Mexiko und Guatemala

Nachdem wir die KALI MERA in Chiapas wieder auf Vordermann gebracht haben geht es endlich ans Besichtigen, ein volles Programm wartet auf uns: Zuerst ein Tagesausflug mit anderen Seglern ins Landesinnere, der polyglotte Toni (er lehrt Englisch an der Uni, unterrichtet in seiner Sprachschule Deutsch und auch mit den Franzosen kann er sich fließend unterhalten) ist unser Fahrer und Guide. In einer Iguana-Aufzucht-Farm sehen wir tausende von den grün-grauen Gremlins, in einer Krokodilfarm besichtigen wir Gürtel, Brieftaschen und Schuhe im noch lebenden Zustand (ich glaube verarbeitet sind sie dann glüklicher), eine Mayja Ausgrabung besuchen wir und in einem kleinen traditionellen Kakao-Betrieb zeigt uns die betagte aber äußerst quirlige Chefin, wie sie den Kakao röstet, siebt, mahlt und zu einer Schokolade-Paste endverarbeitet, alles in Handarbeit wie schon seit über tausend Jahren. Dann geht es weiter ins Gebirge, zum Vulkan, in einem Bergdorf genießen wir lokalen Kaffee und die frische Luft.

Tags darauf buchen wir kurzentschlossen eine Fahrt mit dem Ticabus nach Antigua Guatemala. An der Grenze zu Guatemala (wir müssen aussteigen und die Formalitäten erledigen) werden wir sofort nach allen Regeln der Kunst ausgenommen, als Ticabus-Mitarbeiter „getarnte“ Betrüger führen uns zum Ausreiseschalter, alles muss ganz schnell gehen, der Bus wartet, ein riesiges Durcheinander wird inszeniert, dann sind plötzlich unsere Pässe weg, wir müssen „Einreisegebühr zahlen“, Geldwechsler scharen sich um und betrügen uns unter fachgerechten Anleitung unseres „Guides“, am Ende bekommen wir unsere Pässe mit einem Einreisestempel wieder, ohne jemals einen Offiziellen aus Guatemala gesehen zu haben. Wir sind ca. 150 Dollar ärmer und eine wertvolle Erfahrung reicher. Nicht nur uns, sondern auch zwei jungen deutschen Backpackern wird das Geld mit der gleichen Masche abgenommen, ein Monatslohn wird in wenigen Minuten ergaunert.

So unerfreulich der erste Kontakt mit Guatemala war, so schön ist dann dafür unser restlicher Aufenthalt. Die Tage in Antigua, der vielleicht schönsten kolonialen Stadt Mittelamerikas, vergehen schnell. Die alte Stadt ist in einem wunderbaren Zustand, die Häuser sind liebevoll renoviert, die schöne Architektur ist eine Wohltat, das Klima frühlingshaft. Von den Dachterrassen aus kann man den rauchenden und Feuer spuckenden Vulkan sehen, einen überlebenden Gott der Mayas, eine ständige Erinnerung an die Macht der Natur, erst letztes Jahr ist er in einer gewaltigen Eruption ausgebrochen und hat viele Menschenopfer gefordert.

Die Stadt ist blitzsauber und völlig sicher, es gibt wunderbare Kaffeehäuser und Restaurants, wir flanieren herum und lassen es uns gut gehen, genießen die Atmosphäre und die Kulinarik, und tauchen abends in die Musikszene ein. Auf unseren Streifzügen wandern wir auch etwas aus der Altstadt hinaus, sobald wir die touristische Zone verlassen da ändert sich der Eindruck leider schlagartig, Berge von Unrat und Schmutz liegen neben der Straße, und die Armut ist überall greifbar, ein schmerzhafter Kontrast.

Nach Flores leisten wir uns den Luxus eines Fluges, dort verbringen wir zwei Tage in entspannter touristischer Atmosphäre, viele Backpacker haben es sich hier gemütlich gemacht, es ist eine bunte internationale Gemeinschaft. Um halb fünf in der Früh sitzen wir schon im Bus von Flores nach Tikal, damit wir zu den ersten Besuchern gehören und die Anlage noch „für uns alleine“ haben (um sechs Uhr wird aufgesperrt und wir sind die ersten Gäste). Wir nehmen nicht den Hotel-Bus um 50 Dollar sondern den Minibus um 10 Dollar, vollgepackt mit jungen Reisenden aus aller Herren Länder, guter Stimmung und junger frischer Energie. Tikal ist großartig, auch wenn wir die mexikanischen Maya Highlights schon fast alle besucht haben, diese Ausgrabung übertrifft unsere Erwartungen. Ein riesiges Areal, gewaltige Tempel im Dschungel, es ist so weitläufig, dass sich die Besucher „verlaufen“, an manchen Plätzen kann man ganz alleine und in völliger Ruhe die Stimmung aufnehmen, viele Pyramiden, Tempel und Paläste kann man „erklettern“ und hautnah entdecken. Ungefähr eineinhalb Jahrtausende war Tikal das politische, kulturelle und spirituelle Zentrum der Majas, das Ende kam dann nicht durch Kriege, wie sonst so üblich, sondern durch Klimaveränderungen. Die Stadt musste aufgegeben werden und der Dschungel holte sich in kurzer Zeit zurück, was ihm von über 100 Generationen abgerungen wurde.

Neun Stunden streifen wir durch die gigantische Anlage und haben immer noch erst einen Teil gesehen, vieles ist noch nicht ausgegraben und schlummert unter dichtem Bewuchs, überall kann man Hügel erkennen unter denen Tempel und Pyramiden von vergangener Größe träumen, bis sie irgendwann, gekitzelt durch Archäologen, wieder aufwachen werden. Nach dem Pyramiden-Wandertag geht es mit dem Bus zurück nach Flores, begeistert, hungrig und müde – aber nach einem Service-Stop im Restaurant wird der Abend noch einmal sehr nett, auf der großartigen Dachterrasse der Absteige unserer Tikal-Busbekanntschaften (Booking.com: „Achtung, Bettwanzen“) hören wir die Lebens- und Reisegeschichten einer jungen Generation. Menschen auf Reisen – da wird es nicht langweilig, und wir sind ziemlich beeindruckt über so viel Engagement und Lebenserfahrung im zarten Alter von unter 25 Jahren.

Der Rückflug nach Guatemala City mit der kleinen Propeller-Maschine, in der wir direkt hinter dem offenen Cockpit sitzen, wird zum Erlebnis, es geht in der Nacht durch die hohen Gewittertürme, rund um uns sieht man die Blitze aufleuchten, mir ist beim Fliegen sowieso immer unwohl und diesmal muss ich besonders aufpassen, ich habe immer das Gefühl, das Flugzeug bleibt nur wegen meiner ständigen Konzentration in der Luft…

Weiter geht es nochmals nach Antigua,  einen Abend in der bezaubernden Stadt, das Konzert von Freunden wollen wir hören, dann sausen wir in der Früh schon wieder zurück mit dem Ticabus nach Tapachula in Mexiko. Die Überlandbusse sind schnell und komfortabel, mein „Mietwagendogma“ kommt ins Wanken, wir sitzen in der ersten Reihe, haben einen tollen Rundumblick und wenn ich ein Nickerchen mache sind wir nicht sofort im Straßengraben.

Guatemala war ein besonderes Erlebnis, großartig, voller Kontraste, arm und reich, schmutzig und gediegen, betrügerisch und liebenswürdig, schrecklicher stinkender Verkehr und kontemplative Stille, Slums und faszinierend schöne Bauwerke.

In Guatemala hätten wir es noch länger ausgehalten, aber ein Wetterfenster für die Querung des berüchtigten Golfs von Tehuantepec hat sich aufgetan, das wollen wir unbedingt nutzen. Es kann mehrere Wochen dauern, bis der Golf passierbar ist, schwere Stürme sind hier an der Tagesordnung, und unsere Uhr für die Reise in die Sea of Cortez tickt immer lauter. Mitte Mai beginnt hier bereits die Hurrican-Saison und wir haben noch fast 1500 Seemeilen vor uns, um vor den Stürmen in Sicherheit zu sein.

Tadeja kocht für die Passage vor, ich mache den nötigen Ölwechsel, wir tanken die KALI MERA voll und bereiten alles für die Überfahrt vor. Auf Grund des stabilen Wetterberichts fahren wir die direkte Route quer über den Golf, wenn Gefahr für Nordwind besteht muss man unbedingt den Golf knapp am Ufer entlangfahren, nicht der Wind alleine ist das Risiko, sondern die blitzartig entstehende schwere See mit hohen kurzen Wellen macht das Gebiet so gefährlich. „One foot on the beach“ soll man hier segeln, die laut nautischer Literatur einzig sichere Strategie für den Golf.  Wir queren dennoch direkt und werden wir mit einer relativ angenehmen Fahrt belohnt, die ersten 36 Stunden sind ruhig, wir können segeln und motor-segeln, Delphine sind ständig um uns, auch große Wale sehen wir neben dem Boot. Ein kleiner Thun schnappt sich unseren Köder und landet als Filet in der Gefriertruhe. Während wir früher fast ständig geangelt haben, kommen jetzt die Köder nur noch selten ins Wasser, es gibt hier so viele Fische, dass wir mit einem Biss rechnen können, und wir fangen nur was wir kurzfristig verspeisen. Filets werden vakuumverpackt, da würden sie auch im Kühlschrank einige Tage frisch bleiben, aber ein kurzes „Durchfrieren“ tötet allfällige Parasiten, die im Fleisch sein könnten, zuverlässig ab und hat keine Auswirkung auf die Qualität.

