Hitze, Höhen und Hurrikan

Sonne auf der Haut, Salz in der Nase, das leise Pfeifen des Windes – lautlos gleitet unser Schiff durchs Wasser. Ich überlasse mich dem Wind, den Wellen und dem Fluss meiner Gedanken, die Eindrücke der letzten Tage wechseln sich ab mit den Erinnerungen an zu Hause.

Sonne auf der Haut, Salz in der Nase, das leise Pfeifen des Windes – lautlos streicht unser Schiff durchs Wasser. Ich überlasse mich dem Wind, den Wellen und dem Fluss meiner Gedanken, die Eindrücke der letzten Tage wechseln sich ab mit den Erinnerungen an zu Hause.

Abends waren Delfine da, hunderte, von allen Seiten, im Spiel mit der Bugwelle, springend, Pirouetten schlagend, zu dritt, zu viert im perfekten Gleichklang.

Ankommen.

Zehn intensive Tage liegen hinter uns, zwischen extremer Hitze und kühler Bergluft, zwischen null und dreitausend Metern Seehöhe.

Es gibt Schöneres als das Schiff bei 40 Grad Celsius startklar zu machen! Es ist drückend heiß, die Nacht bringt keine Erleichterung, der Jet-Lag tut sein Übriges. Wir sehnen uns nach dem goldenen Herbst zu Hause, wären wir doch dortgeblieben und könnten uns nachts wohlig in Daunendecken kuscheln!

Nach zwei unerträglichen Nächten flüchten wir! Die gewaltige Sierra Madre lockt mit ihrer klaren frischen Luft und mit angenehmen Temperaturen. Die Straße nach Durango führt ins schroffe Bergland, über die spektakuläre höchste Brücke des amerikanischen Kontinents, über tiefe Canyons, entlang der „Wirbelsäule des Teufels“ – angeblich die gefährlichste Hochstraße der Welt.  Schlammlawinen und gewaltige Steinschläge zeugen von den hier herrschenden Unwettern – man möchte nicht gerade zur Stelle sein, wenn sich ein Felsbrocken von mehreren Metern Durchmesser aus den überhängenden Wänden löst!

Noch nie haben wir México zu dieser Jahreszeit besucht, die Regenzeit ist gerade zu Ende gegangen. Die Natur ist ein einziges Blumenmeer in Gelb, Orange, Violett, Weiß und Grün. Wir reisen in ein Hochgebirge, das sich in einen riesigen Garten verwandelt hat.

Wie Bilder einer Ausstellung reihen sich die Ereignisse in meiner Erinnerung auf. Freundliche Menschen, die sich auch unter schwierigsten Verhältnissen in den Bergen eine einfache Existenz aufgebaut haben, lachende Kinder mit schwarzem Haarschopf, Pferde, Kühe, Esel und Geier, die sich mit uns die Straße teilen. Die schöne koloniale Altstadt von Durango. Die halb zerfallene Felsenkirche in Nombre de Dios, die älteste Méxicos, in deren unterirdischen Gängen sich laut den Einheimischen unermessliche Goldschätze befinden, die aber – jammerschade – nicht geborgen werden dürfen, um die Kirche nicht zu gefährden. Ein atemberaubender Wasserfall in einer Landschaft wie aus einem alten Western.

Und dann Molinillo. Mit unserem Kia Rio biegen wir, dem Schild Richtung „Mountain Resort“ folgend, vom Highway ab. Schon nach wenigen Metern kann man eigentlich nicht mehr von Straße sprechen. Und es kommt schlimmer. Denn Herbert entscheidet sich, seiner von google maps gesteuerten Intuition und nicht dem Wegweiser zu folgen. Es wird steiler. Tiefe Gräben, Löcher, Steine, Wurzeln. Umkehren nicht möglich. Nach dem letzten Dorf, das eine halbe Stunde zurückliegt, keine Menschenseele mehr. Blick starr nach vorn gerichtet, Anspannung, kein Wortwechsel. Schaffen wir es über den nächsten Steinhaufen? Und zurück müssten wir dann auch wieder…

Belohnt wurden wir mit idyllischen Bergseen und einem Wasserfall, der hundert Meter steil nach unten – fast könnte man sagen – fliegt. Ich jedenfalls bin mit der Zip-Line und den bunten Papageien, die dort leben, drüber hinweg geflogen!

