Wir drehen Runden

„Ältere Störche kommen schneller ans Ziel – Erfahrung bringt Weisheit“ – war vor einigen Tagen in der Zeitung zu lesen. Das dürfte wohl zum Teil auch für uns menschliche Zugvögel gelten, diesmal war die Reise ins Winterquartier nach Mexiko besonders schnell und unproblematisch, am 28.12.23 war unser Abflug aus Wien und am 2.1.24 war die KALI MERA schon auf Hoher See unterwegs nach Süden. Von Weisheit sind wir zwar weit entfernt, aber mit Boot – Auswintern und startklar machen haben wir schon reichlich Erfahrung. Alle Systeme laufen, unser Sorgenkind vom letzten Jahr – der Volvo – springt sofort an und läuft ohne Probleme. Wie immer haben wir die Reisetaschen voller Ersatzteile. Sofort montiert werden der neue Abgaskrümmer und der Auspuff-Schlauch für den Volvo, der Rest wird Stück für Stück im Laufe der kommenden Wochen in Angriff genommen.

Unsere diesjährige Fahrt führt uns nicht zu neuen Ufern, wir drehen wieder einmal eine Runde. Das sechste Jahr sind wir nun in Mexiko, und ebenso viele Runden haben wir hier hinter uns. Vor vielen Jahren, fast schon einer Ewigkeit, sind wir in Kroatien im Kreis gesegelt, mit dem Charter-Boot, für ein bis zwei Wochen. Dann drehten wir Runden in Griechenland, mit unserer MINERVA, jetzt größer und länger geworden, und dennoch immer noch Runden. Und der Wunsch – endlich nicht mehr im Kreis zu fahren, sondern immer weiter – weiter nach Westen – ist übermächtig geworden. Und hier im Pazifik, nach Mittelmeer, Atlantik und Panama-Kanal, beschleicht uns leise und langsam das Gefühl, dass wir wieder in einer Runde gelandet sind, einer sehr großen halt. Wir werden die Runden nicht los. Von den ganz kleinen, wenn wir uns täglich mehrfach um den Anker drehen, und den großen, wenn wir von Mazatlan aus in den Süden oder in den Westen fahren und am Ende wieder in unserem Yacht Club, unserem Ausgangspunkt landen. Bis zu den sehr großen, wenn wir mit der ganzen Erdkugel immer wieder um die Sonne rasen, und auch die Sonne selbst – mit ihren ganzen rotierenden Anhängseln – dreht ihre eigenen Runden… . Und auch wenn wir glauben, dass unsere Reise vom plötzlichen Auftauchen auf der Welt bis zum wieder daraus Verschwinden eine rein lineare Angelegenheit sei, wer weiß welche Runde wir da in Wirklichkeit drehen. Runden sind eigentlich gar nicht so schlecht.

Diesmal führt uns die Route nach Süden, die Pazifik-Küste entlang, wir segeln ohne Zeitdruck, bleiben dort wo es uns gefällt und ziehen mit dem Wind weiter. Jeden Tag begegnen wir Buckelwalen, vielfach Muttertieren mit ihren Kälbern, und hin und wieder hören wir sie singen, vor allem in der Nacht, wenn uns die zarten Töne der sanften Riesen in den Schlaf begleiten.

Auf Isla Isabella, dem Vogelparadies, bleiben wir einige Tage und wandern durch das unbewohnte Naturschutzgebiet. Hier brüten unzählige Fregattvögel und Tölpel ohne Scheu vor den Menschen, so muss es im Garten Eden gewesen sein, bevor Eva unbedingt in den Apfel beißen musste.

Nächster Halt: “Banderas Bay -La Cruz”. Dort treffen wir unsere Freunde von der ALACRAN, die uns mit den Neuigkeiten in der La-Cruz-Gastronomie vertraut machen, immerhin sind wir schon zwei Jahre nicht mehr hier gewesen.  Dann ist Segelpause für eine Woche angesagt, bis der neue Gefrierschrank, den wir kurzerhand bei Amazon bestellt haben, zur Marina geliefert wird. Der alte hat – kaum dass wir ihn mit den am wunderbaren Fischmarkt von La Cruz erworbenen Köstlichkeiten (Tuna-Filets, Mahi Mahi und blaue Shrimps) gefüllt haben, den Geist aufgegeben. Unsere Beute kommt – bereits eingefroren – in den Kühlraum des Fischgeschäfts zurück bis wir den neuen Freezer an Board haben.

Die Wartezeit nutzen wir für einen Abstecher mit dem Mietwagen nach Guadalajara und Tequila im Hochland von Mexiko. Die Hauptstadt Jaliscos hat uns beim letzten Besuch schon begeistert, und auch diesmal sind wir von der zweitgrößten Stadt Mexikos äußerst angetan. Guadalajara mit seinen schönen Plätzen, den beeindruckenden Gebäuden aus der Kolonialzeit und den farbenfrohen Märkten ist wunderbar lebendig und entspannt zugleich. Wir logieren in der Nähe der Kathedrale in einem frisch renovierten Kloster, einer ruhigen Oase mitten im Zentrum. In Tequila besuchen wir zwei Destillerien, die größte und modernst ausgestattete Tequila Fabrik Mexikos – Sauza, und Cascahuin, einen der ältesten Traditionsbetriebe. Bei beiden Anlagen erhalten wir eine private Führung mit anschließender Tequila-Verkostung – und bei beiden „Hofläden“ decken wir uns mit dem Agaven-Drink ein, als wollten wir einen Spirituosen-Laden eröffnen. Tequila wird uns in den nächsten Jahren auf der KALI MERA nicht ausgehen… .