Aufregung gibt es, als wir knapp vor Mitternacht mit dem Kiel eine starke Leine fangen und Leine und aufgeregte Fischer hinter uns herziehen, es dauert ein wenig bis wir verstehen, was ihre Lichtsignale bedeuten.  Es wimmelt hier von langen Schwimmleinen, die in der Nacht für uns völlig unsichtbar sind. Wir sind fast 100 Meilen vom Land entfernt und dennoch wird hier mit kleinen Pangas (einfache offene Motorboote mit Außenboarder) gefischt, ich bewundere den Mut dieser Fischer. Ich habe gerade ein wenig geschlafen, bis Mitternacht hat Tadeja immer Wache und sie weckt mich auf, was wollen die Fischer von uns? Sie blinken uns an, Funk haben sie wohl keinen, SOS ist es nicht, eine wildgewordene Lichtorgel hinter uns – wir stoppen die KALI MERA und sehen die Leinen – Bescherung. Die Panga kommt an unsere Seite, zwei junge freundliche Männer sind es, die hier mutterseelenallein auf hoher stockdunkler See Ihre Yachtfallen auslegen, mit Ihrer Hilfe befreien wir die Leine. Nicht das erste Mal sind wir heilfroh über das Design unseres Unterwasserschiffs, Ruder und Propeller sind so geschützt, dass eine Leine dort nicht leicht einen Schaden anrichten kann. Am nächsten Tag weichen wir einer Leine aus, die fast drei Meilen lang ist, die Bojen kann man nur am Tag sehen. Die Fischer, Netze und Leinen machen eine kontinuierliche Nachtwache auch weit draußen notwendig, es ist immer einer von uns am Ausguck.

In der zweiten Nacht wird es ruppig, der Wind legt zu, hart am Wind müssen wir mit den kurzen steilen Wellen kämpfen, die Strömung ist gegen uns, wie so oft in diesem Jahr wird es eine Nacht ohne Schlaf für mich. Die Wellenfrequenz beträgt nur wenige Sekunden, die Wellen sind bis zu drei Meter hoch, immer wieder erzittert das ganze Schiff, wenn es, von einer Welle hochgehoben, mit lautem Krachen in die nächste Welle schlägt.  Aber nach 50 Stunden haben wir den Golf geschafft und liegen sicher vor Anker in Huatulco, einen Erholungstag gönnen wir uns, dann haben wir wieder zwei Nachtfahrten nach Acapulco vor uns.

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von Costa Rica nach Mexiko

Ganz im Norden von Costa Rica, in der großen Bucht Santa Elena, die sich tief ins Land hinein ausdehnt, da liegen wir vor Anker und warten. Warten, bis die Papagayos, die uns hier erwischt haben, wieder verschwinden. Die Papagayos – das ist nicht etwas das man morgens mit Joghurt zum Frühstück verspeist um eine Unterlage für den Kaffee zu erhalten, es sind auch keine tropischen Fische und auch nicht die kreischenden bunten Vögel, die in den Bäumen über uns hocken und einen mordsmäßigen Lärm machen, nein, die Papagayos sind ein Wetterphänomen, dem die Segler der mittelamerikanischen Pazifik-Küste mit enormen Respekt begegnen. Heimtückische Fallwinde sind es, wenn der Passat in der Westkaribik in Mittelamerika an Land trifft und nicht mehr genau weiß wo er weiter hinsoll, dann sucht er sich, völlig verärgert wegen dem plötzlichen Widerstand, seinen Weg durch die hohen Berge Costa Ricas und  Nicaraguas. Kaum hat er dann die Schneise gefunden, durch die er sich zum Pazifik durchzwängen kann, lässt er seine Wut an den paar Unglücklichen aus, die hier unbedingt mit dem Boot herumfahren müssen.  Und hier in Santa Helena sitzen wir nun und warten, dass die mörderischen Böen aufhören und wir wieder weiter nach Norden aufbrechen können.  Vor einem Tag haben wir Playa del Coco noch frühmorgens bei einem lauen Lüfterl verlassen (ist doch nur alles aufgeregtes Gerede das mit den Papagayos…), doch mitten im Golf hat uns der Wind dann unbarmherzig zur Rede gestellt, vor dem Cabo Santa Elena (Segelguide: „do not try to pass Cabo St. Elena when Papagayos are blowing,…“) müssen wir ein wenig Rast machen (es gibt da mit „West-Point“ eine kleine Stelle an der man relativ ruhig ankern kann um den Sturm auszusitzen), dann geht es um das Kap und direkt gegen den Wind unter Maschine die 12 Meilen in die Bucht, in der wir dann festsitzen. Die Böen haben bis zu 40 Knoten, Tendenz steigend, aber ohne Wellen in der malerischen Bucht vor Anker zu liegen ist gar nicht so schlimm, was man von der Umrundung des Kaps nicht behaupten kann.

Zum Wohlbefinden während der Fahrt hat nicht beigetragen, dass ich regelmäßig in den Motorraum turnen darf, Filter prüfen, hin und wieder etwas Wasser ablassen (aus dem Wasserabscheider, nicht aus mir) damit ich nicht ständig daran denken muss, dass genau jetzt der Motor ausfallen wird, ersäuft durch Wasser im Diesel und wir dann, wenn es uns Monate später stark abgemagert an die japanische Küste treibt, ein dortiges Fabrikat neu einbauen müssen. Wer will denn schon einen nagelneuen Yanmar. Aber alles war ok, trotz der Bocksprünge, die unsere Kali Mera macht, bleibt der Diesel bis nach Santa Elena fast wasser-frei, nur schmutzig ist er weiterhin, eine komplette Tankreinigung ist unausweichlich. Wir planen das in der Marina Chiapas, unserem Einklarierungshafen in Mexiko, machen zu lassen. Dass Herr Amel in den Edelstahl-Tank keine Wartungsluke eingebaut hat, durch die man das Zeugs komfortabel entfernen kann, ist mir völlig unverständlich, erst bei späteren Baujahren des Schwesternschiffes „Super Maramu“ wurde dieser Bug behoben.

Wir fühlen uns sehr wohl mit der Entscheidung die Pazifik-Querung etwas aufzuschieben und vorher noch Mexiko zu besuchen, manchmal – so scheint es – muss wohl das Schicksal etwas mithelfen und uns den richtigen Weg weisen. 

Nach zwei Tagen gaukelt uns dann der Wetterbericht (der lügnerische Halunke) ein Wetterfenster vor, die Papagayos sollen schwächer werden und günstige Winde für die Reise nach Norden sollen sich einstellen, sobald uns der Wind vorbeigelassen hat will er wieder zurückkommen. Wir zögern nicht lange und brechen auf, und kommen damit wohl in die schwierigste Etappe unserer bisherigen Reise seit der Türkei. Das erste Stück wird es wirklich ruhiger, aber dann, gegen Abend, dann geht es wieder richtig rund.   Der Ankerplatz, den wir uns zum Abwettern ausgesucht haben, ist zu seicht, wir müssen weiter und Kurs auf den Hafen von San Juan del Sur nehmen. Kaum haben wir die Grenze zu Nicaragua überquert, werden wir auch schon von der Küstenwache gestoppt, sie gehen trotz schlechter Bedingungen und Dunkelheit längsseits, kommen schwerbewaffnet an Board und müssen uns unbedingt kontrollieren. Die ganze unheimliche Aktion dauert Gottseidank nicht lange, sie sind genauso froh wieder von Board zu sein wie wir, nachdem der sonst so beherrschte Skipper der KALI MERA einen Wutausbruch bekommen hat und Ihnen in aller Deutlichkeit seine Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck gebracht hat, dass sie sich nicht die Zeit genommen haben 15 Sekunden zu warten bis die schützenden Fender montiert sind. Nein, Rumms, dran an die  Boardwand, knirschendes Material, brüllender Skipper, erschrockene Soldaten!

Nach diesem Ereignis laufen wir illegal in den Hafen von San Juan ein, wir brauchen etwas Ruhe. Sturmböen, stockdunkle Nacht, keine Sicht und ein Hafen voller unbeleuchteter Boote, Bojen und anderer Hindernisse. Irgendwann liegen wir dann vor Anker, die Nacht erfordert eine Ankerwache, nix ist mit erholsam. Beim ersten Morgengrauen flüchten wir, Anker auf und weg. Oder doch nicht?  Eher: Anker auf und festhängen!  Wir haben eine armdicke alte Muringleine mit einem LKW Reifen gefangen, alles hängt brav an unserem Anker, so sicher sind wir schon kann lange nicht mehr gelegen. Irgendwie kommen wir dann frei, nichts wie weg, weiter geht’s.

Der Wind legt ständig zu, unbarmherzig drücken uns die Böen aufs Wasser, es hat zwischenzeitlich schon durchgehend 35 Knoten Wind, die Böen gehen deutlich über 40 hinauf, und sie kommen so plötzlich, dass wir fast nicht darauf reagieren können. Unser Segel ist nicht mehr viel größer als eine Serviette und dennoch rauschen wir mit Rumpfgeschwindigkeit nach Nordwesten, die Gischt reißt vom Wasser ab und die See kocht. Den ganzen Tag haben wir Gale-Conditions, die KALI MERA benimmt sich großartig, aber uns merkt man die Belastung an. Wir entscheiden, die Nacht nicht durchzusegeln und finden wirklich einen Platz, an dem wir relativ gut ankern können, wir wollen uns erholen. Frühmorgens geht es weiter, der Wind bleibt stark, aber je weiter wir in den Norden von Nicaragua kommen, desto angenehmer wird der Windwinkel und umso ruhiger das Segeln. Drei Nachtfahrten liegen nun vor uns, an Schlaf ist wenig zu denken. Der Wind wechselt ständig Richtung und Stärke, die See ist aufgewühlt, konfus, es gibt hohe Kreuzwellen und die KALI MERA wird zum Cocktail-Shaker und wir werden so richtig gut durchgemischt, bis wir mürbe sind.  Lange Schwachwindphasen zwingen uns den Motor zu verwenden, und alle zwei Stunden müssen die Filter entwässert werden, der Tankinhalt wird durch die Luftsprünge unseres Schiffes so aufgewirbelt, dass der ganze Bodensatz in die Filter wandert. Als es einfach nicht mehr anders geht, füllen wir (natürlich in der Nacht) unsere Reservekanister in den Tank um, damit das Mischungsverhältnis besser wird. Die Aktion war erfolgreich, wir kommen mit laufendem Motor und völlig erledigt in der Marina Chiapas in Mexiko an.