Die Rückfahrt erwies sich in der Tat einfacher– natürlich gab es eine etwas bessere und kürzere Straße, von der „maps“ eben noch nicht wusste.

Inzwischen ist Hurricane Pamela im Anflug. Pam sollte direkt in Mazatlan, wo unser Schiff liegt, an Land treffen. Vorher ist an ein Ablegen nicht zu denken. Bis dahin haben wir noch zwei Tage Zeit. Da geht sich noch ein Besuch der Steingärten von Mexiquillo auf 3200 Meter Seehöhe aus. Wir mieten uns eine Cabana (eine Art Selbstversorger-Almhütte), bekommen ein großes Bündel Holz auf die Terrasse gelegt, fürs Wasser Aufwärmen und gegen die Kälte der Nacht. Wir genießen das knisternde Feuer am offenen Kamin.

Ohne große Erwartungen hängen wir uns die Kameras um und starten unsere Expedition in den großen Abenteuerspielplatz der Mexikaner. Wir schlendern einem Bach entlang über grüne Wiesen, um uns unvermittelt inmitten skurriler Steinformationen einer Mondlandschaft gleich wiederzufinden, die uns in Ihren Bann ziehen. Stundenlang laufen wir wie Kinder umher, staunen, spielen Verstecken und klettern auf jeden Steinpilz den wir erklimmen können. Ist Pamela doch zu etwas gut! 

Zurück in Mazatlan heißt es die Kali Mera auf den herannahenden Sturm vorzubereiten. Im Yacht Club herrscht hektische Betriebsamkeit, fast alle Boote werden an Land gebracht, wir bauen Sprayhood und Bimini ab, kaufen zusätzliche Fender, bringen extra Festmacher an und verstauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist, unter Deck. Pamela soll erst kurz nach Mitternacht eintreffen und wir wollen noch, nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, mit unserm Mietwagen zum Abendessen fahren. Eine grauschwarze Wolken-Walze hat sich über dem Meer aufgebaut, es herrscht Weltuntergangs-Stimmung und dann beginnt es zu regnen, nein, es schüttet wie aus Eimern. Binnen Minuten sind die Straßen überschwemmt und wir können von Glück reden, dass wir noch rechtzeitig umkehren können, bevor unser Kia, der Held von Molinillo, elendiglich in Mazatlan ersäuft. Wir nehmen die Henkersmahlzeit also an Board der Kali Mera ein und gehen mit einem mulmigen Gefühl schlafen. Pamela ist zwar kein willkommener Gast, aber pünktlich ist sie. Nach Mitternacht öffnet der Himmel nochmals seine Schleusen und ganz plötzlich ist der Sturm im Yacht Club angekommen. Kali Mera legt sich immer wieder schwer auf die Seite, ächzt und stöhnt, aber letztendlich geht für uns alles gut aus. Aber in der Nachbar-Marina sind Boote gesunken, die Einfahrt in den Marina District bleibt noch zwei Tage blockiert, und viele Straßen bleiben längere Zeit unpassierbar, unsere Fahrt nach Durango wäre nun nicht mehr möglich.

Nach dem Sturm heißt es nochmals putzen, das Deck von abgerissenen Blättern und Zweigen befreien und unser Boot zum Auslaufen bereit machen. Zwei Tage später hat sich der Seegang beruhigt und wir können endlich auslaufen, Segel setzen, den Bug Richtung Baja California richten und wieder freie Seeluft atmen.

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