Zurück in La Cruz wird der neue Gefrierschrank eingebaut und unsere Fisch-Spezialitäten übersiedeln zurück auf die KALI MERA. Wir hingegen segeln weiter nach Süden, in mehreren Tagesetappen in die wohl schönste Bucht der mexikanischen Pazifik-Küste, Tenacatita.  Vor Anker liegend ist hier ausreichend Zeit für einige Reparaturen und technische Verbesserungen am Boot. Der Dieselgenerator läuft seit zwei Jahren nicht mehr sauber, bei hoher Last qualmt er dunkel, er stottert und der Luftfilter verölt. Das Serviceteam des Herstellers Fischer-Panda vermutet einen Schaden am Zylinderkopf, ich denke eher, dass es mit der Abluft zusammenhängt. Einen Tag lang hocke ich in der Backskiste und kämpfe mit den festgerosteten und vernudelten Schrauben vom Abgaskrümmer (da hat anscheinend vor mir schon einer herumgepfuscht). Als ich den Übeltäter dann endlich in den Händen halte (den Krümmer, nicht den Pfuscher), ist alles klar, der Auspuff ist mit Ablagerungen zugewachsen, eine Art schwere Bronchitis also.  Nachdem ich das Zeug mit dem Schraubenzieher „herausstemme“ und den Kanal wieder öffne, läuft der Generator wieder „wie ein Glöckerl“.

Hier in der Tenecatita bekommen wir Besuch, unser Sohn Timi verbringt zwei Wochen am Boot und wir freuen uns, ihn hier verwöhnen zu können. Gemeinsam segeln wir nach Barra, machen einen Ausflug zum secret beach, einer wildromantischen Bucht, in der tosende Wellen gegen den steilen Sandstrand donnern. Alle wollen Schwimmen, einer (Überraschung: Herbert!) muss probieren ob es gefährlich ist, dann wagen sich alle hinein. Der Ankerplatz vor Las Hadas in Manzanillo wird heuer unser südlichster Punkt – denn wir müssen zum “Carnaval”, den großen Umzug sehen – und von dort aus geht es für Timi leider auch schon wieder zurück nach Hause.

Wir sind wieder “allein daheim” und verholen uns zurück in die Tenecatita, um dort noch ganze drei Wochen Meer, golden glitzernden Sand, Marktbesuche im gegenüberliegenden La Manzanilla zu genießen und vom privaten “Mirador“ (spanisch für Aussichtspunkt) balzende Kormorane und riesige Vogelschwärme bei der Jagd zu beobachten. In den Morgenstunden ist auf der KALI MERA „Bürozeit“ und wir arbeiten – Starlink-sei-Dank – mit ausgezeichnetem Internet, der Rest des Tages ist Freizeit. Abends treffen wir uns mit anderen Seglern, manchmal gibt es ein Lagerfeuer mit Wein, Tanz und Gesang am Strand, hin und wieder grillen wir frischgefangenen Fisch. Es ist paradiesisch schön hier, ein kilometer-langer naturbelassener Sandstrand, türkises Meer, eine kleine Palapa im Palmenhain und ein völlig geschützter ruhiger Ankerplatz.

Zwischenzeitlich ist es März geworden, die Segelsaison hier an der „Goldküste“ geht langsam zu Ende, aufkommender Südschwell lässt immer öfter hohe Wellen an den Strand rollen, und für uns bedeutet dies das Signal, wieder die Rückreise nach Norden in Angriff zu nehmen, zwar wehmütig, aber auch schon wieder voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit Familie und Freunden daheim in Österreich. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen wir Anker auf….

Segelsaison 2022 – Marina, Marina, Marina

Seit über einem Jahr ist der KALI MERA Blog verwaist. Ist unsere einst so lebendige Homepage in Pension gegangen? Schwimmt die KALI MERA noch? Sind wir Landratten geworden? Nein – Ja – ein wenig.

Das Jahr 2022 war kein Segel-High-Light für uns. Ende 2021 haben wir unser Boot nach einer wunderschönen Reise durch die Sea of Cortez wieder wohlbehalten in „unsere“ Marina in Mazatlan zurückgebracht, alles eingemottet und „Hurrikan-sicher“ verstaut.  Dann hängten wir noch einige Tage Landreise an, mit dem Mietwagen ging es durch Gegend zwischen Mexiko City und Vera Cruz an der Karibik-Küste, wir haben alte Steine bewundert, Heuschrecken gegessen, Kaffee gekauft und dann noch kurz „unser“ Puebla besucht. Danach zurück nach Wien, zur Familie, zur Arbeit, zum bürgerlichen Leben. Corona-bedingt haben wir beide in Wien wieder Anker geworfen, Projekte begonnen, die Praxis wieder aufgesperrt, Geld verdient, sind wieder „normal“ geworden.

Der Höhepunkt des Jahres 2022 war die Geburt unseres Enkels Maxi im Juni, ansonsten ist die Zeit bis zum November langsam und zäh dahingeflossen, schwierige Arbeit im Büro, Corona ständig um uns, bedrückende Stimmung durch den Krieg fast vor unserer Haustüre, die unbeschwerte Freiheit am Boot war schnell ganz weit weg.

Anfang November war unsere Rückkehr nach Mexiko eingetaktet um wieder für längere Zeit zum Aussteiger zu werden. Anfangs lief noch alles wunderbar nach Plan, kein Zollbeamter hat diesmal versucht unser Gepäck zu untersuchen, wir haben wohl mit unseren riesigen Packtaschen wie echte Touristen ausgesehen.  Immerhin haben wir neben dem üblichen technischen Krims-Krams, den ganzen Ersatzteilen, Schoten und Fallen, Schäkeln und Schrauben, Ladegeräten und Solarreglern … diesmal auch noch ein Groß- und Besan-Segel mit eingepackt, maßgeschneidert in der Türkei, wir waren also beladen wie eine Karawane mit 20 Kamelen.

Die KALI MERA durften wir genau so vorfinden wie wir sie verlassen haben, alles hat auf Anhieb funktioniert, technisch alles perfekt, nach 10 Monaten ist der Motor sofort angesprungen, nur der Generator, der seit längerer Zeit immer extra gebeten werden musste, war beleidigt.  Aber als ich dann die defekte Dieselpumpe entdeckt und getauscht habe, hat er seine schlechte Stimmung aufgegeben und war wieder mit Freude bei der Arbeit, in bester Laune, so wie in alten Zeiten.