Hier werden wir nun ein paar Tage bleiben, die Marina ist angenehm, ruhig, überaus freundliche und hilfsbereite Menschen. Das Einklarieren nimmt einen ganzen Tag in Anspruch, kaum sind wir am Steg kommt schon das Militär mit Drogenspürhund an Board, der Marina-Manager Rolf fährt uns mit seinem Pickup zu ca. 100 verschiedenen Behörden, dann geht es noch mit dem Taxifahrer Louis an die Grenze zu Guatemala, nur dort bekommen wir nämlich die „Erlaubnis für einen temporären Fahrzeug-Import“ (die KALI MERA), und schließlich und endlich sind wir offiziell eingereist.

Tags darauf wird dann schon der Tank gereinigt, wir pumpen 120 Liter trüb-braunen Diesel heraus, dann sauge ich mit der Vakuumpumpe, die ich zum Ölwechsel verwende, noch fast zwei Liter „Kaffee“ aus dem Tank, alle Filter werden gereinigt und getauscht und wir sollten nun den „Murl“ wieder verwendet können. Einen ganzen Tag dauert die Aktion, am Abend falle ich todmüde in die Koje. Tadeja putzt das Boot, wir könnten Werbung für die Salinen Austria machen, überall gibt es dicke Salzschichten. Aber wir haben ja nun einen Süßwasser-Anschluss und einen Schlauch, welch Luxus. Sogar Landstrom haben wir hier, wir haben das Boot extra verlegt um einen der wenigen Plätze zu bekommen, an dem es 230 Volt Anschlüsse gibt, hier ist alles für die amerikanischen 115 Volt ausgelegt. Es passt zwar keiner unserer Stecker, Adapter gibt es in Mexiko keine, aber ich bekommen die Sondererlaubnis die Stromsäule einfach aufzuschrauben und mir den Strom direkt dort abzuzapfen, wo ich das für richtig halte. Es funktioniert, ein paar Kabel hier, ein paar Klemmen dort und die Marina Chiapas hat nun – zumindest temporär – einen Liegeplatz mit europäischem Stromanschluss…

Einige Tage brauchen wir hier noch um alles für die Weiterreise zu organisieren, einen Liegeplatz für die Hurrican-Saison zu organisieren, und dann wollen wir auf dem Landweg von hier aus Guatemala besichtigen.

,mDie Fahrt hierher, – so anstrengend sie auch war-, hatte aber auch wunderschöne Momente: Sonnenuntergänge, bei denen man vor Schönheit schwermütig werden könnte, Sonnenaufgänge, bei denen das Herz vor Freude hüpft, wir segeln wenige Meter an zwei riesigen Buckelwalen vorbei, Delphine begleiten uns beinahe die ganze Strecke, Tag und Nacht spielen Sie mit dem Schiff, machen Luftsprünge und haben anscheinend ihre Freude mit uns. Wir sehen sie auch auf der Jagd, Thunfische springen hoch aus dem Wasser und Delphine hinterher, großartige Anblicke. Große Schildkröten paddeln an uns vorbei, Rochen machen ihre Saltos und einmal macht eine Fledermaus Rast in unserem Cockpit, sie hängt sich direkt neben uns unter die Bimini, putzt sich gründlich und flattert dann nach einiger Zeit wieder davon. Tölpel machen auf dem Bugkorb Pause und spielen „Reise nach Rom“, und Fregattvögel streiten sich darum, wer auf der Spitze vom Besan-Mast sitzen darf . Hier in der Marina gibt es auch noch andere geflügelte Viecher, nämlich echte Culicidae, aber auf die könnten wir ruhig verzichten 😊

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Hawaii – und wieder zurück

Ein letzter Cocktail aus tropischen Früchten, Rum und Campari, obendrauf eine Cocktailkirsche– unser Abschiedsritual, bevor die Reise losgeht. Ab jetzt gibt es bis Hawaii keinen Alkohol mehr! Es ist aufregend! Ich freue mich auf die Nächte, in denen ich durch das Dunkel hindurchzusehen versuche, wachsam den Horizont absuchend, in eine Art Trance verfallend! Wie schnell mein Körper in den Zustand übergeht, der ihm von der Atlantikquerung in Erinnerung geblieben ist! Ein wunderbares Gefühl! Es ist windstill. Die Umrisse der Küste verlieren sich immer weiter in der Ferne bis sie ganz verschwinden.

Schon bei meiner ersten Nachtwache bekomme ich Besuch – ein Delfinbaby springt dicht am Bug zweimal hoch in die Luft und wedelt dabei mit dem Schwanz – ich denke schon, es landet an Bord! Der dunkle breite Rücken seiner Mama hebt sich mit einem leisen Schnaufen neben mir aus dem öligen wellenlosen Wasser – auf und ab. Tagsüber kann man die vielfältigsten Meeresbewohner schon aus weiter Ferne sichten; für kurze Augenblicke verlassen sie ihr Element, wie um sich zu präsentieren, kommen ganz nah ans Schiff und zuweilen weiß man gar nicht, in welche Richtung man zuerst schauen soll! Das ist ein besonderes Geschenk vom Pazifik! Während es auf den Las Perlas noch Pelikane waren, die durch ihre unglaublichen Flugkunststücke ein fesselndes Schauspiel darboten, indem sie sich torpedogleich aus größer Höhe kopfüber ins Wasser stürzten und mit einem Fisch im Schnabel wieder auftauchten, sind es jetzt akrobatische Rochen, die elegante bis zu zwei Meter hohe Sprünge vollführen,  Delphine, die in unserer Bugwelle spielen, eine Walfamilie, die sich im ruhigen Wasser dahintreiben lässt, und Vögel, die sich um einen Platz an unserer Reling zanken.

Ich nutze dieses anfangs windarme Wetter mit wenig Welle – wer weiß wie lange es noch anhält – und verschanze mich in der Küche. Die Essensvorräte müssen auf ihren Reifegrad hin überprüft werden. Obwohl wir möglichst unreife Früchte gebunkert haben, muss manches schnell verarbeitet werden und so stehe ich fast den ganzen Tag in der Kombüse. Unter meinen Händen entstehen für mich neuartige Dinge wie in Essig eingelegter Blumenkohl, Brokkolinudeln und Brokkoli-Tomatensalat, nebenbei wird ein frisch gefangener weißer Thunfisch verarbeitet, riesige Büsche von Koriander verwandeln sich in ein Pesto mit Cashewnüssen,  Petersilie wird kleingehackt und eingefroren, Joghurt angesetzt, eine abenteuerliche Gemüse-Mischung, der testweise sogar Kochbananen beigemengt werden, wandert in den Kreativ-Curry-Topf. Wenn unsere überdimensionale Bananenstaude – bestellt war natürlich nur eine kleine! – herangereift sein wird, stehe ich vor der schier unlösbaren Aufgabe, wie auf produktive Weise mindestens 50 Bananen auf einmal zu verwerten! Vielleicht Bananeneis?

Während wir auf den Wind warten, wird die Dünung immer höher, die Gegenströmung immer stärker, das Ergebnis – wir kommen so gut wie gar nicht voran. Die Euphorie hält sich in Grenzen.

Jeden Morgen ruft Herbert per Funk das neueste Wetter ab. Das ist ein weiteres Ritual bei Überfahrten geworden. Heute funktioniert die Funkverbindung nicht, das heißt, sie funktioniert schon, doch kurz bevor das große Grib-file heruntergeladen ist, kommt die Fehlermeldung „checksum error“– das bedeutet, kein aktuelles Wetter, weil das File defekt ist. Bei jedem neuen Versuch beginnt das Dokument erneut, sich herunterzuladen und blockiert damit den ganzen Funk. Erst nach vielen Anfragen Herberts, die er an mehrere Stellen aussendet, kann er das Dokument löschen und wir bekommen die ersehnte Wetterprognose – Sturmwarnung! Die Papagayos lassen grüßen! Na gut, es hilft nichts, wir müssen da durch, um die Tradewinds zu erreichen, die uns hoffentlich aus einem günstigen Winkel schneller vorwärtsbringen. Gar so rosig sieht bei näherer Betrachtung das Ganze dann doch nicht aus, neben Starkwindgebieten sind auch mehrere Stellen mit ausgedehnten Flauten angesagt, das heißt, wir werden öfters den Motor brauchen, was wir nicht wirklich wollen. Aber das ist nicht beeinflussbar – das Wetter muss man nehmen wie es kommt.

Mit den Eigenheiten des Motors ist es ähnlich – gerade wenn man es am wenigsten brauchen kann, will er Aufmerksamkeit haben!  Gerade erst auf Touren gebracht, fällt die Motorraumbelüftung aus. Herbert ist hocherfreut in der anbrechenden Dunkeheit den Ventilator ausbauen, reparieren und wieder einbauen zu dürfen.

