub und 1 Tag mit Mietyacht (nur Motor) unterwegs – kommt nicht annähernd an Eure Abenteuer heran, läßt es aber ein bißchen erahnen.

    Alles Gute für die weiteren Streckenabschnitte und lasse mir Sizilien schön grüßen.
    lg
    Stefan

    • herbert sagt:

      Hi Stefan, vielleicht hast Du Dich ja schon mit dem Boots-Virus infiziert, angeblich soll da manchmal schon ein einziger Tag reichen. Die Inkubationszeit kann bis zu einem Jahr betragen, also sind wir gespannt was 2016 bei Euch passiert. Inzwischen alles Gute und pass auf die Kollegen auf 🙂 glg herbert

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