Auf Empfehlung von Segelfreunden hatten wir bei Carl Wu in China drei 200AH Lithium Batterien bestellt, die Lieferung hat perfekt funktioniert, den Einbau, der  einen größeren Umbau der Elektroanlage erforderte, hatten wir noch vor uns.  Aber zuerst war „Werftaufenthalt“ angesagt, nach vier Jahren im Wasser war es Zeit das Antifouling neu zu machen und die Servicearbeiten für C-Drive und Bugstrahlruder durchzuführen.  Kaum war die KALI MERA an Land aufgebockt, kommt eine Nachricht von unserer Familie zu Hause, die es notwendig macht mit dem nächsten Flug nach Wien zurückzufliegen.  Damit wir die KALI MERA in der Werft stehen lassen dürfen müssen wir Arbeiten beauftragen, also leisten wir uns die schon seit langem überlegte Änderung der Wasserlinie (die Gute hängt mit „dem Hintern“ etwas zu tief im Wasser und ich muss dort immer Algen putzen) und wir lassen den ganzen Rumpf neu lackieren.

Wieder daheim wird uns schnell klar, dass wir unsere Segelpläne für 2023 ändern müssen. Ich (Herbert) fliege zwar noch einmal für eine Woche zum Boot, um die KALI MERA von der Werft wieder zur Marina zurück zu verlegen, installiere noch die Lithium Batterien, und mach dann wieder alles dicht und zurück geht’s nach Hause, rechtzeitig für Weihnachten.

Unser Törn im Jahr 2022 war insgesamt damit die beachtliche Strecke von ungefähr einer ganzen Seemeile, von Marina zur Werft und wieder zurück. Das dürfte wohl die teuerste Meile sein, die wir bisher gesegelt sind. Und bei einer Jahresstrecke von einer Meile müssen wir ziemlich alt werden, um noch in die Südsee zu kommen.

Und genau diese Südsee, die wir eigentlich als nächstes ansteuern wollten, die wird nun auch noch etwas länger auf uns warten müssen.  So wie es aktuell aussieht wird die KALI MERA mit uns im Mai schon wieder Richtung Panama unterwegs sein, ein kleiner Abstecher ins Mittelmeer wird notwendig bevor wir wieder Kurs Südpazifik anlegen.

Bahia de los Muertos bis Mulege

Nur 190 Seemeilen sind es von Mazatlan bis zur Bahia de los Muertos, der stillen Bucht im Südosten der  Baja California, doch die eineinhalb Segeltage sind wie eine Reise zu einem anderen Kontinent.  Nach dem immer noch trüben, von Pamela aufgewühlten Meer vor der Festlandküste segeln wir nun in kristallklarem ruhigen Wasser. Tiefblau ist es auf Hoher See, wo die Delphine am Bug spielen, türkis in den Buchten, wo wir den Anker am Grund liegen sehen. Wir tauschen Palmenhaine und schwüles Tropenklima gegen Felsenwüste mit riesigen Kakteen, gut ausgebaute touristische Infrastruktur gegen einsame Buchten, und wir tauschen Supermärkte und Restaurants gegen unsere Angeln und gelegentlich gegen eine Palapa am Strand. Board-Alltag stellt sich wieder ein, Fischen, Schnorcheln, Lesen, Wandern, kleine Boardarbeiten, und unser innerer Rhythmus beginnt wieder im Einklang mit unserer Umgebung, mit den Gezeiten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, zu schwingen. Hier im Golf von Kalifornien ist die Zeit eine andere, alles wird langsamer und nach einigen Tagen ist unser Blick nicht mehr auf „vorne“ fixiert, er wird weit und wendet sich schließlich nach Innen. 

homeward bound

„Aus is und gar is, a Schmarrn is, dass’s wahr is!“ Frei nach dem Monaco Franze, Winter in der Sonne, ohne Lockdown und mit viel Salzwasser, vorbei!

Die KALI MERA liegt fest vertäut in Mazatlan und wir sind wieder in Österreich, ebenso fest angebunden, aber halt im Homeoffice mit „Ausgangssperre light“. Wir hatten eine angenehme Rückreise und einen leidlichen Kulturschock bei unseren Ankunft, nach drei Monaten in Land der fröhlichen Menschen sind die ersten Stunden im Pandemie-geplagten Wien eine Rosskur gegen zuviel gute Laune.  Aber es kann sich kein Heimkehr-Blues breit machen, wir sehen endlich Familie und Freunde wieder, das weltbeste Gegenmittel, und dann erwacht auch noch der heimatliche Frühling und wir freuen uns wieder daheim zu sein.

Die Tage in Mexiko hatten dieses Jahr etwas ganz Besonderes, nicht nur weil wir diesmal „fulltime“ gearbeitet haben, ein etwas anderes Homeoffice, es war kein richtiger Urlaub aber sehr wohl eine „Auszeit“, ein Luftholen und Energie-Tanken. Es war eine ruhige, aufmerksame und vorsichtige Zeit, weit entfernt von Influencern und Party-Touristen, eine Zeit in der wir erfahren konnten, wie Menschen ohne enges soziales Netz mit dieser weltweit so schwierigen Situation zurechtkommen, eine lehrreiche und bereichernde Zeit, für die wir sehr dankbar sind.

Und nun freuen wir uns voll Optimismus auf Frühling und Sommer hier in Österreich, unsere KALI MERA wissen wir in guten Händen, und im Herbst schon werden wir sie wieder besuchen…

die Highlights des Winters

work sail balance

Ständig kommt mir der Begriff „Work Life Balance“ unter. Muss eine unglaublich wichtige Sache sein, googled man das kommt man auf ca. 1.440.000.000 Ergebnisse. Für mich ist schon der Begriff ein ausgemachter Unsinn. Als ob es eine Trennung zwischen Leben und Arbeit gäbe. Lebt man bei der Arbeit nicht? Immer wieder muss ich erkennen, dass es bei manchen eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Verstand gibt, aber lebendig waren dabei bisher noch alle. „Work Brain Balance“ wäre also ein viel besseres Thema, oder die „Work Sleep Balance“, die macht auch mehr Sinn, da gibt es sogar ganz besondere Synergien, der überaus gesunde Büroschlaf ist hier zu nennen, oder auch der ehrenwerte Beruf des Matratzentesters, den unser mittlerer Sohn im Kindesalter auf neugierige Fragen von Bekannten „was willst Du denn einmal werden?“ als sein Ziel angegeben hat. Oder eben auch Work-Sail-Balance. Dieser Ausgleich beschäftigt uns derzeit intensiv, sind wir doch dem Lockdown, der Kälte, den geschlossenen Restaurants, den ununterbrochenen Virusbotschaften und den langen dunklen Winternächten Richtung Mexiko entflohen, ohne einen Urlaub fern von allen beruflichen Verpflichtungen anzutreten.