Inzwischen ist die vierte Nacht hereingebrochen, das Abendessen steht schon fast auf dem Tisch, als plötzlich ein rotes Warnlicht aufleuchtet. Herbert reagiert schnell und macht den Motor aus. Wie gesagt – zickig! Damit ist nicht Herbert gemeint!  Die Gemüsekisten stellt er auf die Bänke und macht den Cockpitboden frei. Mit Stirnlampe, Schraubenschlüsseln und Küchenrolle bewaffnet öffnet er die Cockpitklappe und klettert in den Motorraum. Beide Dieselfilter sind randvoll mit Wasser! Der Wasserabscheider hat zwar brav seine Arbeit verrichtet, indem er das Wasser aus dem Diesel herausgefiltert hat – normalerweise bildet sich etwas Kondenswasser im Tank, das abgesondert werden muss, um zu verhindern, dass es in den Motor gelangt – aber doch nicht so viel! Woher kommt das ganze Wasser her? Einen Moment später hätte der Wasserabscheider überlaufen können und dann wäre der Motor aus – nicht auszudenken! Angst, die ich unterdrücken muss, will sich in mir ausbreiten, sie bleibt als kleiner Klumpen im Magen sitzen. Die kann man sich jetzt nicht erlauben. Es ist das erste Mal auf unseren Reisen, dass sie sich meldet – und dass uns unsere Kali Mera einen Strich durch die Rechnung macht. Herbert reinigt und wechselt die Filter – man wünscht sich wahrlich was Schöneres so weit draußen am Meer, mutterseelenallein und auf sich selbst gestellt!  Schnell ist die Romantik verflogen, die der hell leuchtende Mond und die tausend strahlenden Sterne am Himmel herbeigezaubert und die Milchstraße in einen einzige dichten Sternen-Nebel verwandelt haben. Die Wellen schaukeln das Schiff hin und her und machen das Arbeiten mehr als ungemütlich. Trotzdem – geschafft! Alles wird wieder weggeräumt, Dieselreste werden weggeputzt, Herbert steigt etwas nervös aus dem Motorraum – ja, der Motor springt an! Jetzt ist guter Rat teuer! Über 4000 Meilen liegen noch vor uns – in den drei Tagen haben wir vergeblich darauf gewartet, dass die vier auf die drei überspringt – auf so einer langen Fahrt muss der Motor funktionieren. Herberts Gehirn rattert – wie kann es sein, dass sich so viel Wasser im Diesel gebildet hat?! Wir tanken immer über Kanister und Filter mit Wasserabscheider – schlechter Diesel scheidet damit wohl aus, für Kondenswasser ist es zu viel. Kommt es über die Tank-Entlüftung (und wo zum Teufel ist die überhaupt, höre ich ihn schimpfen) oder ist der Verschluss für den Stutzen undicht? Muss der Tank gereinigt werden? Können wir es verantworten, auf gut Glück weiterzufahren? Trotzdem – erst einmal wird gegessen und nachgedacht. Dann fällt die Entscheidung – wir kehren um, bevor der Wind kommt und ein Umdrehen unmöglich macht. Der neue Zielpunkt an der nördlichen Küste Costa Ricas wird gesetzt – Samara, eine gut geschützte Bucht, um uns in Ruhe der Sache zu widmen. Kaum kehrtgemacht, setzt der Wind ein, und wie ein altes Radfahrergesetzt bestätigt, natürlich voll auf die Nase. Die Wellen, die aus allen Richtungen zu kommen scheinen, prallen aufeinander und türmen sich in kürzester Zeit zu Bergen auf, mühsam kreuzen wir auf unser Ziel zu. Die Filter müssen noch dreimal gereinigt werden, und während Herbert im Motorraum hantiert, spiele ich den Handlanger. Gott sei Dank ist beim letzten Durchgang kaum noch Wasser zu sehen – Erklärung haben wir noch keine gefunden. Herbert schläft die ganze Nacht nicht. Kaum legt er sich hin, um ein bisschen auszuruhen, schreckt ihn eine Windänderung auf, die Segel müssen korrigiert werden. Ich bin ja mit der Gabe gesegnet, auch für 10 Minuten tief einschlafen zu können und mich dabei auch zu regenerieren. Aber Herbert trägt die ganze Verantwortung und kann sie schwer loslassen. Langsam, langsam werden die Wellen weniger, das Vorwärtskommen wird leichter. Trotzdem, das Frühstück mit frischgebackenem Brot und Bananenkuchen will uns beiden nicht so richtig schmecken, die Mägen müssen sich erst wieder beruhigen. Am Nachmittag lassen wir den Anker in der malerischen Bucht von Samara fallen, begleitet von Erleichterung, aber auch einem leichten Gefühl der Niederlage. So war das nicht geplant!

Gleich am nächsten Morgen macht sich Herbert an das eingehende wieder-in-Ordnung-bringen der unleidlichen Angelegenheit. Er reinigt und tauscht die Dieselfilter, macht den Probelauf. Es sieht gut aus, kein Wasser im Abscheider. Wir werden sehen, ob das auch bei Wellengang so bleibt. Das Wichtigste ist, dass der Motor keinen Schaden genommen hat. Immer noch bleibt unklar, ob die Maßnahmen langfristig erfolgreich waren und nicht doch der Tank gereinigt werden muss. Bald kristallisiert sich ein neuer Schlachtplan heraus. Wir beschließen, die Küste bis nach Mexiko entlangzufahren und entscheiden dann, wie es weitergehen soll. Die Fahrt an der westlichen Pazifikküste gen Norden wird als sehr anspruchsvoll und anstrengend beschrieben: Wind und Welle, zuweilen auch die Strömung gegen uns, am gefürchtetsten aber die bösen Papagayo-Winde, deren unangesagte Böen Orkanstärke erreichen können. Die Strategie heißt, dicht an der Küste bleiben, einen günstigen Zeitpunkt abwarten und den Wind überlisten. – Mexico, das wir schon 2011 über eine Strecke von 3000 km mit dem Auto durchfahren und lieben gelernt haben, wollten wir sowieso gerne auch per Schiff besuchen – es gilt als ein wahres Segelparadies! Ich freue mich, dass mein Spanisch noch etwas länger zum Einsatz kommt. Ich liebe diese Sprache!

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Golfito und Start Pazifik Querung

Costa Rica reizt uns schon seit Studientagen. Ein kleines Land in Mittelamerika zwischen Panama und Nicaragua, ein Staat ohne Militär, die eingesparten Verteidigungsausgaben werden in Bildung investiert, der Lebensstandard ist besser als irgendwo sonst in Mittelamerika, es ist fast ein bisschen euopäisch.  Hier wollen wir noch einmal Station machen, bevor wir uns auf den Pazifik hinauswagen, Costa Rica gilt es für uns auch am Landweg zu entdecken, Tourist auf vier Rädern.

Nach einer Nachtfahrt kommen wir Freitag mittags in Golfito, im Golfo Dulce, an und werfen den Anker vor der Banana Bay Marina. Wir haben uns beeilt, Freitag nachmittag machen die Behörden Feierabend,  Montags hat „Customs“ geschlossen, und wir möchten so bald als möglich offiziell einreisen und uns an Land frei bewegen.

Mit gemischten Gefühlen kommen wir nach Golfito, der Revier-Führer spricht von häufigen Diebstählen, man darf das Schiff keinesfalls unbeaufsichtigt lassen, im Internet findet man jede Menge Warnungen. Die seglerische Gerüchteküche brodelt, die Preise sollen infernalisch hoch sein, das Bier (der vielleicht wichtigste seglerische Preisindikator) mehr als doppelt so viel kosten als in Panama, das Einkaufen insgesamt eine finanzielle Tragödie sein. Die Marinas seien unbezahlbar, Costa Rica nur auf Motoryachten und Big-Game Fisher ausgelegt. Die Banana-Bay Marina würde 15 Dollar für das Anlanden mit dem Dinghi verrechnen, ein Liegeplatz für unser Schiff würde über 120 Dollar pro Tag kosten. Hurra, alles falsch, der gute alte Murphy mit seinen Gesetzen ist tot, es ist ales viel besser als erwartet.

Wir fahren mit dem Dinghi in die Marina und machen dann die Behörden-Wege.  Im Marina-Office werden wir freundlichst empfangen und zahlen müssen wir gar nichts. Das Internet ist frei, der Bierindex nicht über 1, das Restaurant ist einladend, die Bedienung aufmerksam. Ein paar Tage bleiben wir vor Anker, dann bekommen wir in der Marina einen sicheren Liegeplatz, an dem wir die KALI MERA für unsere Exkursion ins Landesinnere lassen können. Statt dem „offiziellen Preis“ von 2,5 Dollar pro Fuß (unser Boot ist 46 Fuß lang) bekommen wir einen Sonderpreis von 70 cent pro Tag, die ganze Banana Bay Mannschaft ist äußerst liebenswürdig, hilfsbereit und zuvorkommend! Segler, kommt ihr nach Costa Rica, dann macht hier Halt!  Banana Bay, eine klare Empfehlung von uns!  Der einzige Nachteil ist die enorme Hitze, März ist angeblich der heißeste Monat des Jahres, es gibt keinen Wind und die Sonne brennt unbarmherzig, wir müssen uns also so schnell es geht einen Mietwagen besorgen und in die Berge fahren (dort soll es zwischen 5 und 15 Grad haben, wunderbar).

In Puerto Jimenez, auf der anderen Seite des Golfo Dulce, bekommen wir unser Mietauto, einen Toyota Allrad (eine Kategorie besser als gebucht, kein Aufpreis), der uns eine Woche durch Costa Rica begleiten wird. Die Tour wird wunderschön, es geht über fast 1600 km kreuz und quer durchs Land, über Stock und Stein, über Berge und durch Täler, von der Küste auf 3.500 Meter Seehöhe, über Schotterpisten, durch Flüsse und auf Vulkane. Der Costa Rica Ausflug hat einen eigenen Beitrag verdient, den reichen wir von Hawaii aus nach 😊.

Zurück in Golfito machen wir die KALI MERA reiseklar, wir werden die lange Reise über den Pazifik von hier aus antreten. Tadeja macht die größte Gemüsebestellung die der kleine Grünzeug-Laden jemals hatte, mit dem Auto überfallen wir noch einen Supermarkt und füllen vor den fassungslosen Angestellten drei Einkaufswagen mit Lebensmitteln randvoll, dann kommen noch die üblichen Schiffs-Reparaturen an die Reihe (diesmal wird die Reling an einigen Stellen nachgeschweißt, die Antennenzuleitung für die Kurzwellen-Anlage ausgetauscht und alle Anschlüsse werden gereinigt, … trotzdem sind unsere Funk-Verbindungen alles andere als zuverlässig) und das Angel-Equipment ergänzt. Die KALI MERA sieht aus wie ein schwimmender Lebensmittel-Laden, mit größter Wahrscheinlichkeit werden wir zumindest nicht verhungern.

