Isla de Providencia

Ein großes Mysterium ist endlich geklärt. Das Paradies hat eine Fläche von 25 Quadratkilometer, 5.000 ständige Einwohner, 15.000 Touristen pro Jahr. Wenn man frisch im Paradies eintrifft, dann denkt man vielleicht, es handle sich um eine ganz normale Insel, ein kleines Eiland, wie wir schon so viele gesehen haben. Aber spätestens, wenn man bei Mr. Bush, dem Einklarierungs-Agent, der hier für die Segler so eine Art Petrus darstellt, sitzt und die „Offiziellen“ mit einem Lächeln und fröhlichem Gesicht nacheinander uns die Aufwartung machen, da merkt man, dass hier etwas anders ist.  Zum Hafenmeister gehen und Formulare ausfüllen? Nein, Formulare füllt Mr. Bush aus und der Hafenmeister kommt persönlich bei uns vorbei, um uns zu begrüßen. Wir erhalten auch noch einen vollständigen Cruising Guide für Kolumbien, ein Geschenk der Regierung an die Segler, und generell ist hier alles „no problem“.  Wie die Sicherheit hier am Ankerplatz ist? No problem! Ob man Geld abheben kann? No problem! Ob es Internet gibt? No problem! Kann man gut und günstig essen? No problem! Die Frage nach den 30 Jungfrauen, die verkneife ich mir…

Der Ankerplatz ist riesig und geschützt, wir liegen auf 5m Wassertiefe über Sandgrund, unter uns liegen Seesterne und schauen uns interessiert an. Das Wasser ist wunderbar warm, eine riesige Badewanne.

Providencia ist klein, so klein dass man in 2-3 Stunden gemütlich mit dem Rad rund herum fahren kann, es gibt eine (gute) Straße, ein paar Dörfer zwischendurch, wunderbare Strände und ein riesiges Ringriff (angeblich das zweit-größte der Welt), das wunderbaren Schutz gibt. Der Tourismus ist sanft, einige junge Leute die auf Weltreise sind, ein paar Segler, es gibt hübsche Apartments und Herbergen, wunderbare einfache Restaurants direkt am Strand, einen schönen kleinen Vulkan zum Besteigen, günstige Scooter-Vermietung, freundliche Menschen, es gibt alles was man braucht aber auch nicht mehr.

Wir mieten einen Scooter, als ich den Führerschein herzeigen möchte werde ich seltsam angeschaut. Führerschein? Braucht man nicht. Vertrag? Braucht man nicht. Ausweis? Nicht nötig. Auftanken? Braucht man nicht. Ist eh genug Benzin drinnen und nachtanken ist nicht nötig. Wenn zum Zurückgeben niemand da ist dann im Supermarkt den Schlüssel abgeben. No problem! Und das um 12 Euro.

Die Dörfer und Häuser sind gepflegt, Luxus findet man hier keinen, aber es ist nicht desolat wie die Infrastruktur auf so vielen anderen Inseln in der Karibik, mich erinnert vieles spontan an das Griechenland von früher. Fischessen in der Taverne am Strand ist ein vorzügliches und sehr preiswertes Vergnügen, ein gebratener Fisch mit allen Beilagen kostet ca. 6 eur, das kolumbianische Bier dazu nochmals 1,5 eur. Die Hängematte am Strand ist kostenlos. Hier lässt es sich aushalten. Sehr lange aushalten.

Isla de Providencia ist bekannt für seine Pferderennen und die großartigen Tauchspots, beides steht bei uns am Programm. Am Samstag gibt es in der riesigen Bucht im Süden am Sandstrand einen Wettlauf zwischen dem Champion und seinem Herausforderer, in rasendem Tempo galoppieren die wunderschönen Pferde den Strand entlang, die Jockeys ohne Sattel und nur mit Badehose und Socken, das Rennen ein Volksfest. Nach dem Zieleinlauf geht es hoch her, es wurde auf Teufel komm raus gewettet und jetzt wird mit viel Emotion abgerechnet.

Jeden zweiten Tag gehen wir Tauchen, das ist hier – wie alles – leistbar, wir werden (sehr komfortabel) in der Früh von der KALI MERA abgeholt und nach den zwei Tauchgängen am Nachmittag wieder „daheim“ abgeliefert. Die Tauchguides sind kompetent und liebenswürdig. Am Vormittag gibt es einen „Wall-Dive“, es geht die Riffkante hinunter in die Tiefe, wir tauchen durch unterirdische Canyons, um uns kreisen die Haie und kommen so nahe, dass wir sie berühren könnten.  Am Nachmittag gibt es dann Spazierentauchen durch den Korallengarten auf nur fünf bis zehn Metern Wassertiefe, wir tauchen durch Fischschwärme, sehen jede Menge Langusten, Rochen, große Krebse, Muränen, bunte Rifffische und ganze Wälder aus Korallen. Es ist eine wunderbare Zauberwelt, die wir betreten dürfen, schwerelos gleiten wir durch ein stilles und intaktes Paradies.

Wir besteigen den Peak, etwas über 300 Meter Seehöhe und dennoch ein richtiger Berg mit fantastischen Rundumblick über die ganze Insel. Im Regenwald musiziert ein riesiges Orchester aus Bongos und Flöten, die musikalischsten Frösche, die wir je erleben durften, werden von den Vögeln begleitet. Blitzblaue Eidechsen huschen über den Weg und die eine oder andere der großen Landkrabben, die zu tausenden in Kürze von den Bergen zur Eiablage zum Meer krabbeln werden, können wir schon sehen.

Die Zeit vergeht im Flug, normalerweise zieht es uns spätestens nach zwei Wochen wieder weiter, nur hier wollen wir nicht weg, da ist es ja richtig gut, dass das Wetter auch nicht zur Weiterfahrt nach Panama einlädt, also heißt es weiter hier ausharren, im Paradies ?

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Responses to Isla de Providencia

  1. Sabine sagt:

    Liebe Kalimeras,
    you made our day!!
    Wir sind die Atangas und starten Morgen von Belize nach Providencia. Der Trip wird wohl unter S wie Mist abzulegen sein.
    Aber Euren Bericht, den speichern wir weg, und wenn es unterwegs so richtig doof idt, lesen wir den laut vor.
    Danke und herzliche Grüsse
    Sabine und Joachim

    • herbert sagt:

      Liebe Atangas, da wünschen wir Euch eine gute Überfahrt. Ich hoffe wir treffen uns noch, eventuell sind wir schon weg wenn Ihr ankommt, aber wenn nicht dann gibt es einen guten Sundowner 🙂 . Der schönste Platz zum Ankern ist vor der kleinen Bucht, unter der Marienstatue die neben den Kanonen steht (siehe unseren Positionsreport), also relativ weit draussen. Und die Betonnung herein ist gut und beleuchtet, aber natürlich ganz anders als auf der Seekarte, lG Tadeja und Herbert

Kommentar verfassen