Corona hat auch seine Vorteile, für uns ist es die kompromisslose Umstellung unserer Arbeitsumgebung auf Remote-Work, die unsere KALI MERA ins Homeoffice verwandelt. Wir haben sogar den Luxus eines eigenen Arbeitsraums (kombinierte Gästekabine, Fernsehzimmer und Arbeitszimmer), und das gibt mit der Salon-Küche-Navigations-Esszimmer-Arbeitskombination komfortablen Platz für zwei im Homeoffice. Internet gibt es aus der Handy Wertkarte, 8GB kosten 25 Euro, 5GB benötige ich pro Tag, die Datenübertragung ist ausgezeichnet, webex und Zoom funktionieren besser als bei manchen Kollegen im Büro im guten alten Europa. Wir haben hier anscheinend Heimvorteil im Land des Herrn Slim, Telcel sticht Telekom.

Gewöhnungsbedürftig ist der Zeitunterschied, 7 Stunden früher ist es hier, das Daily Meeting, der Startschuss zum Bürotag, das in Wien erst zur Developer-freundlich-späten Stunde von 09:30 beginnt, wirft mich hier schon um 02:00 früh aus den Federn, um spätestens um 02:15 zur Arbeit adjustiert und auf den Tag vorbereitet zu sein. Muss ein Termin schon vor 09:00 stattfinden, dann heißt es kurz nach Mitternacht aus der Koje zu kriechen. Dafür ist das Tagwerk schon spätestens zu Mittag erledigt und der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Gibt es zwischen den Video-Konferenzen eine kurze Pause dann nutze ich die Zeit manchmal zum Brot backen, dann gibt es zum Frühstück warmes Brot direkt aus dem Backofen. Der Nachteil der Schichtarbeit ist chronischer Schlafmangel, mein einziges Rezept dagegen: früh Schlafen gehen und einen „nap“ am Nachmittag.

Tadeja teilt sich Ihre Arbeit besser ein und kann ihre Termine ganz gut auf unseren Vormittag legen, sogar Ihre gewohnte Yoga Stunde über Zoom geht sich dabei aus.

Noch vor einem Jahr war es völlig unvorstellbar, dass für uns beide ein Fullltime Job am Boot ohne Einschränkungen von Arbeitsqualität oder Leistung möglich wäre. Während sich die Welt nur einmal um die Sonne drehte ist ein neues Segler-Arbeitsleben möglich geworden. Wo es (Corona) Schatten gibt, da gibt es – Gottseidank – auch Licht!

Und so genießen wir dieses besondere Geschenk, ohne jeden Urlaubsverbrauch hier auf der KALI MERA zu sitzen, uns auf Ihr mit dem langsamen Walzer, den Sie vor Anker täglich mit den Gezeiten tanzt, mitzudrehen, Sonne und Salz auf der Haut und den Wind in den Haaren (Tadeja mehr und ich weniger) zu spüren und den Arbeitstag mit langen Strandspaziergängen auf dem goldenen Korallensand zu beschließen. Dafür nehmen wir gerne die Nachtarbeit und das weniger gut ausgestattete Büro in Kauf.

Arbeiten und Segeln als Teil unseres Lebens kombinierbar, was für ein Genuss!

Tenacatita Reloaded

Die mexikanische Pazifik-Küste ist eher ein Revier für Big-Game-Fischer, Power-Boat-Machos, Shrimps-Trawler und pensionierte Boots-Camper, aber nicht für Segler. Der Nordwest Wind weht praktisch ausschließlich parallel zur Küste, damit gibt es nur Vorwind oder direkt-auf-die Nase-Kurse, eine Strömung von 1-2 Knoten hat man immer gegen sich, ganz egal in welche Richtung man will, das ist wohl ein von Murhpy erfundenes Naturgesetz (wie der Gegenwind beim Radfahren). Windstärke üblicherweise 6 – 15 Knoten, die 6 Knoten natürlich dann, wenn man nach Süden unterwegs ist, die 15 Knoten von vorne, wenn man wieder zurück will. In drei Worten: nix zum Segeln! Daher verwenden die Mexiko-Segler keine Segel sondern den Motor, oder es wird gleich über Wochen oder Monate in einer Bucht geankert um jede Schiffs-Bewegung zu vermeiden.

Wir dagegen wollen segeln, müde des „motorens“ haben wir in Punta Mita auf eine durchziehende Front gewartet, die uns dann mit Starkwind bis zu 30 Knoten und einer ekelhaft steilen kurzen Welle die 130 Meilen nach Tenacatita unter Segel heruntergeschüttelt hat. Knapp sieben Knoten Fahrt durchs Wasser und dennoch nicht einmal fünf Knoten über Grund, natürlich Strömung gegen Wind und uns. Aber immerhin – ohne Diesel. Und belohnt werden wir dann wieder durch die Schönheit der Bucht Tenacatita, den friedlichen und ruhigen Ankerplatz, die Buckelwale, die uns am Eingang der Bucht erwarten, die Delphinfamilie, die jeden Vormittag um die ankernden Boote spielt, die Rochen mit ihren Luftsprüngen, den traumhaften Sandstrand, und endlich die Möglichkeit wieder die Seele baumeln zu lassen und unsere inneren Batterien, denen das Jahr 2020 wie so vielen auch ordentlich zugesetzt hatte, wieder einmal richtig aufzuladen.