Die Reise nach Hawaii sind über 4.200 Seemeilen, der Wind sollte günstig sein, ca. 35 Tage werden wir wohl unterwegs sein, es kann aber auch etwas länger werden. Wir werden nicht die direkte Route nehmen sondern zuerst nach Norden fahren und erst dann, wenn der Wind stabil in die richtige Richtung weht, den Bug Richtung Hawaii wenden. Wenn wir Funkverbindungen haben dann gibt es Positionsreports, wir rechnen aber damit, dass diese irgendwann nicht mehr aktualisiert werden und wir uns dann erst aus Hawaii wieder melden.

Schönen Frühlingsbeginn allen in Europa, auch wir freuen uns nach dieser Affenhitze auf angenehmeres Klima draußen am Pazifik!

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Pedregal

Pedregal ist der Hafen von David, der drittgrößten Stadt Panamas, ungefähr so groß wie Salzburg, die sich in einiger Entfernung vom Meer im Landesinneren befindet. Pedregal dagegen liegt, wie es sich für einen Hafen gehört, am Meer, zumindest in gewisser Weise. Wer dort aber ein Hafenbecken, eine Mole, Wellenbrecher, Leuchtturm etc. erwartet, der hat sich gründlich getäuscht. Auch Pedregal liegt im Landesinneren und ist durch ein Gewirr an Wasserstraßen erreichbar. Es gibt drei Einfahrten von offener See, jede mit ihren Eigenheiten. Die erste, große, nördliche, hat ein eine Sandbank davor auf der sich die Wellen brechen, sieht zwar auf der Karte schön aus, ist für uns jedoch unmöglich zu passieren. Die zweite, bei Boca Brava, hat auch vorgelagerte Sandbänke, deren Position sich immer wieder ändert, die Einfahrt ist nur für Mutige, so sagt man uns (ich würde nun sagen nur für Tollkühne, nachdem wir uns das angeschaut haben). Mutig sind wir nicht, also bleibt nur noch die Dritte, Boca Chica, dort gibt es aber neuerdings eine Hochspannungsleitung mit einer Durchfahrtshöhe von 18 Metern, unser Mast hat inklusive Antenne 18,70 Meter, also fährt auch da keine Kali Mera mehr durch. Immerhin gibt es bei Boca Chica noch vor der Stromleitung einen sicheren Ankerplatz, an dem wir unser Boot auch einmal einen Tag alleine lassen können um nach Pedregal auf anderem Weg zu gelangen – dorthin wollen wir nämlich, hier sitzen die Offiziellen, die uns die Ausreise aus Panama genehmigen werden: Immigration, Zoll und Hafenkapitän.  

Boca Chica und Pedregal

Nach Pedregal gibt es von Boca Chica aus Busverbindungen, kein Problem. Aber wir haben ein Dinghi, und warum nicht mit dem Dinghi einmal eine längere Reise machen? Also packen wir zusammen, betanken unseren Reservekanister, nehmen eine Flasche Wasser, unser Tablet mit den Seekarten, die Bootspapiere und den Leatherman mit, der ist bei Ausflügen meistens dabei.

Um 13:30 haben wir Termin bei der Immigration, um 14:30 ist Niederwasser, also müssen wir gegen die ablaufende Tide fahren, der Gegenstrom hat einige Knoten und mit Wind gegen Welle wird es etwas ruppig. Im ruhigen Wasser und mit leerem Magen läuft das Dinghi fast 20 Knoten, dennoch brauchen wir inklusive Tankstop fast drei Stunden bis wir am Ziel sind (es sind etwas mehr als 20 Meilen). Das Wasser ist trüb, man sieht schon bei 11 cm Wassertiefe zuverlässig keinen Grund mehr, die Seekarte ist ungenau und überall gibt es Sandbänke, die Navigation ist alles andere als einfach. Viele Stellen haben laut Seekarte noch 30 cm Wasser, aber das macht nichts, weil man sieht eh nicht wie tief es ist. Ich danke allen Göttern der Sümpfe und der gestrandeten Schiffe, dass unser Mast nicht 17,90 Meter hoch ist, eventuell wären wir – unserem Segelguide folgend – wirklich mit der Kali Mera in dieses Labyrinth hineingefahren, ein Albtraum. So sind wir wenigstens nur mit dem Dinghi High Speed auf eine (unsichtbare) Sandbank aufgelaufen. Ich habe Blasen auf den Fingern, Festhalten heißt es bei der Ruderpinne.

Die Landschaft ist ganz besonders, es erinnert uns an die Seenlandschaft Nordirlands ergänzt um Mangroven, sogar Kühe sieht man an den Berghängen weiden, sehr idyllisch. Aber die meiste Zeit können wir uns nicht auf die Schönheit der Natur um uns konzentrieren, mit der Karte in der Hand suchen wir unseren Weg durch das kaffebraune Wasser, im Blindflug und voller Hoffnung, dass die Karte einigermaßen stimmt. Immer wieder müssen wir einen Stop machen, weil Blätter die Ansaugung fürs Kühlwasser verlegen. Wenn neben uns plötzlich Delphine auftauchen, dann wissen wir, dass es sicher tief genug ist (zumindest neben uns, so ein Delphin hat auch nicht viel weniger Tiefgang als wir).

Physisch und psychisch beeinträchtigt kommen wir in Pedregal an, vertäuen unsere Gummi-Yacht in der Marina (so was gibt es hier tatsächlich, unglaublich, ob die Boote hier alle mit dem Hubschrauber eingeflogen wurden?) und erledigen die Formalitäten. Eineinhalb Stunden lang werden von den überaus freundlichen Beamten Zettel ausgefüllt, es wird gestempelt dass es eine Freude ist, dass unser Cruising Permit schon abgelaufen ist wird zwar angemerkt aber dann freundlich übersehen (500 USD Strafe kann da auch blühen) und wir erhalten alle Ausreisedokumente. Wegen der bekannt freundlichen Offiziellen haben wir uns ja auf den Weg nach Pedregal gemacht, im nächsten Port of Call sollen sie eher unangenehm sein, unsere Rechnung ist aufgegangen.

Nach einer kurzen Stärkung im Marina-Restaurant geht es wieder zurück nach Boca Chica, der Tank erhält frisches Benzin aus dem Reservekanister, und los geht es. Die Tide ist zwischenzeitlich gekentert, es gibt Niederwasser und die Strömung ist wieder gegen uns. Der Wasserstand ist nun noch mindestens einen Meter niedriger (es gibt fast vier Meter Tide in den Flüssen und Seen und dementsprechend starke Strömungen), aber Strömung und Wind kommen aus derselben Richtung, damit sind die Wellen weg. Flott geht es nun zurück, wir zischen durch die braune Suppe und hoffen inständig, dass wir nicht aufsitzen.  Einmal werden wir von der Küstenwache gestoppt, in Uniform und Kampfausrüstung, sie wollen unsere Schwimmwesten sehen, die sind anscheinend Pflicht, so wie bei uns der Sicherheitsgurt. Wir haben keine dabei und wie immer übernimmt Tadeja die Verhandlung mit den Respektspersonen, da schmelzen sie alle dahin und ich sage am besten nix, so auch diesmal. Auf unsere Versicherung hin, dass wir gut schwimmen können, dürfen wir weiterfahren.

Nach einer guten Stunde haben wir mehr als die Hälfte vom Rückweg geschafft, der Akku vom Tablet geht langsam zu Ende, die Sonne neigt sich dem Horizont zu, und um die Idylle nicht durch Lärm zu stören beschließt der Motor auszusetzen. Noch nie hat er uns im Stich gelassen, gerade jetzt, weit entfernt von jeder menschlichen Seele, mag er partout nicht mehr. Kaum ist es ruhig, kommen große Delphine zu uns, schwimmen um uns herum und machen Tadeja Mut. Vielleicht haben sie uns auch nur ausgelacht.

Ich mache mich an die Fehlersuche (habe immerhin den Leatherman als Universalwerkzeug dabei) und prüfe Schritt für Schritt die einzelnen Komponenten. Eigentlich müsste alles funktionieren, Benzin ist da, Zündung geht, Zündkerzen ok, Kühlung läuft, nur Anspringen will er nicht. Es könnte verunreinigtes Benzin sein, wir haben ja frisch getankt, vielleicht Wasser im Treibstoff? Ich entwässere den Vergaser, putze die Zündkerzen, schimpfe wie ein Rohrspatz und bitte den lieben Motor endlich anzuspringen.  Wie man in den Wald ruft so kommt es zurück, auf freundliche Worte reagiert er schließlich. Nix wird es anscheinend mit dem gemütlichen Übernachten im Dinghi in den Mangroven, nur wir zwei, der Mond, Krokodile und 10.000 blutdürstige Sandfliegen. Aber noch besteht Hoffnung, weil nach kurzer Zeit ist es wieder aus und vorbei mit der Motorisierung, diesmal spritzt Benzin aus dem Motor und er röchelt nur noch so dahin. Deckel abnehmen, die Bescherung sehen und meine paar verbliebenden Haare raufen, das hab ich nun zu tun. Ich habe die Benzinablassschraube nicht gut angezogen, sie hat sich gelöst und ist irgendwohin verschwunden. Wir suchen, wir finden, wir versuchen das Ding wieder anzuschrauben, sie fällt hinunter und versteckt sich wieder, wir suchen und holen sie wieder heraus, sie verschwindet wieder, dieses lustige Spiel spielen wir dann eine halbe Stunde bis die teuflische Schraube endlich dort sitzt, wo man sie auch wieder hineinschrauben kann. Unser Leatherman ist nicht unbedingt ein „feinmechanisches Werkzeug“ und den Platz für die Schraube hat sicher ein Designer gefunden, der sonst für Scheinwerfer der modernen Autos zuständig ist, bei denen man den Kühler demontieren muss, um die Glühbirnen zu wechseln.

Jedenfalls läuft „der Murl“ wieder, so ein sonores angenehmes Klingen eines Zweitakters, keine Spur von Lärm, eine Wohltat wenn man ihn hört und den Sandfliegen die lange Nase zeigen kann. Was gibt es schöneres als gesundes Motorengeräusch in der Wildnis? Zurück geht’s nun in maximalem Tempo, das Tablet hat nur noch ein paar Prozent Akku und wir schalten es nur mehr hin und wieder zur Kontrolle ein, hier verirrt man sich leicht.  Alles wird gut, pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir nach über 80 km Dinghi-Fahrt am Ankerplatz, wir haben erfolgreich ausklariert, das Tablet hat 2% Restladung, der Motor schnurrt und ich bekomme ein kaltes Bier zur Erstversorgung und danach eine großartige Sundowner Cocktail – Komposition von Tadeja als Belohnung.

