Esnasdup und Green Island

Esnasdup könnte auch Austriasdup heißen, hier liegt eine ganze Österreicher-Kolonie vor Anker. TIFRICAT, TANGAROA, die Tiroler MUOZA und einige Tage später auch die BRIGHT STAR. Es ist eine lustige Runde, teils langgediente San Blas Insider, und die Abende werden in fröhlicher Gesellschaft lang. Tadeja muss allerdings immer frühmorgens aufstehen, täglich gibt es um sieben Uhr Yoga auf dem alten Fischkutter von Joyce und Lorenzo, nachmittags wird dann gemeinsam geschnorchelt, das Social Life in Esnasdup ist hervorragend organisiert, die Funke auf Kanal 72 ist geschwätzig wie selten, und die Dinghis sausen zwischen den Ankerliegern hin und her. Für uns ist es perfekt, wir bekommen alle San Blas Infos die wir uns nur wünschen können, die „alten Hasen“ kennen und wissen alles.

Wieder einmal sehen wir, dass sich unsere eigenen Erlebnisse nicht an die Erzählungen der anderen halten, nichts ist mit den befürchteten Versorgungsengpässen, von ausschließlich Reis,  Nudeln und Konserven essen. Alle paar Tage liefert ein schwimmender Kuna Gemischtwarenhändler Obst und Gemüse direkt an die Boardwand. So gut wie täglich pfeift uns ein Einbaum-Kapitän aus der Kajüte und bietet Fische, Lobster oder auch Oktopus an. Sogar Bier und Wein (letzterer im Tetrapack mit geschätzten 95 Falstaff Punkten, Not macht genießerisch) wird zugestellt, hin und wieder ist sogar ein frisches Huhn dabei. Die Preise sind moderat und auf ein einfaches Zusammenrechnen ausgelegt, manchmal kostet alles einen Dollar, dann sind es wieder einmal zwei und nur die hiesigen Zahlenmystiker, die Gödels der karibischen Inseln, die wagen sich and die Komplexität der 1,5 Dollar Notierungen. Milchprodukte bekommen wir hier am Floating Market nicht, aber die restliche Versorgung ist ausgezeichnet.  Wir machen es uns zur Angewohnheit, einfach zu warten, was heute der Zustelldienst am Menüplan hat, und das wird dann auch gekocht. Als Draufgabe haben wir leidlich gutes Internet, der Besan-Mast wird zum „Handy-Mast“ umgewandelt, dort hinauf wird das Smartphone mit dem aktivierten Hotspot gezogen (am Deck kein Empfang, zehn Meter höher ist alles ok, warum auch immer, und das nicht nur bei uns, auch auf anderen Schiffen kann man das Ritual des morgendlichen Handy-hissens beobachten).

Die Natur ist beindruckend schön, die Korallenriffe sind bunt und dicht bevölkert, es gibt Ammenhaie, Langusten, Rochen, Schildkröten und Unmengen an Fischen. Angeblich treiben auch ein paar Salzwasserkrokodile ihr Unwesen, hier auf Green Island soll vor nicht allzu langer Zeit eine Französin von so einem Reptil ziemlich übel zugerichtet worden sein. Und wenn wir schon bei den unangenehmen Zeitgenossen sind, Portugiesische Galeeren gibt es hier auch, wunderschöne majestätisch dahinsegelnde Staatsquallen, attraktiv und gefährlich. Ich kann zwischenzeitlich als Überlebender eines Galeerenangriffs bestätigen, dass die Viecher (a) nicht tödlich sind, (b) mehrere Meter lange quasi unsichtbare Nesselarme haben, (c) höllische Schmerzen verursachen die aber eh schon nach ein paar Stunden nachlassen und (d) langanhaltende, sehr hübsche und individuelle Tattoos am ganzen Körper eingravieren.  Tadeja hat sich da wieder einmal die sympathischeren Schwimm-Partner ausgesucht, beim Morgenbad neben dem Schiff erhält sie Delphinbesuch.

Das Wetter ist stabiler geworden, die Solarpaneele übernehmen wieder die Stromversorgung und der Wind legt zu. Es weht nun konstant mit 20 Knoten und frischt in Böen auf 30 Knoten auf, aber die Ankerplätze innerhalb des Riffs sind so gut geschützt, dass es nie unangenehm wird. Wir verkriechen uns einfach in die Lagune und lassen es uns gut gehen, noch ein paar Tage haben wir das Schiff für uns alleine, dann aber werden unsere Kinder die KALI MERA entern und aus ist es mit dem süßen Nichtstun, da freuen wir uns schon darauf…

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