Wir sind hier das einzige europäische Boot, alles ist fest in nordamerikanischer Hand. Die kanadischen „Snowbirds“, so werden die Pensionisten genannt, die aus dem Winter nach Mexiko in die Sonne fliegen und Rentner aus den USA verbringen hier die „kalte Jahreszeit“, der Altersdurchschnitt der Crews muss auf die 70 zugehen, eine ganz eigene Community hat sich hier entwickelt. In den wenigen geschützten Ankerplätzen sind nautische Schrebergärten entstanden, in der Früh wird mit der täglichen Funkrunde der Tag gestartet, Neuankömmlinge werden begrüßt, der Wetterbericht ausgetauscht, seine „Treasures of the Bilge“ versucht man zu verramschen, und dann werden gemeinsame Ausflüge mit dem Dinghi zum Strand organisiert, um bei Risikosportarten wie Boccia nervenzerfetzende Tourniere abzuhalten. Dinghis flitzen zwischen den Booten hin und her, American-Coffe-Kränzchen finden statt, und in diesem Schrebergarten Tenacatita, mitten drinnen in dem Abenteuerspielplatz der Snowbirds, da schwimmt auch die KALI MERA gut gelaunt und dreht sich zwei mal am Tag mit den Gezeiten langsam um ihren Anker, und wir auf ihr (und nicht am Strand beim „boccie ball“, weil unser tägliches familiäres „Schnapsen-Tournier“ ist uns schon genügend Aufregung und Social Activity).

Die Zeit vergeht schnell, ich habe ausreichend Material für „Boots-Projekte“ mitgenommen und so wird nun gesägt und gebohrt, verkabelt, geschraubt, installiert und konfiguriert, und auch ein wenig repariert. Neue Instrumente, raffinierte indirekte Beleuchtung im Salon, Umbau der Installation des Wassermachers, neue schwarz glänzende Acrylplatten hinter den Navigationsgeräten, viele kleine Verbesserungen und „Verschönerungen“. Unsere nun schon 26 Jahre alte Dame hat die 11 Monate Stehzeit gut überstanden, es hat auf Anhieb fast alles funktioniert, nur die Frischwasser-Pumpe und ein Motorlüfter haben den Geist aufgegeben, Ersatzteile waren aber Gottseidank an Board, jetzt läuft wieder alles, – oder fast alles: Das AIS hat sich in der langen Stehzeit so ans alleine sein gewöhnt, – es sendet zwar, sobald man es aber ins Netzwerk hängt sind alle Raymarine Geräte nicht mehr erreichbar. Vielleicht übt es „Social Distancing“? Soll es halt alleine bleiben, wir haben eine Ersatzlösung über das Funkgerät. Mir macht das „Herumwerkeln“ am Boot ungeheure Freude, schon das Organisieren der ganzen Teile daheim, das Planen und dann auch die Einbauten, die handwerkliche Arbeit, die Erfolgserlebnisse wenn etwas funktioniert und besser oder schöner wurde, ein wunderbarer Ausgleich zur ständigen Bildschirmarbeit daheim. Apropos Arbeit: Auch unser Job hat uns nun wieder, die nächsten vier Wochen sind wir webex-, zoom- und whatsapp-sei-Dank beide wieder halbtags im Dienst, die Zeitdifferenz ist da eine gewisse Herausforderung, aber an Nachtwachen sind wir ja gewöhnt, und unsere Arbeit mögen wir!

Die restliche Zeit verbringen wir mit Spazieren gehen, Kochen, und vor allem Lesen. Ich trau es mich fast nicht sagen, aber ich habe mich nach nunmehr 40 Jahren Abstinenz wieder auf die dicken Perry Rhodan Sammelbände gestürzt (in einem Anfall von „Gehirnfasten“) und in den letzten Tagen die ersten sechs davon gelesen (ca 20 habe ich noch vor mir…). Großartig, am meisten Freude machen mir die Stellen, in denen die nur Armbanduhr-großen Mikro-Funkgeräte verwendet werden (Wunderdinge der extraterranischen Mikromechaniker), oder wenn das allmächtige Positronen-Gehirn auf der Venus mit Informationen auf Plastikkarten gefüttert wird, oder wenn die Videophon-Konversationen auf Bänder aufgezeichnet werden um dann mit Funk in den Hyperraum übermittelt zu werden, vorher müssen jedoch die Röhren der Verstärker warm laufen…

Im Gegensatz zum letzten Jahr ist das Meer heuer kalt, knapp über 20 Grad hat es nur, und durch eine Algenblüte ist es auch trüb, also kein Schnorcheln oder Tauchen, leider. An manchen Tagen haben wir sogar eine sogenannte „Red-Tide“, da nehmen die Algen so überhand, dass sich das Meer blutrot färbt, keine Einladung zum Schwimmen! Dafür ist die Szenerie in der Nacht umso eindrucksvoller, fluoreszierende Delphine leuchten im dunklen Wasser und ziehen eine langen funkelnden Kometenschweif hinter sich her wenn sie in der Nacht um das Boot zischen, leuchtende Spiralen im Wasser, ein unwirklicher Anblick, könnte auch in einer von Perry Rhodans fremden Welt spielen.

In der Hoffnung auf ein Meer ohne Algen machen wir einen Abstecher in die 30 Meilen nördlich gelegene Bucht Chamela, dort ist das Wasser aber so intensiv rot, als ob Familie „Weißer Hai“ gerade gemeinsam mit den vielen Badegästen einen weihnachtlichen Festschmaus abgehalten hätte, wir ziehen den Parasailer hoch und lassen uns von dem riesigen Leichtwindsegel und der sanften Brise wieder zurück in die Tenacatita schieben. Hier bleiben wir nun, die paar Algen hin oder her, es ist wunderschön.

zurück nach Mazatlan, Bootsarbeiten

Um diese Jahreszeit gibt es an der mexikanischen Pazifik-Küste überwiegend Nordwind. Er weht normalerweise genau so stark, dass er für ein komfortables Vorwind-Segeln zu schwach ist (Schaukelei am Weg nach Süden) und wenn man nach Norden zurück möchte, dann reicht er aus, um die Strecke gegen Wind und Welle richtig unangenehm zu machen. Dieser Teil Mexikos ist kein Revier für Segler die ohne Diesel auskommen wollen.  Maximal ein Drittel der Strecke schaffen wir es ohne Motor-Unterstützung, meistens läuft die Maschine mit geringer Drehzahl mit und hilft den Segeln.