Morgen geht’s weiter, Schau ma mal…

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Besuchszeit

Die Crew der KALI MERA ist gewachsen, Sascha und Julian begleiten uns für eine gute Woche auf der Fahrt nach Norden. Von den „Las Perlas“ aus geht es in einer Nachtfahrt um das „böse Kap“, und dann in kurzen Tagesritten bis Santa Catalina. Im Golf von Panama schiebt uns kräftiger Wind nach vorne, danach kommt der Motor häufig zum Einsatz, es ist schwachwindig und – wie im Mittelmeer – unbeständig mit wechselnden Richtungen. Vorbei ist die Zeit des beständigen Passatwindes, bei dem die Maschine nur zum Einsatz kommt, wenn der Anker geholt wird. Wir haben im letzten Monat nun schon mehr Motorstunden als in einer ganzen Karibik-Saison.

Wind gibt es wenig, dafür umso mehr Fische. Regelmäßig rauscht die Angelleine aus, der schuppige Gott der Fischer meint es gut mit uns und versorgt uns reichlich, von Tuna über Jack bis zum Kingfish, alles zappelt am Haken. Die Gefriertruhe ist voll, unsere Bäuche auch, Tadeja hantiert in der Kombüse zwischen ihren Gewürzdöschen und Vorratsboxen wie eine mittelalterliche Alchimistin und zaubert täglich neue Köstlichkeiten auf unseren Tisch, Fisch in allen Variationen, gegrillt, gekocht, im Curry, gebraten, als Aufstrich und als Suppeneinlage. Wenn die Sonne sich dem Horizont entgegenneigt da füllt sich das Cockpit auch schon mit den Duft von exotischen Früchten, zartem Gemüse und frischem Fisch.

Julian und ich sind für das Schlachten der Trinknüsse zuständig, und da zeichnen wir uns durch Geschicklichkeit, Kreativität und Engagement aus. Die erste Nuss bearbeite ich am Vordeck mit der großen Machete, die wir im Dschungel gefunden haben, es sieht an Board aus wie in einem Sägewerk, und zu allem Überfluss macht das Zeug an Deck Flecken, hartnäckige Flecken, Flecken die erst am nächsten Tag erscheinen und dann auch bleiben wollen. Tadeja ist stolz auf mich. Die nächste Nuss wird daher nicht im Samurai-Stil geschlachtet sondern nach einer Idee von Julian mit der Bohrmaschine bearbeitet. Mit chirurgischer Präzision fräst sich der Bohrer aus Spezialstahl in die weiche Nuss, und alles wäre gut gegangen, wäre da nicht so ein Überdruck in der Nuss, dass der Inhalt durch das frische Bohrloch in einer Fontäne nach oben spritzt, mir direkt ins neugierige Auge und dann über den ganzen Julian, der daraufhin wie eine Blaschke-Kokoskuppel aussieht. Wieder heißt es putzen.

Delphine sind auf der Fahrt und auch auf den Ankerplätzen unsere ständigen Begleiter, wir sehen Buckelwale und einen großen Hai, immer wieder katapultieren sich Rochen aus dem Meer meterhoch in die Luft, es ist sehr lebendig hier, im Wasser, rund um uns.

Den Coiba Nationalpark besuchen wir nicht mit der KALI MERA sondern wir buchen in Santa Catalina eine Tauchtour zu diesem Hotspot des Unterwasser-Lebens, der Flaniermeile der Großen, Bissigen und Bunten. Wir sparen uns damit die exorbitant hohen Ankergebühren und sind einmal richtige Touristen, sehr bequem. Der Tauchgang ist spektakulär, es wimmelt von Haien, großen Groupern, bunten Fischschwärmen, Manta-Rochen, farbenfrohen Rifffischen, Schildkröten und Lobstern, Sascha und Julian sehen bei ihrer Schnorcheltour zwischen den Haien auch noch Muränen. Noch nie konnten wir eine solche Fischvielfalt erleben wie hier, einfach grandios. Auch auf den weiter nördlich gelegenen Inseln, außerhalb des Nationalparks, ist das Schnorcheln wie ein Besuch im Haus des Meeres. Zwischenzeitlich ist auch das Wasser klar geworden und die Meeres-Temperatur ist von 22 Grad auf 29 gestiegen. Humboldt-Strom ade.

Ab Santa Catalina sind wir wieder zu zweit am Boot, Sascha und Julian bereisen Panama noch am Landweg, und bei uns geht es weiter nach Norden, wir müssen ausklarieren und wollen nun zügig weiter nach Costa Rica, der Schweiz Mittelamerikas…

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Las Perlas

Gut 30 Seemeilen südlich von Panama City liegen die „Las Perlas“, ein Archipel vulkanischen Ursprungs mit unzähligen kleinen Inseln, Riffen, Felsen die aus dem Wasser lugen, hellen und dunklen Sandstränden, gesäumt von Palmen und Regenwald.  Eine gute Woche hüpfen wir hier von einem Ankerplatz zum nächsten, meistens liegen wir völlig alleine, andere Boote sind hier Mangelware.  Wir hängen das Dinghi nicht mehr an die Stahlleine und die Luken bleiben in der Nacht offen, keine Überfälle in Sicht. Die Landschaft ist großartig, die Ankerplätze sind „scenic“, wie in unserem nautischen Panama-Handbuch sehr treffend beschrieben. Erinnerungen an die Ionischen Inseln in Griechenland kommen hier auf, kurze Segelstrecken, geschützte Buchten, ruhiges Wasser, und ein schöner Segelwind, der pünktlich am Nachmittag einsetzt und am Abend wieder einschläft. Anker auf, Segel setzen und von Kalamos nach Kioni zischen, Anker fallen, fertig. Nur dass es hier keinen Kalamos-George gibt und keine Flotillen in Kioni, keinen Hafen, keine Tavernen (naja, mit ein paar Ausnahmen) und – zu unserem Leidwesen – meistens trübes Wasser.

Das Meer ist in ständiger Bewegung, der große Golf von Panama ist seicht und die Gezeiten sind kräftig. Beinahe vier Meter kann der Unterschied zwischen Hoch- und Niederwasser ausmachen, da rauscht dann bei Flut ein Strom mit bis zu zwei Knoten nach Norden und bei Ebbe geht es wieder zurück nach Süden, hin und her, alle sechs Stunden. Da heißt es auch beim Ankern die Gezeiten im Auge behalten, will man nicht versehentlich trockenfallen.  Dieses Herumgewirbel sorgt für viele Schwebeteilchen im Wasser und die Sicht ist oft gleich Null, damit ist das Schwimmen für mich Geschichte, ich plantsche nur im Meer herum wenn ich den Grund sehe, Tadeja ist (oder vielmehr war) hier mutiger, aber seit in einer Bucht an zwei Tagen ein großes Krokodil ums Boot geschwommen ist, bleibt auch sie lieber am sicheren Schiff (und wenn sie schwimmen geht dann muss der Krok-Ausguck besetzt sein).  Die Fauna verwöhnt uns auch mit weniger gefährlichen Tieren, wir sehen Iguanas, Delphine, einen großen Wal, rund um uns fischen die Pelikane mit ihren spektakulären Sturzflügen und dem großen Platsch, wenn sie ins Wasser eintauchen (auch wir fangen einen schönen Fisch, der uns für zwei Tage ein köstliches Mahl beschert, aber ohne Sturzflug und Platsch), über uns fliegen Papageien und – wenn wir uns auf den Strand wagen – dann versuchen uns die Sandfliegen in Sekundenschnelle sämtliches Blut auszusaugen. Rekordhalter bei den Sandfliegen ist Tadejas Rücken, er hat bei einem einzigen Ausflug über 70 Stiche gesammelt. Sandfliegen sind teuflische kleine Tierchen, „No See Um“ heißen sie auch, weil sie so klein sind dass man sie so gut wie nicht sehen kann. Aber Spüren, das ist kein Problem, Spüren kann man sie mehrfach. Zuerst weil der Biss schon weh tut und dann haben diese Monster noch einen Juck-Nachbrenner, der manchmal erst zwei Tage später zündet. Mir vermiesen die „No See Ums“ jedenfalls die Strandspaziergänge.

Ins Wasser gehen wir also nicht, weil es erstens zu kalt ist (für mich Warmsegler zumindest, für Tadeja natürlich nicht, aber die geht ja auch im April in Vösendorf im Badesee schon schwimmen, kaum dass die ersten Eisläufer im Eis eingebrochen sind) und weil wir zweitens sonst vom Krokodil gefressen werden, die Traumstrände meide ich, weil dort die Vampire sind, also vertreiben wir uns die Zeit am Schiff mit Lesen, abends einen Film ansehen, Kochen und Reparieren. Diesmal ist der Wellengenerator dran (der soll nicht Wellen machen sondern Strom, und zwar wenn die Schraube und damit die Welle sich beim Segeln durch den Wasserwiderstand dreht, dann wird hier eine eigene Lichtmaschine über einen Keilriemen angetrieben, und die macht dann Strom). Das Ding sollte sich ab ca. drei Knoten schon einschalten lassen, tut es aber nicht und wird daher zur Strafe ausgebaut und zerlegt. Die Kontakte sind korrodiert und der Regler macht einen bemitleidenswerten Eindruck, das Kunstharz, mit dem die Elektronik vergossen ist, hat anscheinend beschlossen sich aufzulösen und in klebrigen Tropfen langsam in die Freiheit zu rinnen. Der Regler wird getauscht, die Kohlen dabei gleich mit ersetzt, wenn das Teil schon offen ist, und alles wieder eingebaut. Geschätzter Zeitbedarf: eine knappe Stunde. Tatsächlich: 5 Stunden. Das Bootsche Gesetz sagt ja auch ganz deutlich, dass eine kleine Reparatur am Boot frühestens zum Abendessen fertig wird, unabhängig davon, wann man damit beginnt.  Jetzt geht wieder alles, ich habe in den letzten Jahren schon einen Instinkt dafür entwickelt, wo die nächsten Probleme zu erwarten sind und die Ersatzteile dafür vorbereitet.

