Baja California hinauf und hinunter

Zum Abschluss unserer Baja California Rundreise wollen wir diesmal nur einige Eindrücke teilen, auf die üblichen Reiseblog-Themen (zuerst waren wir da, und dann dort, und dann haben wir das gemacht, und dort musste ich dann dies und jenes reparieren…) verzichten wir dabei 😊:

Farben, Landschaft, Berge und Meer. Die Fotoausrüstung wird strapaziert, ein Motiv jagt das andere, wir starren den ganzen Tag in den Sucher, wie bringt man nur diese unglaubliche Szenerie in den kleinen Kasten hinein damit wir sie immer wieder zurückholen können, wenn uns die Sehnsucht packt? Trotz dem ganzen technischen Schnick-Schnack (Tele, Weitwinkel, Drohne, Gopro…) bleibt es nur ein Versuch. Also: Hinschauen, und nochmals hinschauen, und abspeichern im Kopf, und hoffen, dass die Festplatte dort oben niemals voll wird oder gar crasht.

Kakteen, Vögel, Wale, Rochen und das Aquarium unter uns. Am Land da herrschen die Stacheln. Wälder von Goliath-Kakteen, jeder einzelne mit mehr Biomasse als die Hundertschaften, die daheim an den Fensterbänken und in den Wintergärten ihr Dasein fristen. Die Fauna an Land ist nicht üppig – auf unseren Streifzügen durch die Wüste sehen wir ein paar Hasen, Eidechsen, Eichhörnchen, Mulis, Ziegen und Kühe. Richtig dicht besiedelt ist es nur im Meer, da ist von klein bis groß alles vertreten. Das viele Plankton beeinträchtigt die Sicht beim Schnorcheln, aber um das auszugleichen hat Mutter Natur einfach den Besatz erhöht. Riesige Barsche sind zum Angreifen nahe, metergroße Seenadeln, und natürlich die unzähligen üblichen bunten Riffbewohner. Für die Rochen, die sich in Hundertschaften herumtreiben, braucht man nicht zu schnorcheln, die zeigen sich praktischerweise auch über Wasser. Sie katapultieren sich meterhoch in die Luft, Salto rückwärts, dreifacher Rittberger, großer Platsch, nächster Versuch – für uns Naturkino live. Delphine tummeln sich um das Boot, einige Wale in KALI MERA Dimension kommen vorbei, auch wenn die Wal-Saison schon vorbei ist. Bei einer Seelöwen-Kolonie springt Tadeja mit Brille und Schnorchel ins Wasser und wird sogleich aus größter Nähe begutachtet, die freundlichen Tiere sind die Menschen gewohnt und kommen zum Spielen.

Fisch-Takos und andere Köstlichkeiten. Gutes Essen gehört zu Mexiko dazu, und die Baja California macht hier keine Ausnahme.  In den Städten wie La Paz und Loreto, da ist die Kulinarik ein Fest für Augen und Gaumen, und die Preise kommen dem immer knappen Segler-Budget sehr entgegen. Sogar weit abseits von der städtischen Zivilisation, in kleinen Fischerdörfern, da gibt es Palapas mit ausgezeichneten Fisch-Gerichten. Die Fisch-Takos haben hier die Rolle der Hamburger und Käsekrainer übernommen, ich bin daher zum hiesigen Junk-Food Anhänger geworden. Köstlich! Interessant ist auch, dass meine Hemden in den letzten Wochen etwas kleiner geworden sind, wird am Klimawandel liegen.

Klima. Die Nächte sind erstaunlich kühl, wir müssen uns zudecken, manchmal brauchen wir eine zweite Decke. Tagsüber wird es warm, in den letzten Tagen sogar heiß, und die Wassertemperatur steigt langsam, aktuell hat es 25 Grad.  Seit sechs Monaten hatten wir nun keinen Regen mehr, hin und wieder sieht man ein einsames kleines Wölkchen am Himmel. Die Sonne ist intensiv, ohne schützendes langärmliges Hemd und Hut gehe ich nicht mehr „hinaus“. Im August und September soll der Regen kommen, die Hitze und die Hurricans, aber da sind wir schon daheim, beim Schwammerlsuchen im kühlen Wald.

Baden. Tadeja schwimmt sowieso jeden Tag, aber in der Zwischenzeit ist es auch für mich warm genug, aber immer noch kein Vergleich zur karibischen Badewanne. In den flachen Lagunen, da ist es wunderbar, aber das tiefe Wasser ist noch kühl. In einer Bucht finden wir – nach einiger Suche – heiße Quellen, mitten am Riff da sprudelt es im See-Wasser, ich könnte stundenlang drinnen sitzen bis ich gar gekocht bin.