Die Bosheit des Universums sorgt dafür, dass der Wind genau dann, wenn wir zurück nach Norden müssen, stärker wird und wir ohne „ein Wetterfenster“ festsitzen. Ungefähr alle zwei Wochen gibt es vom Tehuantepec herauf eine Front, die an der Küste für ein bis zwei Tage für einen Windwechsel sorgt, und eine solche nutzen wir aus. Die 300 Seemeilen nach Mazatlan fahren wir in einem durch und kommen vor der Rückkehr des  Nordwinds wohlbehalten in der Marina an.  

Wir starten sofort die Arbeiten zum „Einsommern“ um noch etwas Zeit für einen Landurlaub ins Hochland von Mexiko zu haben. Drei intensive Tage brauchen wir, um unsere Checkliste abzuarbeiten, dabei haben wir schon viel Routine und sind – im Vergleich zu früher – richtig schnell.

Für die Lagerperiode putzen wir die KALI MERA innen und außen, die Essens-Vorräte schenken wir her, an Lebensmitteln bleiben nur lang haltende Konservendosen an Board, Textilien kommen zur Wäscherei, und die ganze Technik wird serviciert.  

Kaum sind die letzten Handgriffe erledigt, sitzen wir auch schon im Taxi zum Flughafen, bevor wir wieder zurück in den Winter müssen haben wir zum Akklimatisieren noch einige Tage im Hochland von Mexiko vor uns (Tadeja wird dazu im letzten Blog-Beitrag dieser Saison berichten…).

Gut Fünf Wochen haben wir am Boot verbracht, es war eine wunderbare Zeit am Wasser, der Aufwand dafür ist aber auch enorm. Die KALI MERA aus dem Sommerschlaf wecken, alles herrichten, Reparaturen, Wartungsarbeiten, und wieder fürs Lager bereit machen, es gehört eine große Portion Liebe zum Schiff und diesem Lebensstil dazu, um sich das alles anzutun.

Als ich – vor vielen Jahren – mit der Idee einer langen Segelreise schwanger wurde, jedes mir in die Hände gefallene Buch über Weltumsegelungen gelesen und die Reiseblogs der Weltumsegler sehnsüchtig verfolgt habe, da bin ich mehrfach auf den Satz „Weltumsegeln heißt, sein Boot an den schönsten Plätzen der Welt zu reparieren“ gestoßen. 

Gottseidank macht es mir Freude am Boot herumzubasteln, Verbesserungen einzubauen, die Ausstattung zu optimieren, und im Laufe der Zeit hat sich auch so einiges an Boots-Know-How angesammelt um so gut wie alles selbst machen zu können. 

Diese Form des Reisens ist oft anstrengend und manchmal sogar ziemlich ungemütlich, es ist ein gelebter Traum, aber dieser hat seinen Preis. Die KALI MERA ist eine anspruchsvolle Geliebte, sie fordert und ist alles andere als bescheiden, und sie rächt sich, wenn sie vernachlässigt wird, man kann sie nicht einfach auf die Seite stellen wie ein Auto, sie benötigt kontinuierliche Aufmerksamkeit. Lebt man ganzjährig am Boot, dann ist es einfacher, weniger komprimiert, es ist dann mehr Zeit verfügbar um sich ihr gebührend zu widmen.  Eigentlich wollte ich hier auch noch auflisten,  was so an typischen Service-Arbeiten zu tun sind, aber Tadeja hat mir klar gemacht, dass das niemanden interessiert. Ich habs dann trotzdem geschrieben, aber hier abgelegt.

Ein Segelboot, auch wenn von einer Serie mehrere 1000 Stück gebaut werden, ist immer ein Prototyp, ist nie vergleichbar mit einem Auto, von dem Millionen an Einheiten gebaut werden und bei dem Kinderkrankheiten schon längst behoben sind, wenn es auf den Markt kommt. Boote sind unglaublich wartungsintensiv, und das liegt nicht nur am Salzwasser, jedes Boot hat seine Besonderheiten, hat etwas andere Komponenten, nur Baunummern, die unmittelbar aufeinander folgen, sind einigermaßen gleich. Unsere Amel Santorin mit der Baunummer 120, ein ausgereiftes Exemplar seiner Gattung, ca 150 wurden insgesamt gebaut, glänzt durch außerordentlich hohe Verarbeitungsqualität, und dennoch muss man ihre ganz besonderen Eigenheiten und Vorlieben erst einmal verstehen, um sie bei Stimmung halten zu können.  Im Gegenzug bekommt man die gute Pflege dann auch wieder abgegolten, durch Zuverlässigkeit bei unangenehmen Bedingungen, durch Sicherheit in sonst brenzligen Situationen, durch Komfort der uns das Leben auf so engem Raum oft leichter macht. 

Wer sich – wie wir das getan haben – auf das Abenteuer Blauwassersegeln einlässt, der muss damit rechnen, dass die Sonne nicht immer scheint, die Bilder aus den Segelmagazinen nur einen Teil der Wirklichkeit darstellen, der muss sich mit der Technik beschäftigen können und wollen, darf weder vor der Mechanik, den Motoren oder der Elektronik zuviel Scheu haben und muss sich hier selbst zu helfen wissen, mit Boardmitteln, weil die Dinge dazu neigen, vor allem dann nicht mehr zu funktionieren, wenn man irgendwo im Nirgendwo ist.

Wir haben durch dieses Abenteuer viel gelernt, nicht nur „Technik“, auch Selbstvertrauen und Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Optimismus, Vertrauen darauf, dass wir mit jeder Situation zurechtkommen, auch wenn man keinen Pannendienst rufen kann.  Es war eine Investition in uns selbst, keine Vergnügungsfahrt, sondern ein Weg zu einem neuen Lebenstil, ein Weg, bei dem wir bisher keinen Schritt bereut haben. 