Jetzt bin ich doch beim Schreiben glatt schon wieder in den „was hab ich alles reparieren müssen“ Modus gekommen, Stop, Themenwechsel! Mateja, wir denken an Dich! Neue Liebesgeschichten gibt es zwar nicht, auch keinen Marinatratsch, aber zumindest vom Essen gibt’s was zu berichten, und vom Wetter…:

Kulinarisch geht es uns blendend, wir haben unsere Ernährung wieder auf Fisch umgestellt, selbst gefangen oder vom Fischer gekauft. In Kokosmilch eingelegte Fischfilets, mit Sesamkruste gebraten, das ist Tadejas neueste köstliche Kreation, schmeckt hervorragend, ist gesund und preiswert. Zwei Dollar kostet ein großer Fisch beim Fischer, bei dem wir nur von den Filets zwei große Mahlzeiten haben. Zwei Dollar kostet in dem kleinen Fischerdorf, in dem wir uns verproviantieren, so ziemlich alles. Eine Staude Bananen, Kochbanananen, ein großer Sack Zitronen,  Papayas, was auch immer so auf den Bäumen hier wächst. Alles zum Einheitspreis, ist einfacher zum Rechnen.

Das Klima hier im Pazifik ist für uns sehr angenehm, die Nächte sind kühl, die Luft ist trocken, kein Tropfen Regen ist bisher gefallen. Ein paar Meilen weiter nördlich, auf der anderen Seite vom Panama Kanal, in der Karibik, da ist es heiß und schwül, hier ist es wie in Griechenland im September, damit sind wir einverstanden. Es ist eine andere Welt hier, im einsamen Pazifik, ganz anders als die überlaufene Karibik, und auch damit sind wir einverstanden. Wir freuen uns, wenn wir einmal ein anderes Segelboot sehen, mit Ausnahme der „Ferieninsel Contadora“, wo viele Panamesen das Wochenende verbringen, sind die Lackners unter sich. Wenn das Wasser hier nur klar wäre und die Sandfliegen beschließen würden auszusterben, es wäre ein Paradies …

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Panamakanal und Pazifik

Stiller Ozean, Friedlicher Ozean, Mare Pacifico, Pazifik, wie süß klingt das in unseren Ohren, aufregend, exotisch, nach kleinen Inseln weit draußen im tiefblauen Meer, Südsee-Atollen, nach großen langen Wellen, nach hoher Flut und niedriger Ebbe, nach einsamen Plätzen, nach Buckelwalen und Grizzlybären im Norden, nach unendlich weitem Blau im Westen, und es riecht nach Abenteuer.  

Endlich sind wir hier, auf der anderen Seite der Welt, im Pazifik, gelandet. Turbulente Tage liegen hinter uns, geschäftiges Vorbereiten, uns für den Kanal-Transit fertig machen, steigendes Nervositätsbarometer. Am 23. Jänner geht es dann los, wir drehen in den „Flats“- so heißt der Wartebereich vor der Kanaleinfahrt – unsere Runden und warten auf den Advisor, dessen Ankunft uns San Cristobal Signal Station auf Kanal 12 für 15:15 ankündigt. Wir, das sind die KALI MERA, Eva und Hans von der TANGAROA sowie John, unser Schiffsnachbar von der GEORGIA B in der Shelter Bay, die uns als Linehandler helfen, und natürlich Tadeja und ich. Victor, unser Advisor für den ersten Tag durch die Gatun-Schleusen, kommt pünktlich und sofort zischen wir unter Vollgas zu den Schleusen (das Wort „zischen“ ist vielleicht etwas übertrieben, aber 7,2 Knoten sind für unsere betagte KALI MERA eine beachtliche Geschwindigkeit unter Maschine). Vor den Schleusen gehen wir an der irischen KARMA längsseits, zu zweit geht es dann „im Packerl“ durch die drei Schleusen, hinauf in den Gatun-See. Die Leinen und meine Nerven sind angespannt, es ist aufregend, doch letztendlich verläuft alles ganz einfach und ruhig, alle helfen zusammen und es ist eine sichere Fahrt hinauf in den riesigen künstlichen See, der die beiden amerikanischen Kontinente trennt und die beiden Ozeane vereint. Die Nacht verbringen wir mit KARMA an einer großen Muringtonne im See, am nächsten Morgen geht es mit Edwin, unserem Advisor für den zweiten Tag, über den See zu den Miraflores-Schleusen. Knapp 30 Seemeilen folgen wir der Route der Großschiffahrt, immer knapp an den Tonnen an steuerboard, eine Fahrt durch den unberührten Dschungel. Hinunter in den Pazifik werden wir dann in einem Dreier-Packerl geschleust, es ist etwas windig und der Druck auf den Leinen enorm, aber auch diese Fahrt wird von der Kanalmannschaft und unseren Crews professionell und ohne Zwischenfälle gemeistert (Danke Eva und Hans, thank you, John! Yes, I will listen to „blues with a feeling“ from Little Walter. And I promise to have the “Charles Mingus Anthology” on board when we meet next). Wir haben wie so oft das Glück, ganz liebe Menschen bei uns an Board haben zu dürfen.

Tadeja hat ausgiebig vorgekocht und verwöhnt alle mit üppigem Frühstück, Chilli und Hühner-Curry, und Abends mit der üblichen Mischung aus Bier, Weiß- und Rotwein sowie einem Abuelo Rum. Der Advisor hat Anspruch auf ordentliche Verpflegung und die unsrigen hatten allen Grund zufrieden zu sein. Goldene Regel fürs sorgenfreie Reisen: Sei höflich zu den Zollbeamten und füttere den Advisor gut!

Die Passage in den Pazifik ist ein Meilenstein auf unserer Tour, der Beginn eines ganz neuen Abenteuers. In der Vorstellung, da waren wir schon so manches mal hier, im letzten Jahr auch ganz real, als Linehandler auf einem anderen Boot, und jetzt schwingt die KALI MERA selbst ganz fröhlich vor Panama City in La Playita vor Anker hin und her. Jetzt ist endlich wieder freier Seeraum nach Westen, – nächster Stop: Suezkanal – und bis dahin sollen es noch viele Seemeilen werden.  Wenn wir unseren Globus zuhause umdrehen, so dass nicht mehr Österreich in der Mitte ist, sondern man nur noch „blau sieht“ mit ein paar Punkten in der Mitte, dann sieht man erst wie gigantisch dieses Meer und wie blau unser Planet ist (in Österreich sieht man zwar auch immer mehr blau, aber das ist dann gar nicht die Farbe die wir so schön finden, es leuchtet nicht so und geht etwas ins bräunliche).

Die nächsten Tage werden wir die „Las Perlas“ Inseln besuchen, Inselhüpfen im Golf von Panama, wir wollen ausspannen und sanft vor Anker schaukeln, uns mit dem neuen Ozean vertraut machen und wenn möglich auch gleich Freundschaft schließen, schließlich soll es eine lange und gute Beziehung werden…

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wieder zurück

Am 31.12. fliegen wir frühmorgens von Wien über Madrid nach Panama, von dort geht es mit dem Taxi weiter in die Shelter Bay Marina. Dank der Zeitverschiebung kommen wir hier dann um sieben Uhr Abends an – also frühzeitig genug, um das Neue Jahr hier zu begrüßen. Die KALI MERA steht schon nicht mehr im abgesicherten Storage-Yard sondern wie vereinbart im Work-Yard, das Hotelzimmer für die ersten Nächte ist bereit, und Grete und Poldi von der YIN-YANG erwarten uns mit einem Sylvester-Abendessen. Am nächsten Tag geht es unmittelbar nach Sonnenaufgang mit den Boots-Arbeiten los, eine Woche haben wir für die Tätigkeiten an Land eingeplant, und punktgenau werden wir auch mit allem fertig. Schiff putzen, Dichtungen vom Drive wechseln, Bugstrahlruder servicieren, Antifouling streichen, Hull polieren, Batterien tauschen …, jeden Tag stehen wir mit der Sonne auf und wenn sie wieder schlafen geht, da möchte auch ich am liebsten sofort wieder ins Bett, völlig erledigt von der „Schwerarbeit“, der Zeitumstellung und dem tropischen Klima. Am 7.1. haben wir Krantermin, die KALI MERA schwimmt wieder und das Leben an Deck wird gemütlicher, aber nicht weniger arbeitsreich.  Alle Wanten sind von Flugrost bedeckt, Tadeja reinigt in großer Höhe das Rigg, die Segel werden angeschlagen, Wasserpumpe und diverse Teile dazu ausgetauscht (eingebaut, getestet und für undicht befunden, ausgebaut, serviciert, wieder eingebaut…), der Volvo Wärmetauscher gereinigt und dann x-mal aus und wieder eingebaut, bis alles passt (er musste ausgebaut werden weil eine Endkappe undicht geworden ist, Gottseidank habe ich die als Ersatzteile mitgenommen). Es wird geputzt und lackiert – wir bereiten unser Boot auf die große Fahrt über den Pazifik vor. Die Fahrräder werden gerichtet und serviciert (wie mein Rad an Board einen „Patschen“ bekommen konnte, ist mir ein Rätsel), wir sind bereit für unsere Radtouren in den Nationalpark, an dessen Rand die Marina liegt. Brüllaffen, wir kommen!