Seglergemeinde. Hier treiben sich fast nur Gringos herum, die europäischen Schiffe kann man an einer Hand abzählen, und selbst die nützt man lange nicht aus. Wir verbringen viel Zeit mit Mary und Richard von der CHATELAINE, machen gemeinsam Ausflüge, spielen Karten, sehr nettes Buddy-Boating. Für die Kalifornier ist das hier so eine Art Mittelmeer, sie haben es nicht weit, die Anreise ist unspektakulär, und das Preisniveau ist – im Vergleich zu den Staaten – sehr sehr niedrig. Ein US-Pensionist lebt hier wie Gott in Frankreich, die medizinische Versorgung ist hervorragend, und viele wollen dann nicht mehr zurück in das Trump‘sche Amerika. Kein einziger Segler hat eine Freude mit ihm, manche entschuldigen sich bei uns für „ihren president“.

Infrastruktur und Kultur. Nicht nur der Gaumen, auch alle anderen Sinne werden verwöhnt. Schönheit wird geschätzt, geschmackvolle Architektur, großzügig und kunstvoll gestalteter öffentlicher Raum, Bilder, Skulpturen, Museen. La Paz ist meine bisherige Lieblings-Stadt, so lebendig, sauber, gepflegt und voller Energie. Open Air Konzerte, Beach-Volley-Ball Turnier, immer ist am Malecon etwas los. Auf unserer „würden wir hier wirklich auch einmal längere Zeit leben wollen Skala“ ist La Paz ganz weit oben.

Felsmalereien. Dass auch schon vor vielen 1000 Jahren die Leutchen gerne gezeichnet haben, das kann man in mehreren Höhlen bewundern. Von Agua Verde aus machen wir uns per pedes auf, eine solche Stätte zu suchen, beim zweiten Anlauf, tatkräftig unterstützt von unserem Leih-Hund Lola, finden wir sie sogar und sind ordentlich beeindruckt. Mit dem Mietauto machen wir dann, gemeinsam mit der CHATELAIN Crew, von Puerto Escondido aus eine mehrtägige Exkursion ins Landesinnere, um weitere solche Kunstwerke aufzuspüren. Fast 11000 Jahre alt sind die beeindruckenden Felsmalereien im Canyon von San Francisco, als bequeme Auto-Reisende sehen wir nur eine Stätte, für mehr müssten wir eine dreitägige Muli-Tour machen, das geht sich diesmal nicht aus, aber reizen würde es uns.

Segeln. Der Segelenthusiast, bei dem der Motor nach dem Ankerholen schon automatisch ausgeht, der wird hier nicht sonderlich glücklich werden. Es ist nicht allzu viel Wind zu dieser Jahreszeit (im Winter ist es dafür hauptsächlich stürmisch), und wie üblich bläst er von der falschen Seite. Dazu wechselt er auch noch oft in der Nacht die Richtung, kann ganz plötzlich kräftig werden, und der gerade noch wunderschön ruhige Ankerplatz wird zur Hochschaubahn.  Einige malerische Plätze haben jedoch so hervorragenden Schutz, dass fast jede Windrichtung abgedeckt ist, beispielsweise Agua Verde, wo wir zwei Wochen beinahe angewachsen sind. Es sind aber nur kurze Distanzen zwischen den Stopps, also brauchen wir auch nicht allzu viel motoren. Es ist ein Revier für Bootscamper wie uns, nicht für Regattasegler.

Mexikaner. Wir haben hier nun schon seit vielen Wochen keinen unfreundlichen Menschen gesehen. Hoffentlich bekommen wir keinen Schock, wenn wir wieder in Wien in der U-Bahn sind. Es gibt hier eine völlig entspannte Atmosphäre, liebenswürdig, aufmerksam, höflich.  Tadeja wird immer wieder für eine Einheimische gehalten, ihr Spanisch ist großartig (anscheinend ist das Dolmetsch-Studium doch für was gut), aber ich werde sofort als Tourist erkannt, obwohl ich mit Sonnenbrille und Panama Hut wie ein echter Mexikaner aussehe. Vielleicht liegt es am Fotoapparat, oder am Segleroutfit mit Flip-Flops und Dry-Bag, oder man hört bei meinen beinahe 15 Worten Spanisch einen leichten Akzent heraus.  Ich nehme mir fest vor, bis zur nächsten Saison daheim Spanisch zu büffeln. Ich will auch zu Wort kommen.

Sicherheit. Wir lassen das Boot meistens offen, das Dinghi wird nie abgesperrt, seit den Kanaren haben wir uns nicht mehr so „sicher“ gefühlt. An die verschiedenen schwerbewaffneten Polizei- und Armee-Patrouillen, die ständig unterwegs sind, haben wir uns gewöhnt, die gehören irgendwie dazu. Sollen ruhig auf uns aufpassen, damit uns niemand stiehlt.

Wiederholungstäter. In den nächsten Tagen, da geht es zwar zurück zum „Main-Land“, nach Mazatlan, das Boot einsommern, aber hierher wollen wir wieder zurückkommen, soviel steht fest. Wir haben schon einige Geschichten gehört, bei denen manche nur eine kurze Saison eingeplant haben und es erst viele Jahre später geschafft haben, den Anker zu lichten, so wie der Odysseus bei seiner Kalypso. Jetzt ist uns klar warum. 

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