Bootsarbeiten 12/2019 – 01/2020

Inbetriebnahme nach dem Sommerlager:

  • Bootsabdeckung und Persenning abbauen
  • Impeller bei Generator und Hauptmaschine einbauen
  • Wassersammler beim Generator anschließen
  • Segel und Leinen kontrollieren
  • Diesel kontrollieren
  • Innen und außen putzen
  • Logge montieren
  • Außenplotter montieren
  • gesamte Technik checken

Wenn nichts zu reparieren ist, dann besteht das technische Service-Programm beim „Einsommern“ unserer KALI MERA zumindest aus:

  • Ölwechsel bei Generator und Hauptmaschine,
  • Wechsel von Öl- und Diesel Filter,
  • Getriebeöl wechseln
  • Spülen der Motoren mit Süßwasser,
  • Konservieren des Wassermachers, Ausbau und Spülen der Filter
  • Prüfen und Reinigen der Ankerkette (ich reinige die Edelstahlkette mit Phosphorsäure, das zeigt genau ob und welche Glieder von Lochfraß beeinträchtigt sind, Problemstellen werden dann repariert),
  • Segel reinigen und prüfen,
  • Furling und Vorstag entsalzen,
  • Bimini und Sprayhood reinigen und abbauen, 
  • Rigg mit Süßwasser spülen,
  • Winchen prüfen und tw. schmieren,
  • Dinghi reinigen,
  • Außenboarder im Süßwasser laufen lassen, Storage Seal in die Zylinder sprühen, Benzin aus dem Vergaser entfernen, Getriebeöl wechseln
  • Diesel konservieren,
  • Wassertank konservieren,
  • Toiletten mit Süßwasser spülen,
  • Fensterdichtungen schmieren,
  • Leinen waschen,
  • Logge ausbauen,
  • Backskisten ausräumen und reinigen,
  • Fahrräder konservieren,
  • Gas und Diesel absperren,
  • Außenplotter abbauen,
  • Bäume abspannen,
  • Kakerlaken- und Ameisenfallen aufstellen (zur Sicherheit),
  • Wasser bei den Batterien nachfüllen,
  • Schnorchelausrüstung waschen
  • Entfeuchter aufbauen
  • Bootsabdeckung montieren.

Meistens sind aber noch einige Reparaturen durchzuführen die bis zum Ende warten mussten, diesmal war die Furling von der Genua dran und zwei neue flexible Solarpanele, der Rest war schon erledigt. Dieser Rest war diesmal gar nicht so viel, aber einige Dinge hatten es in sich:

  • Die Volvo Hauptmaschine mit einem Kettenzug anheben, Kupplung demontieren und dann Motor und Antrieb korrekt ausrichten um die Vibrationen weg zu bekommen. Zwei Tage Arbeitslager im Motorraum.
  • Die Wasserpumpe beim Volvo erneuern.
  • Die Bilgepumpe, an der ich schon seit 5 Jahren herumbastle, mit den richtigen Ersatzteilen (Rückschlagklappen) endlich wieder „wie neu“ zu machen.
  • Die Dieselheizung wieder zum Heizen zu bringen, hier hat die Dieselpumpe Nachhilfe benötigt (Wir brauchen zwar derzeit keine Heizung, aber ich mag es einfach nicht wenn etwas an Board nicht funktioniert. Zu lange haben wir die Heizung nicht verwendet, was an Board nicht gebraucht wird, wird kaputt).
  • Die Küchenbeleuchtung mit LED Leisten auf den neuesten Stand zu bekommen damit Tadeja beim Abtrocknen jedes Fuzzelchen sieht, das ich beim Abwaschen übersehe.
  • Einen neuen Inverter für die Elektronik-Ecke einbauen,
  • alte Navigationsinstrumente im Cockpit ausbauen und eine schöne Plexiglas Abdeckung montieren, dort die neuen Instrumente einbauen.
  • Eine Anzeige für die Volvo Kühlwasser-Temperatur einbauen. Aus Gründen, die zumindest ich nicht verstehe, hat Amel beim Instrumentenpanel gespart und die Billig-Variante ohne Temperatur- und Öldruckanzeige eingebaut.
  • Die Bugkabine mit einem großen Flachbildschirm zum Kino umrüsten.
  • USB Steckdosen in der Bugkabine montieren damit Gäste ihre Smartphones laden können.
  • Ein zusätzliches Fall am Großmast montieren um endlich den Parasail fliegen zu können.
  • Und letztendlich den Einbau eines zusätzlichen Autopiloten zu projektieren, die Umsetzung ist dann ein Projekt fürs nächste Mal.

La Cruz nach Tenacatita

Logbuch-Auszüge:

La Cruz: rolliger Ankerplatz vor der Luxus-Marina, ehemaliger Fischerort, viele nette Lokale, gute Tacos. Marina Restaurant hervorragend (mit Sylvestermenü getestet).  Fest in amerikanischer Hand, überall Gringos.

  • Abenteuer: Fahrt mit dem lokalen Bus nach Puerto Vallarta.
  • Reinfall: Überteuerter Tauchausflug auf die Isla Marietas, einem Naturschutzgebiet mit fader grauer Unterwasserwelt.
  • Gefallen hat uns: entspannte Atmosphäre, gutes günstiges Essen, super Dinghi Dock.

Puerto Vallarta: Touristen und LGBT Hotspot Mexikos, Unmenge an Lokalen, Gringos wohin man auch immer schaut, Bankomate spucken hier Dollars statt Pesos aus. Zwei Besuche reichen uns, genug Tourismus für die nächsten Wochen. Pro: wunderbares Weihnachtsessen am Heiligen Abend.

Tenecatita: Paradies, schönster Ankerplatz der Westküste. Hier hält man es wochenlang aus. Türkises klares Wasser, ruhig, tolles Schnorchelrevier (ein Ankerplatz hat den passenden Namen „Aquarium“). Palapas am Strand, Mangroven-Dschungel-Tour mit dem Dinghi, Einfahrt in den Fluss vom Ankerplatz aus.   Treffen hier alte Bekannte, Lagerfeuer am Strand, Besuch einer Mescal-Distillery (Hicks).  Wollen nicht mehr weg, müssen dummerweise aber wieder zurück zur Arbeit. Verschieben die Rückfahrt nach Norden mit dem Scheinargument „Wetterfenster“.

Gefallen hat uns: alles!

La Manzanilla: netter sauberer Ort gegenüber von Tenecatita, mit dem Dinghi Full-Speed in 15 Minuten erreichbar. Ideal zum Frühstücken, Einkaufen, Müll entsorgen, bummeln.