Unsere liebe Freundin Mateja hat sich bei mir beschwert, dass ich viel zu viel von den ganzen Reparaturen schreibe und nicht von den wirklich wichtigen Dingen, Boardleben, Essen, Tratsch…, das nehme ich mir nun zu Herzen und werde sofort von alledem berichten:

Das Faultier, das am Marinagelände in seinem Baum wohnt, und das Tadeja jeden Tag besucht, ist nun schon seit vier Tagen abgängig! Tadeja befürchtet, dass es die Geier, die ständig über uns kreisen, geholt haben – ich hoffe, dass es lediglich eine Studienreise zu einem Liebesabenteuer in den Dschungel unternommen hat und bald wieder (völlig erschöpft) in seinem Baum sitzt. Das possierliche Tierchen verlässt seinen Baum ja nur einmal die Woche, um seine Notdurft zu verrichten, bei dem langsamen Stoffwechsel wird ja wohl ein Freundes-Besuch etwas länger dauern dürfen.

Ein neues Krokodil wohnt auch in der Marina, mit nur zwei Meter etwas kleiner als Jorge, der bisher das Terrain bewacht hat. Jorge musste umgesiedelt werden, weil er beim Picknickplatz den kleinen Kindern nachgelaufen ist, ganz sicher wollte er nur spielen. Oder picknicken.

Gekocht wird nun wieder am Schiff, Tadeja wurde vom Kapitän zum ersten Versorgungsoffizier befördert und kümmert sich großartig um die Verpflegung der KALI MERA Mannschaft. Gestern gab es, nachdem die anderen Vorräte ausgegangen sind, sogar etwas so abenteuerliches wie Yams-Wurzel-Püree.

Neben alten Bekannten (Hurrican Tom mit Frau und Schwager von der GOOD NEWS) treffen wir auch Uralt-Bekannte, nämlich die Tina, die gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang in Griechenland in Sivota auf die MINERVA, unser geliebtes früheres Boot, aufgepasst hat. Wie die Welt doch klein ist!

Ich bemühe mich redlich bis 22:00 wach zu bleiben, um besser zu schlafen, allerdings kommt nach Sonnenuntergang eine unvorstellbare Müdigkeit, gegen die ich beinahe machtlos bin, aber gestern ist es mir unter großer Anstrengung gelungen, bis 22:35 nicht einzuschlafen!

So, und jetzt wieder zu den Reparaturen 😊. Viel ist nicht mehr zu tun, die Membranen vom Wassermacher muss ich noch tauschen, und mit der Nähmaschine, die wir letztes Jahr von der THAT’S LIFE erworben haben, wollen wir noch unseren Regenschutz für die Luken optimieren.  Und die Kaffeemaschine, fast das wichtigste Crew-Mitglied nach dem ersten Versorgungsoffizier, die musste ich komplett zerlegen und wieder zusammenbauen.  Jetzt geht sie wieder, die Ursache fürs Totalversagen war sicherlich die kleine Schraube, die werksseitig schon zu viel eingebaut wurde und die mir beim Zusammenbau übergeblieben ist (und nicht das graue Zeugs, das die feinen Kanäle verstopft hat).

Die Kanal-Passage in den Pazifik organisieren wir ohne Agenten, wie es auch schon Veronika und Robert von der SEVEN SEAS auf Basis der Anleitung von der BLUE LILLY geschafft haben, und genau so machen wir das auch. Bisher funktioniert alles klaglos, wir (bzw. die KALI MERA) wurden bereits vermessen, und der Vermesser von der Panama Kanal Gesellschaft erledigt für uns den ganzen Papierkram. Unser Wunschtermin für die Passage ist der 20.1., bis dahin werden wir ohne Druck mit allen Vorbereitungen fertig werden. Den genauen Transit-Termin werden wir erst am Donnerstag erfahren, man kann uns dann auch auf der Panama Kanal Website live verfolgen, Detaildaten dazu folgen noch!

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einmal guna yala und retour

Während ich diesen Beitrag schreibe befindet sich die KALI MERA schon längst an Land, sitzt bequem auf Ihrem Kiel und träumt von fernen Ozeanen, frischem Antifouling und ruhigen Ankerplätzen.  Wir dagegen hocken in Wien, haben den Navigationstisch mit dem Büro und das Achterdeck mit der Praxis getauscht, den Ankerplatz mit unserem Garten und das Dinghi mit den Autos. Die Saison war diesmal kurz, aber ein absolutes Highlight der bisherigen Reise.

Zwei Wochen lang segeln wir mit unseren Kindern (wir haben Besuch!) von einer Insel zur nächsten, gemütliches umherstreunen ist angesagt, auch einen Landausflug mit Lisa, weithin bekannter Transvestit, Mola Verkäuferin und Guide, steht am Programm. Die Flusswanderung durch Rio Sidre ist ein eindrucksvolles Erlebnis, anfangs fürchte ich noch, dass es ein 08/15 Touristen-Ausflug werden wird, aber als wir dann mitten im Flussbett zurück wandern, in tiefe Becken mit glasklarem kühlen Wasser springen, Wasserfälle hinunterrutschen, an Krokodilbabys vorbei spazieren,  von der Mutter nicht und von den Sandfliegen schon gefressen werden, da wird es zum einmaligen Erlebnis. Nach einer äußerst nassen Überfahrt mit dem kleinen Motorboot gegen die steilen Wellen und den Wind zurück zur KALI MERA gibt es noch ein gemeinsames Abendessen, Tadeja hat Lobster-Curry gekocht und unser Besuch erzählt noch Geschichten über die Kunas, ein schöner und stimmiger Ausklang. Danke Lisa!

Nach dem letztendlich viel zu kurzen Aufenthalt in dem traumhaften San Blas Archipel zischen wir tags darauf bei kräftigem Nord-Ostwind und richtig großen Wellen zurück in die Linton Bay. Florian hat uns in Salardup verlassen um rechtzeitig zu seinem Rendezvous in Panama City zu sein, Timi steigt in der Linton Bay in den Bus Richtung Bocas del Toro, wir sind wieder allein und nach ausgefüllten zwei Wochen tut uns nun ein kurzes Relaxen gut. Dann geht es aber gleich weiter zurück in die Shelter Bay, ein Katzensprung mit Starkwind und hoher See von achtern.  Nach der gemütlichen Feiertags-Seglerei im Kuna Land zeigt uns das karibische Meer noch einmal so richtig, was es drauf hat, die höchsten Wellen unserer bisherigen Reise, es geht gewaltig hinauf und hinunter, und schneller als erwartet sind wir bei der eindrucksvollen Einfahrt in das geschützte Becken vor dem Panama-Kanal. Donnernde Gischtfontänen schießen viele Meter hoch über die riesigen Wellenbrecher, viele Tage lang hat der starke Wind eine hohe Welle vor sich hergeschoben, die sich nun erbost über die plötzliche Gegenwehr gegen die mächtigen Betonblöcke wirft. Wir melden uns per Funk bei der Cristobal Station Control, Gottseidank ist gerade kein Frachter auf der Durchreise, wir brauchen nicht zu warten und queren mit geblähten Segeln die Fahrlinie der Großschifffahrt. Anlegen in der Marina erfordert Konzentration, auch dort steht noch eine steife Brise, aber alles läuft perfekt.

Es sind noch nette Tage in der Shelter Bay, ATANGA ist da und repariert emsig die Blitz-Schäden, die THAT’S LIFE mit Susanne und Thomas läuft einen Tag nach uns ein, nachdem sie sich tapfer und seekrank bei dem schweren Wetter von Providencia nach Panama durchgekämpft haben, es gibt viel zu erzählen, am Abend hilft dabei das eine oder andere Glas Wein, und so wird wieder einmal ordentlich Seemannsgarn gesponnen.

Eine knappe Woche haben wir in der Marina Zeit um alles wieder für den Sommer zu verpacken, nichts wird diesmal an Deck gelassen, wir haben von der letzten Saison gelernt.  Motoren und die ganze restliche Technik werden serviciert und eingesommert, der UV Schutz beim Groß vom Segelmacher etwas nachgenäht, Bimini und Sprayhood gewaschen und verstaut. Das Wetter ist perfekt zum Packen, die Sonne ist schüchtern und es ist völlig trocken, moderate Temperaturen machen die Arbeit angenehm. Nur der Wind der bläst und bläst und die Segel sind noch angeschlagen, bei so viel Winddruck können wir sie nicht abnehmen. Am Abend, als der Wind kurz nachlässt (ich bin mir schon sicher dass er nur richtig Luft holt, um genau dann loszuprusten, wenn wir das Fall lösen) nehmen wir blitzschnell mit der Hilfe von Thomas die Segel herunter, ich pass kurz nicht auf und Thomas ist schon begraben unter 55m2 Genua und geht dennoch nicht über Board. Blitzschnell alles zusammenlegen, unter Deck verstauen, fertig –  Nervosität vorbei.

Auch wenn wir schon ziemlich routiniert beim Zusammenpacken sind, bis dann die gute Dame sicher an Land steht, korrekt aufgebockt und ordentlich konserviert ist und meine Anspannung sich in Erleichterung verwandelt kann, braucht es so manchen Schweißtropfen. Aber dann ist alles fertig, ich sperre zu, nehme die Leiter weg, verabschiede mich und verlasse den Hochsicherheitsbereich – und es will mir einfach nicht einfallen, was ich diesmal wieder vergessen habe.  Mein Gedächtnis arbeitet wie erwartet mit äußerster Präzision, sobald am Abend alles abgesperrt ist und keiner mehr da ist, der mich in den Storage Bereich hineinlassen kann, fällt es mir sofort ein – die Dokumente fehlen! Schlecht schlafen, in der Früh in die Werft huschen, das Taxi warten lassen und gerade rechtzeitig zum Flughafen kommen, noch eine kleine Weltreise über Bogota nach Istanbul und weiter nach Wien, und schon liegt unsere Segelsaison 2018 im Kielwasser und wir freuen uns – ein wenig wehmütig – auf die Zeit in Europa.  Zehn Monate werden wir als Landratten dem schnöden Mammon hinterherjagen um uns dann voller Tatendrang, neuer Energie und nachgefüllter Reisekassa in den Pazifik aufzumachen – für den nächsten großen Abschnitt unserer Reise.

 

die KALI MERA ankert vor Esnasdup (Danke Adrian für das Video):

 

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