Espresso auf Puerto Rico

Wir sind im Land der Kaffeebohne. Puerto Rico hat eine großartige Geschichte als Lieferant exklusiver Hochland Kaffee-Sorten, hier wurde der feinste Kaffee für Europas Kaffeefreunde angebaut, geröstet und verschifft. Der Reichtum Puerto Ricos war auch auf dieses Exportgut zurückzuführen, große Haciendas mit gediegenen Herrenhäusern und riesigen Anbauflächen bestimmten das Landschaftsbild, und Kaffee wurde mit Stil und Können zubereitet und genossen (das war aber vor dem spanisch-amerikanischen Krieg, in dem Ende des 19. Jahrhunderts die vereinigten Staaten sich Puerto Rico einheimsten und es danach mit Mc Donalds, KFC, Wendys und Burger King sowie amerikanischer Kaffee-Kultur überschwemmten).

Als große Verehrer dieses Getränkes steht für uns natürlich eine Entdeckungsreise zu den Anbaugebieten am Reiseplan, quer durch diese traumhafte Landschaft führt uns unsere Route, die Berge präsentieren sich im grünen Kleid, es gibt alle vorstellbaren Schattierungen von Grün, Bananen wachsen auf der Alm neben Kokospalmen, Papayas, Mandarinenbäumen und natürlich auch Kaffee-Sträuchern.

Voller Vorfreude auf einen würzigen Espresso direkt vom Winzer brechen wir schon ganz in der Früh auf, unseren morgendlichen Koffeinbedarf wollen wir schon beim Erzeuger decken (wie ja schon allgemein bekannt braucht Tadeja für die gute Laune einen dazu passenden Kaffee, und wehe es gibt keinen). Nachdem dann die Fahrt viel länger wird als gedacht, müssen wir einen Notstop einlegen und versuchen ein „landestypisches Frühstück“ beim Burger-King (auf der Werbetafel war „Espresso Puerto Rico“ zu lesen), es gab mit Ei und Rindfleisch gefüllte Croissants, dazu in Altöl frittierte künstliche Erdäpfel und „Espresso“.  Der Kaffee (doppelter Espresso!) wurde in Plastikbechern serviert, mit Deckel und Strohhalm (!!!), und war absolut grauenhaft. Eine bräunliche fade Suppe, Kaffee D30, mit Milchpulver, ein Guantanamo würdiges Attentat auf die verwöhnten Kafferezeptoren von Tadeja, eine unmenschliche Grausamkeit. Aber so leicht gibt sich Tadeja bei wirklich wichtigen Dingen nicht geschlagen, da wird gekämpft, auch wenn es scheinbar ein Kampf gegen Windmühlen ist, dagegen war der alte Don Quichote ein blutiger Anfänger. Der Kaffee wird zurückgebracht und umgetauscht (und zwar mehrfach), erst der dritte Kaffee, der von dem bemitleidenswerten Burger-King-Mädel dann nach exakten Anweisungen Tadejas hergestellt wird, findet Gnade. Es ist Tadeja anscheinend gelungen, binnen fünf Minuten die 119 Jahre amerikanische „Besatzung“ – zumindest was das Kaffee-Brauen betrifft – wieder einigermaßen rückgängig zu machen.  Nicht viel besser ist es später den netten Bediensteten einer kleinen Konditorei mitten im Bergland ergangen, diese mussten für den Fehler, auf einem Plakat „Espresso“ anzubieten, ebenfalls büßen und bekamen von Tadeja eine ordentliche Nachschulung verpasst. Der dritte Versuch war auch dort dann zumindest schon trinkbar (wenn man vom obligatorischem Styropor-Becher absieht, es ist so als wenn die Winzer im Burgenland beim Heurigen den Wein nur noch im Wegwerf Plastik ausschenken würden).

Trotz aller Rückschläge dieser Art gibt es dann doch noch ein Happy End – wir besuchen im Hochland eine Hacienda, die für den selbst angebauten Kaffee weithin bekannt ist, und genießen im netten „Gastgarten“ gleich neben den Kaffeebüschen einen wunderbaren frischen Espresso, vollmundig, perfekt zubereitet und so geschmackvoll, dass wir gleich zwei Kilo Kaffee erwerben und wie einen Schatz zurück zur KALI MERA bringen. Mitten in der Plantage sitzen, großartigen Kaffee trinken und dabei den Blick über die wunderschöne Landschaft streichen zu lassen, das entschädigt für so manchen heimtückischen Versuch uns braunes Abwaschwasser Americano zu servieren. Letztendlich setzt sich doch das Gute in der Welt durch…

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Responses to Espresso auf Puerto Rico

  1. Britta Bolz sagt:

    Hallo ihr Beiden, immer wieder schön von euch zu lesen. Wir sind euch knapp auf den Fersen, kommen nächste Woche nach Culebra. Mich interessiert wo die Kaffeeplantage ist und wie man dort hin kommt. Dieses Erlebniss wollen wir doch nicht missen. Wie lange bleibt ihr noch auf Vieques. Wäre schön euch zu treffen. Britta und Jens ( Lili )

    • herbert sagt:

      Hello ihr lieben, sind schon in ponce und werden am freitag weiter nach santo domingo segeln. Lasst euch zeit in puerto rico, die südküste ist super. Und details zu unserer route schick ich euch per mail. Wo wir sind seht ihr unter ‚aktuelle position..‘ lg herbert

  2. Britta Bolz sagt:

    Hallo Herbert, jetzt noch die Adresse der Kaffeeplantage und ich bin glücklich. Berichte mal wie Ponce ist. Beate ist der Meinung es sei nur schrecklich

    • herbert sagt:

      Ponce ist hübsch. Eine gemütliche stadt mit netten häusern und ein paar lokalen im zentrum. Sitzen gerade in einer netten pizzeria :-). Sehr freundliche menschen. Puerto rico ist für uns das bisher angenehmste revier seit langem. Wenig yachten, traumhafte strände und buchten, klares wasser, tolle natur. Kaffeplantage: san piedro bei jayuya. Einfach googeln. Mit dem auto durch die highlands fahren ist super. Die nebenstrassen!!!! Steil, steiler, noch steiler. Super ausblicke. San juan ist auch wunderschön. würden euch gerne noch treffen … ;-).

Kommentar verfassen