Banderas Bay nach Tenacatita

Mazatlan nach Banderas Bay, Sturm und Wale

Am frühen Nachmittag, wenn die Tide kentert und die täglichen Baggerarbeiten in der Marinausfahrt kurz pausieren, da darf die KALI MERA endlich wieder von der Leine und hinaus in den blauen Pazifik. Alle Systeme funktionieren einwandfrei, und zu meiner großen Erleichterung sind auch die Vibrationen vom Volvo verschwunden, die Ausrichte-Aktion war erfolgreich.  Der Anker fällt knapp nach der Ausfahrt vom Marina-District vor einer kleinen Insel, wir wollen erst am nächsten Tag in der Früh weiter nach Süden. Die Küste südlich von Mazatlan bietet keinen Schutz, an einer Nachtfahrt führt kein Weg vorbei, der nächste Ankerplatz ist ca 140 Seemeilen entfernt.

Ich habe diesmal ein mulmiges Gefühl, immer noch haben mich die Nachwehen der Grippe im Griff, das Wetter ist nicht ideal, ein Sturmtief im Norden der Sea of Cortez bringt unruhige See und der schwache achterliche Wind reicht nicht aus um das Schiff unter Segeln zu stabilisieren. Die erste Nacht wird lange und Tadeja übernimmt bis in die frühen Morgenstunden die Wache, der Kapitän ist nicht fit.

Mit der Morgendämmerung frischt dann auch der Wind auf, die Segel spielen mit ihm, fangen ihn ein, blähen sich auf und beginnen zu ziehen und ohne das Wummern der Maschine beginnt das Schiff seinen Segel-Zauber zu entfalten, die nächsten Stunden bis zum Ankerplatz sind reiner Genuss. Wie in einer Lagune liegt die KALI MERA dann völlig ruhig vor Anker, und wir haben Zeit zum Nichts-Tun, und als der glutrote Ball hinter den Palmen versinkt zieht es auch mich schon wieder in die Koje.

Ein Frühaufsteher ist auch der nächste Tag, kaum blinzelt die Morgensonne über die Reling lichten wir den Anker und weiter geht es zur Banderas Bay, unserem ersten Etappenziel für diese Reise, dort wollen wir einige Zeit bleiben und die Weihnachtsfeiertage verbringen. Die Banderas Bay ist die größte Tiefwasser-Bucht Mexikos, das Winterquartier der Buckelwale, und der Absprungort für die Segler, die den „Pacific Puddle Jump“, die Überfahrt in den Südpazifik, in Angriff nehmen.

Als wir unter Maschine bei Windstille aus der Lagune tuckern bereite ich schon den Parasailor, unser großes Leichtwindsegel, vor. Schwacher achterlicher Wind ist angesagt, ein weiterer Motor-Segel-Tag soll vor uns liegen. Nicht die geringste Vorstellung haben wir von dem, was uns in den nächsten Stunden erwarten soll.

Ein Wind-Dreher, ein Zupfen and den Leinen, plötzlich sind Wellen da, sie haben sogar lustige weiße Häubchen, dann plötzlich weiße Bärte, weiße Mäntel, und schon sind wir mitten drinnen im Getümmel. Was soll denn das? Motorsegeln war eingeplant, nicht Sturm abwettern gleich nach dem Aufstehen! Vielleicht hat Aeolus schlecht geschlafen, oder Poseidon war mit Amphitrites Frühstück unzufrieden, irgendwo muss es jedenfalls ordentlich Stunk gegeben haben. Konstant 30 Knoten Wind, in Böen bis zu 40 Knoten, Sturmfahrt gibt es, der Schleudergang ist eingeschaltet und auf der KALI MERA geht es rund. Wir ändern den Kurs und laufen für einige Stunden auf raumen Wind dem Sturm aufs offene Meer davon, ungemütlich ist es, wir tragen Schwimmwesten und hängen in den Lifebelts.  Wären wenigstens die Seebeine schon gewachsen, aber nein, die kommen erst nach einigen Tagen. Stattdessen ist leichte Übelkeit zu Gast.

Nach vier Stunden wird der Wind dann wieder ausgeschaltet, genug für heute, und eine halbe Stunde später benötigen wir schon wieder die Maschine, um der Flaute zu entkommen. Die Wettergötter müssen verrückt sein!

Der Sturm ist überstanden und schon kommt die nächste Überraschung: die Buckelwale sind da! Auf diesen Moment wartet Tadeja schon seit Jahren, Wale rund ums Schiff! Überall sehen wir sie blasen, in Fontänen schießt der weiße Dampf in die Luft, eine grandiose Show wird uns von den riesigen Akrobaten geboten. Sie kommen direkt auf uns zu, tauchen unter der KALI MERA durch und lassen uns mit offenen Mündern an der Reling stehen.  Wenn die Wale blasen, und sich danach die mächtigen Lungen mit Luft füllen, da zischt und braust und orgelt es als ob Riesenkinder ein Didgeridoo gefunden hätten. Es ist ein Schauspiel der Extraklasse, was für ein ereignisreicher Tag!

Die Buckelwale paaren sich hier in der Banderas Bay, bringen hier Ihre Jungen zur Welt, und verbringen den Winter hier im seichten warmen Wasser. Gefressen wird nur im Sommer, in den nährstoffreichen Fischgründen Alaskas, im Winter leben sie ausschließlich von ihren Fettreserven (so wie bei uns die weihnachtliche Kekszeit dazu dient, den dann folgenden langen Winter zu überstehen), eine lange Entschlackungskur. Interessant ist auch, dass sie den Äquator normalerweise nicht überqueren, die Population im Nordpazifik pendelt zwischen Panama und Alaska, die südlichen Kollegen schwimmen zum Fressen in das südpolare Meer.   

Die KALI MERA ist jetzt ein Walfänger geworden, statt der Harpune eine Kamera, Tadeja-Queequeq steht gestikulierend und schreiend am Bug und Herbert-Ahab steuert mit eiserner Hand, immer dem Blas hinterher. Aber irgendwann sind die Ölfässer voll und wir steuern den sicheren Hafen von St. Cruz an, der leichte Wind passt für unseren Parasailor und wir lassen uns vom bunten Riesenflügel zum Ankerplatz für die Feiertage ziehen. Die Weihnachtsgeschenke haben wir heute schon von Mutter Natur bekommen.

Mazatlan nach Banderas, Sturm und Wale from zbertl on Vimeo.